Fotografieren mit (Klein)Kindern: Der beste Start

„Papa, ich will auch“ sagen schon Kleinkinder, wenn sie ihre Eltern beim Fotografieren erleben. Vielfach würden sie den Erwachsenen am Liebsten die Kamera aus der Hand reißen und selbst auf Fotojagd gehen, was sich so auf dem Display alles tut, finden Kinder übrigens sehr spannend. Als Fotoliebhaber freut einen natürlich die Begeisterung der Kleinen, die man entsprechend auch heranführen möchte. Die Frage ist nur, wann dafür der richtige Zeitpunkt ist und wie der Einstieg am besten erfolgen sollte. Auch kommt sicherlich die Frage auf, ob eine spezielle Kinderkamera erforderlich ist. Unabhängig von den Antworten steht fest, dass Kinder eine hohe Begeisterung für die Fotografie zeigen und sie keine Berührungsängste mit der Technik haben. Aber der Reihe nach.

Foto: Petra Vogt
Foto: Petra Vogt
Kommen wir zur ersten Frage: Wann der beste Zeitpunkt ist. Pauschale Antworten kann man dazu kaum geben. Es hängt sehr vom Kind selbst und dessen Entwicklungsstand und Interessen ab. Interessanterweise haben sich auch die Antworten von Experten im Lauf der Jahrzehnte deutlich geändert. Hieß es noch in den 1960-ern „Kinder der ersten Schulklassen werden mit einer Kamera noch nicht allzu viel anfangen können.“ werden heute schon erfolgreich Fotoprojekte mit Vorschulkindern durchgeführt. Der frühest mögliche sinnvolle Einstiegszeitpunkt für das Fotografieren ist der, an dem Kinder den komplexen Zusammenhang zwischen gesehenem Bild, Auslösen und Abbildung verstehen. Das kann schon um die vier Jahre der Fall sein. Vorher reicht eine Spielzeugkamera, denn dem Kind kommt es dann mehr auf die Geräusche und das Nachahmen der Eltern an. Die Kleinen verstehen dann noch nicht, dass das Bild, das sie auf dem Display beziehungsweise im Sucher sehen, jenes ist, das sie durch Auslösen festhalten.

Sobald Kinder jedoch kognitiv weit genug sind, dies zu begreifen, können sie auch mit einer richtigen Kamera etwas anfangen und profitieren davon. Fotografieren schult nämlich nicht nur die Wahrnehmung, sondern auch Geduld, Motorik und technisches Verständnis. Zu Beginn haben gerade die Kleinsten oft noch wenig Geduld, sich länger mit der Kamera zu beschäftigen. Da heißt es dann mal schnell „Die ist blöd, die Kamera, die macht nicht, was ich will.“ Beschäftigt man sich mit dem Fotonachwuchs, kann man solche Hürden jedoch schnell überwinden und es ist sehr interessant zu sehen, welche Motive die Kleinen im Fokus haben und welche Aufnahmen gemacht werden. Da sind dann etwa die Kuscheltiere das Lieblingsmotiv und bekommen ihr Bild auch gleich anschließend gezeigt, wie unsere nicht gestellte Aufnahme zeigt. Für uns Erwachsenen sind die Aufnahmen des Nachwuchses überaus interessant, nicht nur durch den Blickwinkel, aus dem heraus sie entstanden sind, sondern weil wir so erfahren, was Kinder in ihrer Umwelt als sehenswert erachten.

Das Erfolgserlebnis für fotografierende Kinder ist erfahrungsgemäß noch größer, wenn man ihre Fotos nachher nicht nur auf dem kleinen Bildschirm anzeigt, sondern auch ausdruckt beziehungsweise ausbelichten lässt. Gerade für die Kleinsten ist ein Bild zum Anfassen deutlich wichtiger als die digitale Version. Stolz können sie ihre Bilder dann auch herumzeigen.

Welche Kamera darf es sein?

Foto: Petra Vogt
Foto: Petra Vogt
Spezielle Kinderkameras sind für den Einstieg selbst für Vorschulkinder nicht unbedingt nötig, haben aber bei den Kleinsten einige Vorteile. Eine gute Alternative sind Outdoor-Kameras. Beide Typen haben den Vorteil einer leichteren Handhabung. Die miniaturisierten schicken kleinen Kompaktkameras der Erwachsenen sind für die bei vielen Kleinkindern noch nicht so gut ausgeprägte Feinmotorik meist eher eine Herausforderung. Spezielle Kinderkameras haben dagegen sogar oft Griffe an beiden Seiten, so dass ein Kind die Kamera leicht mit beiden Händen halten kann. Auch bei Outdoor-Kameras sind die Bedienelemente oft relativ groß und leicht erreichbar angebracht – sie sollen von Erwachsenen nämlich auch mit Handschuhen bedient werden können. Auch macht es Outdoor- und Kinderkameras nicht so viel aus, wenn sie mal einen Stoß abbekommen, mit klebrigen Fingern angefasst werden oder gar herunterfallen. Um die kleine Zielgruppe anzusprechen, sind dedizierte Kinderkamers in der Regel kindgerecht designt und zum Teil auch in Sondereditionen mit gerade angesagten Figuren, wie etwa Filly-Pferden, erhältlich. Die Anpassung an den Kindergeschmack reicht bei Ihnen auch in die Bildgestaltung hinein. So werden typischerweise Overlay-Masken mit comicartigen Zeichnungen als Bildvariante geboten. Gerade die Kleinsten mögen solche Effekte und können sich lange damit beschäftigen. Sie machen jedoch nicht nur Spaß, sondern regen eine Beschäftigung mit der Bildgestaltung an und fördern über Verzerr- und Kaleidoskopeffekte die Kreativität. Einige Modelle bieten außerdem Zusatzeffekte, wie etwa Spiele und einen Musikplayer, um die Kamera zum Multifunktionsbegleiter für unterwegs zu machen.

