Fotografieren von Raritäten und Sammlerstücken

Fotografieren von Raritäten und Sammlerstücken Bildgalerie betrachten

Auch, wenn man, dank digitaler Bildbearbeitung, alles verschönern kann, so sollten Raritäten und Sammelstücke so fotografiert werden, dass sie der Wahrheit entsprechen und Form, Farbe, Material und Zustand auch in den Bildern richtig zur Geltung kommen. Die Qualität der Bilder ist nicht nur bei Internetauktion ein wichtiger Faktor für den Erfolg, sondern auch bei einem möglichen Verlust durch Diebstahl.

Erste Regel: Für das Fotografieren seiner Raritäten und Sammelerstücke sollte man sich Zeit nehmen und sich in Ruhe überlegen, welcher Hintergrund und welche Beleuchtung sie am besten zur Geltung bringen. Ein Stativ wird in jedem Fall helfen, die Bildqualität zu verbessern. Hat man eine große Sammlung an Münzen, Porzellan oder beispielsweise Schmuck, die ständig durch Neuanschaffungen erweitert wird, so ist ein Aufnahmetisch oder ein Ministudio empfehlenswert. Diese werden von einigen Fotozubehörfirmen angeboten und garantieren eine große Erleichterung sowie überzeugende Aufnahmen. Aufnahmetische gibt es in verschiedenen Größen und sind für die Still-Life- oder Produktfotografie eigentlich ein Muss. Mit durchscheinenden glasklaren oder milchigen Platten versehen, ermöglichen sie eine Rundum-Beleuchtung. Aufnahmetische gibt es auch in transportabler Ausführung, bei der die Tragetasche mitgeliefert wird. Mit Aufnahmetischen kann man eine geradezu schattenlose Beleuchtung erreichen. Praktisch sind auch komplette Mini-Studiosets, die schon mit Dauerlicht-Leuchten geliefert werden. Sie gibt es auch als Kofferset, das zur Aufnahme nur aufgeklappt werden muss und sich auch hervorragend zum Transport eignet.

Samt schmückt Schmuck

Besonders edel wirken Schmuck oder auch Münzen, wenn sie auf Samt fotografiert werden. Zu Goldschmuck passt zum Beispiel sehr gut ein Rotton, der die Wärme des Goldes unterstreicht, Silber harmoniert besonders schön mit Blau. Gut zur Geltung kommen Schmuckstücke auch auf schwarzen Untergrund, den Juweliere oftmals verwenden, um ihre Prachtstücke dekorativ zu präsentieren. Da Metall stark reflektiert, sollte die Beleuchtung nicht direkt auf das Objekt gerichtet werden. Schwierig ist die Aufnahme von Gold und Silber vor allem dann, wenn es sich nicht um plane Stücke, wie Münzen, handelt, sondern um geformte Gegenstände, wie Pokale oder Kerzenleuchter. Viele Reflexionen können schon durch eine bessere, leicht schräge Positionierung von Motiv und Kamera vermieden werden.

Während Broschen oder Orden direkt frontal aufgenommen werden können, ist es bei Armreifen und Ringen – um ihre Wirkung eindrucksvoller zum Ausdruck zu bringen – besser, sie schräg aufzunehmen. Viel Sorgfalt verlangt es, die Aufnahmeumgebung und auch Stoffe, wie Samt, von Fusseln und Staubkörner frei zu halten. Sicher kann man heute an seinen digitalen Bilddaten in der Nachbearbeitung noch vieles verbessern, es spart aber viel Zeit und Arbeit, wenn die Aufnahme schon so perfekt wie nur möglich ist. Plane Goldstücke können obendrein relativ einfach mit einem Scanner aufgenommen werden. Vorsicht ist geboten, damit man dabei nicht die Scannerfläche verkratzt.

Um den Gesamteindruck einer Sammlung zu verstärken, sollte man sich möglichst bei jedem einzelnen Stück immer für eine ähnliche Beleuchtung und gleichen Hintergrund entscheiden.

Das Bild im Foto

Auch fotografische Sammlungen gehören dokumentiert. Handelt es sich um ungerahmte Bilder, kann man sie natürlich über einen guten Scanner aufnehmen. Wobei im Scan die Struktur eines Gemäldes oder einer Grafik oft nicht so gut zur Geltung kommt wie bei einer Fotografie.

Gerahmte Fotografien oder auch Gemälde fotografieren sich am besten an der planen Wand und bitte immer gerade gerückt. Sind sie hinter Glas, muss man auch wieder auf Reflexionen achten. Mit Polfiltern und mit indirekter Beleuchtung lassen sich viele Reflexionen mindern oder auch ganz vermeiden.

Wichtig ist für eine wirklichkeitsnahe Aufnahme, dass die optische Achse des Kameraobjektivs genau auf den geometrischen Mittelpunkt des Bildes zeigt. Selbstverständlich müssen waagrechte und senkrechte Linien präzise stimmen. Jede Verkantung der Kamera nach rechts oder links, nach oben oder unten muss dafür vermieden werden. Viele Kameras haben inzwischen eine Wasserwaage, mit der ihre präzise Ausrichtung erleichtert wird.

