Fotoheimlabor - Abwedeln und Nachbelichten, Belichtungskorrektur im Schwarzweißlabor

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Ein Foto ist ordentlich belichtet, wenn es in schwarzen Bildbereichen tatsächlich schwarz ist und in weißen Bildbereichen tatsächlich weiß. Und bei einem „normalen“ Bild sollten dazwischen möglichst viele Grautöne vorhanden sein. Aber was, wenn das Schwarz mal nicht dunkel genug oder das Weiß nicht hell genug ist? Im Schwarzweißlabor lässt sich das leicht korrigieren.

Wer ein modernes Bildbearbeitungsprogramm benutzt, kennt die Funktionen, die mit Nachbelichten und Abwedeln bezeichnet werden. Wo nachbelichtet wird, wird das Bild dunkler, wo abgewedelt wird, erscheint das Bild heller. Das hat sich aber nicht etwa ein cleverer Programmierer am Schreibtisch ausgedacht, diese Funktionen sind einfach aus dem klassischen Schwarzweißlabor übernommen worden. Denn dort ist es üblich, das Bild ein wenig aufzupeppen, indem leichte Mängel in der Belichtung ausgeglichen werden.

Das macht man am besten beim Belichten des Fotos auf Fotopapier, nicht etwa beim Entwickeln des Negativfilms. Da kann schon einmal Einfluss auf das spätere Ergebnis genommen werden, wenn ein hart arbeitender Entwickler eingesetzt wird oder ein ausgleichender, der insgesamt ein gleichmäßigeres Negativ liefert. Aber wirklich Einfluss auf einzelne Bildteile nehmen lässt sich nur beim Erstellen der Abzüge. Und dafür ist auch kein Computer nötig, das Meiste geht mit der Hand, ein paar filigranere Hilfsmittel machen mitunter die Sache leichter.

Das Prinzip ist denkbar einfach, wenn man sich das Prinzip des Vergrößerns betrachtet. Dort, wo viel Licht auf das Fotopapier fällt, wird es dunkler, wo wenig Licht hinfällt, bleibt es hell. Deshalb ist das Negativ ja auch verkehrt herum. Was im Negativ schwarz ist, wird auf dem Abzug weiß, dort fällt wenig oder gar kein Licht hin, und umgekehrt. Wenn also ein Bildbereich zu dunkel ist, dann muss er teilweise abgedeckt werden, damit weniger Licht auf die Stelle fällt, man spricht vom Abwedeln.

Und dabei ist das Wedeln ganz wörtlich zu nehmen. Wer Teile seines Bildes abdeckt, um diese heller zu machen, also beispielsweise die dunkle Straße im Vordergrund aufhellen möchte, damit das Gebäude in der Bildmitte nicht auch heller wird, der muss wissen, dass die Abdeckung genauso wie sie ist auch auf dem Fotoabzug landet. Da möchte ja niemand eine scharfe Hand oder den Rand eines Kartons sehen. Deshalb wird beim Abwedeln die Abdeckung immer in Bewegung gehalten. Wer so etwas wie die Straße abwedeln möchte, kann ganz einfach die Hand zwischen Vergrößerungsobjektiv und Fotopapier halten – und ständig bewegen. Das erzeugt dann das, was am Computer eine weiche Kante genannt wird. Wer nicht ausreichend bewegt, erhält eine zu harte Kante, die nicht schön aussieht.

Meist liegt die Belichtung aber ja gar nicht so weit daneben, dass man die ganze Belichtungszeit über abwedeln muss. Wenn das Fotopapier beispielsweise 20 Sekunden belichtet wird, dann können drei, vier Sekunden schon ausreichen. Bei 20 Sekunden bleibt auch viel Zeit, noch einmal zu schauen, ob man an die richtige Stelle geht und man kann dann erst die Hand ins Licht strecken.

Bei kleineren Bildteilen kann man auf Hilfsmittel zurückgreifen. Zwei Finger zum Beispiel. Und wenn der abzuwedelnde Teil in der Bildmitte liegt? Der ist mit der Hand oder den Fingern ja nicht zu erreichen, ohne auch den Bildrand zu verdecken. Dann kann ein kurzer Draht, ausreichend stark, an dessen Ende ein kleiner Karton geklebt wird, hilfreich sein. Auch hier gilt: wedeln! Denn sonst zeichnet sich am Ende womöglich der Draht im Bild ab.

Das Gegenstück, Nachbelichten, ist im Prinzip nichts anderes. Man gibt mehr Licht auf die Bildteile, die dunkler werden sollen. Oder anders gesagt: Man deckt die Bildteile, die nicht dunkler werden sollen, ab. Aber wie bitte deckt man bei einem Abzug im Format 30×40 die unteren zwei Bilddrittel ab, wenn man nur den Himmel dunkler haben möchte? Nichts einfacher als das: Man geht mit der Hand (die eignet sich wirklich gut für gerade Linien) bis dicht unter das Objektiv. So lassen sich große Bildteile mühelos abdecken und der Rest nachbelichten. Und natürlich immer an die Bewegung denken.

Fotografieren in der Praxis 12 / 2013

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