Originalfoto VTech Kidizoom Connect, Fotografin: Luna Vogt (4 Jahre)
Originalfoto VTech Kidizoom Connect, Fotografin: Luna Vogt (4 Jahre)
Die sogenannten Kinderkameras erweisen sich mitunter in der Bedienung für den fotografierenden Nachwuchs nicht leichter als beispielsweise Kompaktkameras. Ein typischer Vertreter weist schon eine Reihe von Knöpfen und Auswahlmöglichkeiten auf, die vierjährige überfordern können. Wer mit einer Kinderkamera liebäugelt, weil er sie für so viel einfacher hält, kann auch eine Outdoorkompaktkamera nehmen. Auch sie verfügt über eine Vollautomatik, die Kindern die Bedienung leicht macht. Den mangelnden Schnickschnack gleicht sie mit deutlich besserer Bildqualität aus. Während spezielle Kinderkameras auch heutzutage noch mit 2 Megapixeln verkauft werden, liefern die Outdoor-Kameramodelle die derzeit üblichen 12 Megapixel und mehr. Ein Ausdruck oder die Aufnahme ins Fotobuch lässt sich mit den 2 Megapixeln aus einer Kinderkamera jedoch kaum auf mehr als in Postkartengröße in ausreichender Qualität zeigen, so dass der Weiterverwendung mehr als enge Grenzen gesetzt sind. Da bieten klassische Kompaktkameras deutlich mehr Möglichkeiten. Auch der Autofokus und die Belichtungsautomatiken sind bei Ihnen oft deutlich hochwertiger (siehe Vergleichsbilder). Gerade größere Kinder merken den Unterschied schnell und können mit einer Kinderkamera frustriert über ihre Ergebnisse sein: „Guck mal, die Bilder sind immer so dunkel“, heißt es dann etwa oder „Warum sind die Bilder bei mir so unscharf? Bei Dir sind sie viel besser“. Außerdem punkten Kompaktkameras mit deutlich mehr Einstellungsmöglichkeiten als die Kinderkamera und bieten daher auch mehr Chancen für den Einstieg in die ambitioniertere Fotografie.

(Foto: Lumix G6 mit 25/1.4) (Foto: Kidizoom Connect)
Dafür ist der Preis jedoch auch höher: Ab etwa 200 Euro sind für eine Outdoor-Kompakte zu veranschlagen. Ein Auslaufmodell oder eine Gebrauchte sind deutlich günstiger erhältlich. Eine dedizierte Kinderkamera ist ab etwa 50 Euro erhältlich, dafür muss man Abstriche beispielsweise bei der Bildqualität machen. Und einen weiteren Punkt sollte man im Blick haben und sich die Frage stellen, ob das Kind zwei, drei Jahre später wirklich noch mit einer Kinderkamera fotografieren möchte, auf der sich Motive befinden, die out sind.

Wer die Älteren an die Fotografie heranführen möchte, kommt jedoch mit beiden Kameratypen nicht weit, da sowohl die meisten Outdoor-Kompakten als auch die Kinderkameras nicht über fortgeschrittene Einstellungen, wie die Vorwahl von Blende und Belichtungszeit, verfügen. Wer die technischen Grundlagen vermitteln und den Einstieg in die ambitionierte Fotografie erleichtern möchte, sucht am besten ein Modell mit dem typischen Moduswahlrad aus, denn dieses ist später auch bei allen hochwertigen Kameras enthalten. Es ermöglicht eine deutlich leichtere Wahl etwa des Blendenmodus als wenn ein Durchhangeln durch zahlreiche Menüs nötig ist. Auch macht es gleich klar, dass die Fotografie deutlich mehr Möglichkeiten bietet als nur das schnelle Drücken auf den Auslöser bei Smartphones. Um den Einstieg leichter zu machen, sind Kameras praktisch, die über

Lumix G6, Foto: Petra Vogt
Lumix G6, Foto: Petra Vogt
einen speziellen Knopf für die Vollautomatik verfügen (in unserer Abbildung der blau leuchtende „iA“-Button), so dass ein Kind auch ohne komplexe Menüs immer in diesen leicht beherrschbaren Bereich wechseln kann. Als Bonus kommt dieser Kameraklasse dazu, dass sie potenziell über einen deutlich größeren Brennweitenbereich verfügt als die Kinderkameras und Outdoor-Kompakten, die in der Regel bei einem fünffach-Zoom stehen bleiben. Für die Größeren, schon ab 12 Jahren, bietet ein System mit Wechseloptiken das größte langfristige Ausbaupotenzial.

Wie stark man das Kind mit technischen Details fordern kann, ist jedoch individuell sehr verschieden. Primär, so unsere Ansicht, sollte die Lust am Bild und Bildermachen im Vordergrund stehen, denn sie ist der Nährboden für den vielleicht später folgenden Spaß an den technischen Details. Selbst wenn sich der nie einstellt, profitieren Kinder aller Altersstufen sehr von einer Einführung in die Fotografie: Sie lernen, sich nicht nur als Medienkonsumenten, sondern auch als aktive Gestalter in unserer Medienwelt zu bestätigen.

Fotografieren in der Praxis 07 / 2014

1 Bewerten  |  Drucken  |  Weiterempfehlen
Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden