Fotografisches Spiel in der Nacht

HDR Brücke bei Nacht, Andreas Rützel Bildgalerie betrachten HDR Brücke bei Nacht, Andreas Rützel

Wenn es draußen dunkel wird, so bedeutet dies nicht, dass die Kamera schlafen gelegt und ihr eine Ruhezeit bis zum nächsten Morgen eingeräumt werden muss. Gerade in der tiefen Dunkelheit ergeben sich traumhafte Motive, die in der Fotosammlung nicht fehlen dürfen. Natürlich stellt die Dunkelheit an den Fotografen und sein Können größere Herausforderungen – diese sollte man aber annehmen. In jedem Fall gilt es, sich von der Annahme zu befreien, dass jedes Bild ein Volltreffer ist.

Auch, wenn aktuelle Kameras über zahlreiche Features verfügen, die das Fotografieren zu einem Kinderspiel werden lassen, so ist das Fokussieren der Kamera bei Tageslicht deutlich einfacher – unabhängig davon, ob mit dem Autofokus gearbeitet wird oder ob man die manuelle Scharfeinstellung wählt. Trotz ausgefeilter Technik ist es für den Autofokus bei tiefer Nacht fast nicht möglich, korrekt zu arbeiten. Aus diesem Grund kommt der Anwender um eine manuelle Scharfstellung meist nicht herum. Doch auch dies ist oftmals nicht so einfach, da bestimmte Details im Sucher nur schwer für den Fotografen erkennbar sind. Scharfe Bilder sind dennoch möglich, indem die Entfernung zum Hauptaufnahmeobjekt geschätzt und das Objektiv entsprechend eingestellt wird.

Bei Landschaftsaufnahmen sollte der natürliche Schärfepunkt im Horizont liegen. Die Entfernung am Objektiv braucht nur auf unendlich gestellt zu werden und die Aufnahme ist scharf. Je dichter sich das Aufnahmeobjekt vor der Kamera/dem Objektiv befindet, desto schwieriger ist es, darauf scharf zu stellen. Sofern es sich um nicht bewegte Motive handelt, hat der Fotograf die Option, mehrere Aufnahmen bei unterschiedlichen Entfernungseinstellungen zu machen. Eine „scharfe“ ist dann sicherlich mit dabei.

Fotografen möchten in der Regel nicht nur ablichten, sondern ihr Wunsch ist es, mit Bildkompositionen den Aufnahmen Intentionen zu geben. In der Dunkelheit ist eine Bildkomposition deutlich schwieriger. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, Testaufnahmen bei hoher ISO-Einstellung und der größten Blende zu machen. Die Belichtungszeit ist kurz und die Bildkomposition kann auf dem Kameradisplay überprüft und bei Bedarf geändert werden. Anschließend gilt es, Blende und ISO-Empfindlichkeit so einzustellen, dass stimmungsvolle Aufnahmen das Resultat sind.

Auf die Belichtung muss der Fotograf ebenfalls achten. Gerade bei Dunkelheit stößt man mit dem Kamerabelichtungsmesser gerne mal an die Grenzen. Hinzu kommt, dass der Belichtungsmesser auf Mitteltöne kalibriert ist. Das Ergebnis sind meist zu helle Aufnahmen. Ratsam ist in jedem Fall eine Belichtungsreihe.

Langzeitbelichtungen sind die Regel beim Fotografieren in der Nacht. Aus der Hand fotografiert, werden verwackelte Aufnahmen das Ergebnis sein. Ein Stativ – die Stütze des Fotografens – ist also zwingend erforderlich.

Fotografieren in der Praxis 03 / 2012

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