Gläserne Schönheit

Wer eine Sammlung mit Gläsern sein eigen nennt, weiß, dass es nicht ganz einfach ist, sie in attraktiven Bildern festzuhalten, in denen ihre Struktur und gegebenenfalls auch die Farbe richtig dargestellt werden. So läuft man leicht Gefahr, mit ein wenig zuviel Licht die Umrisse eines Glases einfach wegzuleuchten. Vor allem farbloses Glas benötigt eine sorgfältige Ausleuchtung, bei der Licht von unten und Licht aus dem Hintergrund ebenso wichtig sind wie frontales. Sehr schnell übertönt ein zu stark gerichtetes Licht die konturgebende Beleuchtung.

Bei buntem Glas kommt erst durch das Licht, das durch es hindurch scheint, die Farbe gut zur Geltung. Empfehlenswert ist – wie auch bei manchen anderen empfindlichen Materialien – zum Arrangieren der Objekte Handschuhe zu tragen, um den Eindruck durch Fingerabdrücke nicht negativ zu beeinflussen. Gerade bei der Aufnahme von Glas ist ein Aufnahmetisch mit seiner durchsichtigen Platte und der vorhandenen Hohlkehle besonders hilfreich, durch die auf einfache Weise das Objekt von verschiedenen Seiten beleuchtet werden kann.

Von Puppen und Teddys

Hochwertige Puppen oder Stofftiere – ob aus Plüsch oder Porzellan – haben ihren eigenen Charme. Wer sie sammelt, möchte ihre Eigenheiten in Bildern auch deutlich machen. Ihren Charakter fotografisch hervorzuheben, ist kaum weniger schwierig als Menschen oder lebendige Tiere zu porträtieren. Natürlich haben Puppen und Stofftiere den Vorteil gegenüber Lebewesen, dass sie sich nicht bewegen und geduldig auch längere Fotositzungen über sich ergehen lassen. Das Problem ist, dass man ihnen in der Fotografie doch ein „lebhaftes“ Aussehen einhauchen möchte. Empfehlenswert ist es – ob Teddy oder Stoffhund – sie nicht frontal zu fotografieren, denn das lässt zum Beispiel das Gesicht eines Teddys flach erscheinen. Mit der Lichtführung kann man sich an der Porträtfotografie orientieren. Ein möglichst natürliches Licht wird den „kleinen Persönlichkeiten“ am besten gerecht. Leicht schräges Licht wirkt meist am natürlichsten. Harte Schlagschatten sollten vermieden werden. Mehrere Lichtquellen zum Austesten der besten Ausleuchtung lassen auch ein gutes Bild erwarten. Diffusorfolien, vor den Lichtquellen angebracht, können dafür sorgen, dass es weniger harte Schatten gibt. Augenhöhe ist für die Aufnahmen meist am günstigsten, damit es nicht zu perspektivischen Verzerrungen kommt. Für den Hintergrund sollte eine harmonische Farbe gewählt werden, die ebenso wie das Material auch der Zeitepoche des Sammlerstücks entsprechen.

Bella Figura

Beim Abbilden von Skulpturen und Plastiken möchte man selbstverständlich auch die Dreidimensionalität des Sammlerstückes einfangen. Mit weniger als drei Lichtquellen ist das schwierig, denn das Objekt soll nicht nur frontal geblitzt oder beleuchtet werden. Auch hier kann man weiche Ausleuchtung erreichen, wenn man zum Beispiel ein dünnes, weißes Tuch vor die Lichtquelle spannt. Gut lassen sich Skulpturen vor einer gleichmäßig ausgeleuchteten einfarbigen Wand aufnehmen. Mit Lampen zu arbeiten, macht es natürlich einfacher als zu Blitzen, denn man kann die Wirkung der Beleuchtung genau beurteilen: Wie ist die Wirkung bei welcher Entfernung des Objekts vor dem Hintergrund und bei welcher Platzierung der Lampen entstehen welche Schatten und welche Bildwirkung wird dabei erreicht. Wer Aufnahmen bei Tageslicht oder im Freien machen möchte, dem können Aufheller aus Styropor oder auch Alufolie auf dem Weg zu einem guten Bild helfen.

Wer heute seine Sammlung in schönen Bildern zeigen möchte, für den ist die Digitalfotografie eine große Hilfe. Zu analogen Zeiten haben die Versuche, das Optimum bei seinen Aufnahmen zu erreichen, viele Filme und hohe Entwicklungskosten erfordert. Heute kann man mit der Digitalkamera ohne einen Gedanken an die Kosten Bildserien machen, bis man die gewünschte Wirkung erreicht hat. Denn nur Übung macht auf die Dauer den Meister. Und nun ein letzter Tipp: Individuell erstellte Fotobücher, wie sie in verschiedenen Formaten mit unterschiedlichen Seitenzahlen angeboten werden, sind zur Visualisierung der eigenen Sammlungen prädestiniert.

Fotografieren in der Praxis 05 / 2012

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