Fotografische Osterimpressionen – Motive soweit das Auge reicht

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Spätestens jetzt sollte der Winterschlaf der Kamera beendet werden, sofern sie überhaupt einen gemacht hat. Ostern – im Christentum die jährliche Gedächtnisfeier der Auferstehung Jesu Christi, der nach dem Neuen Testament als Sohn Gottes den Tod überwunden hat – steht vor der Tür. In allen Ländern ist Ostern mit Bräuchen verbunden, die eine Fülle an Fotomotiven garantieren. So ist es in deutschsprachigen Ländern und in den Niederlanden üblich, dass Eier bemalt werden, die dann mit Süßigkeiten von einem „Osterhasen“ versteckt werden. Schon das Eierauspusten muss mit der Kamera eingefangen werden, denn wir alle wissen, dass es dem einen oder anderen nicht nur die Röte ins Gesicht treibt, sondern auch, dass das eine oder andere Ei zu Bruch geht. „Nah ran“, ist die Devise und man muss ja auch nicht unbedingt das ganze Gesicht ablichten. Spielen Sie mit der Perspektive und dem Ausschnitt – oftmals ist in der Fotografie weniger mehr. Je enger der Ausschnitt gewählt wird, desto weniger Gedanken muss man sich übrigens über den Hintergrund machen. Aktivieren Sie die Serienbildfunktion, denn so wird jeder Moment dokumentiert, wenn Eiweiß und Eidotter die Eihülle verlassen. Und das Gute für den Fotografen ist, dass ja meist unzählige Eier ausgepustet werden – man kann sich also sozusagen mit jedem auszupustenden Ei an den fotografischen Erfolg herantasten.

Auch das Bemalen der Eier gehört fotografisch dokumentiert, wenn die Familie zusammensitzt und ihrer Fantasie freien Lauf lässt – aus dem Leben gegriffene Aufnahmen, die in keinem Fotobuch beziehungsweise Fotoalbum fehlen dürfen. Und das Schöne ist: Wenn es im nächsten Jahr wieder Osterpostkarten zu verschicken gilt, so kann man die mit seinen eigenen Fotos individuell gestalten. Übersichtsaufnahmen, die alle Eiermaler mit ihren Pinseln und Farben zeigen sind ein Muss und zugleich eine Herausforderung für den Fotografen. Wichtig ist, auf den Hintergrund zu achten, denn jede zusätzliche Bildinformation lenkt vom Motiv ab, das ja sowieso schon eine Fülle an Informationen zu bieten hat. Spielen Sie auch hier mit der Perspektive und nehmen Sie ungewöhnliche Standpunkte ein – fotografieren Sie ruhig mal aus der Vogelperspektive, also aus einem leicht erhöhten Standpunkt heraus. Aber auch Detailaufnahmen sind angesagt – also nah ran. Diese können nur etwa die Hand, den Pinsel und das Ei zeigen. Vergessen Sie nicht, die Gesichter der Akteure abzulichten – meist sind die so versunken, so dass ganz authentische Aufnahmen entstehen.

Sehr verbreitet sind auch Bräuche wie Ostereiertitschen, Ostereierschieben und Eierschibbeln – halten Sie diese mit der Kamera fest. Beim erstgenannte handelt es sich um einen alten Osterbrauch, der vor allem in der bayrischen Oberpfalz, in Südtirol, in vielen Regionen Österreichs über den Balkan bis nach Russland, in der deutschsprachigen Schweiz, aber auch im Rheinland, Luxemburg verbreitet ist. Es handelt sich dabei um einen Wettbewerb mit mehreren Spielern. Einer fängt an und schlägt mit der Spitze seines Eis auf die Eispitze seines Gegenspielers, mit der Absicht, dessen Schale zu zerbrechen. Sieger ist, dessen Ei zum Schluss als einziges noch unversehrt ist. In der Familie wird das Ostereiertitschen am Ostermorgen reihum am Tisch gespielt.

Das Ostereierschieben, umgangssprachlich meist nur Eierschieben oder „Eier trullern“ genannt, ist in einigen Regionen Deutschlands und Österreichs ein weitverbreiteter Brauch, der schon über 400 Jahre alt ist. In den Anfängen ließen Kinder aus gutbürgerlichen Familien Eier und andere Gegenstände den Hang herabrollen, die von Kindern armer Familien aufgefangen wurden. Im Laufe der Zeit wurde das Osterschieben für alle Kinder gleichermaßen veranstaltet. Je nach Region wird dieser Brauch abgewandelt – Kinder lassen Eier den Hang hinunterrollen. Gewinner ist derjenige, dessen Eier nicht nur die weiteste Strecke zurücklegen, sondern bei dem die Eier unversehrt bleiben. In Ostfriesland wird dieser Wettkampf übrigens als „Eier trullern“ bezeichnet. Während kleinere Kinder die hartgekochten Eier von der Deichkrone hinunterrollen lassen, werden sie von den Älteren regelrecht geworfen. Pro Runde scheiden alle beschädigten Eier, das am wenigsten weit geworfene Ei sowie alle eventuell bis in die Nordsee geworfenen Eier aus. Die verbleibenden Mitspieler werfen dann gemäß der erzielten Weite in umgekehrter Reihenfolge die Eier solange bis ein Sieger(ei) feststeht.

Fotografieren in der Praxis 04 / 2012

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