Fotopapiere im Schwarzweißlabor - Ein Leitfaden

Abzug mit weicher Gradation
Im Fotolabor gilt es, zwischen mehreren Fotopapiersorten zu unterscheiden. Je nach Art haben diese ganz verschiedene Ausgestaltungen und müssen dementsprechend auch unterschiedlich verarbeitet werden. Wer das nicht beachtet, der wird in seiner eigenen Dunkelkammer nicht zu guten Ergebnissen kommen. Wenn man allerdings weiß, auf was zu achten ist, dann ist das schon einmal die halbe Miete für einen gelungenen Abzug.

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Sorten von Fotopapier. Zum einen das heute häufig eingesetzte PE-Papier, zum anderen das viel länger bekannte Barytpapier. Und kommt dann die Vielfalt hinzu, denn die meisten Fotopapiere werden mit verschiedenen Oberflächen angeboten. Dieser Leitfaden soll helfen, den Überblick zu behalten.

Eines der ersten Fotopapiere war das Barytpapier. Seine bildgebende Oberfläche besteht aus Bariumsulfat, das auch Baryt genannt und aus Schwerspat gewonnen wird. Als Untergrund wird Papier eingesetzt, Barytpapier muss deshalb nach der Verarbeitung plan getrocknet werden, dafür kommt bevorzugt eine Presse zum Einsatz. Wer eine glänzende Oberfläche haben möchte, muss dafür eine spezielle Spiegelpresse einsetzen. Barytpapier hat den großen Vorteil, dass es besonders lange haltbar ist. Ein Abzug auf diesem Fotopapier kann durchaus 100 Jahre und länger halten. Dafür ist Barytpapier wesentlich aufwändiger in der Verarbeitung als moderne Fotopapiere. Vor allem bei der Schlusswässerung ist viel Geduld gefragt. 30 Minuten sollten es schon sein. Barytpapier wird vor allem bei hochwertigen Abzügen für Ausstellungen eingesetzt.

Abzug mit mittlerer Gradation
Weit verbreitet ist heute das so genannte PE-Papier. Dabei besteht der Bildträger – wie der Name schon sagt – aus Polyethylen, kurz PE genannt. Das ist ein Kunststoff, der die Verarbeitung in der Dunkelkammer wesentlich einfacher und schneller macht. Man unterscheidet zwei grundsätzliche Arten von PE-Papieren, mal abgesehen von den verschiedenen Oberflächen: Zum einen solche mit fester Gradation, zum anderen solche mit variabler Gradation, meist „Multigrade“ genannt.

Dazu muss man verstehen, was die Gradation überhaupt ist. Dieser Wert gibt die Härte des Papiers an. Damit ist natürlich nicht die mechanische Eigenschaft gemeint, sondern vielmehr, wie hart die Kontraste sind. Ein hartes Fotopapier hat einen wesentlich höheren Kontrast als weiches. Oder in die moderne Computerwelt übertragen: Die Gradationskurve aus Bildbearbeitungen dürfte den meisten bekannt sein. Je steiler diese steht, umso härter das Fotopapier, wenn man es denn so übertragen würde. Weiches Fotopapier bildet also mehr Grautöne im Zwischenbereich ab, sorgt aber auch für einen „flaueren“ Bildeindruck. Die Gradation wird in Werten von 0 bis 5 angegeben, wobei 5 am härtesten und 2 der Normalwert ist.

Abzug mit harter Gradation
Nun gibt es also Fotopapiere, die eine feste Gradation haben. Das ist ganz ok, hat aber einen gewaltigen Nachteil: Der Papierberg im Labor wächst beträchtlich, denn man muss ja theoretisch für jede Größe jede Gradation bereithalten, wobei 5 und 0 nur ganz selten zum Einsatz kommen. Die Lösung: Multigradationspapiere. Diese sind eben in allen Härten belichtbar, die Härte wird über einen Filter gesteuert, der am Vergrößerer eingeschoben wird, meist zwischen Lampe und Negativ, manchmal auch direkt unterm Negativ, wobei das eigentlich die schlechtere Lösung ist, weil dann Staub auf dem Filter auch auf den Abzug projiziert wird. Diese Filter gibt es in Abstufungen von 00 (ganz weich) bis 5 (sehr hart).

Wer Multigradepapiere einsetzt, muss beachten, dass diese ganz ohne Filter nicht vernünftig zu belichten sind. Es ist nicht so, dass ein Fotopapier ohne Filter eine mittlere Härte hat. Vielmehr ist es so, dass der Abzug unendlich weich wird. Multigrade-Filter sollten immer groß genug gekauft werden, nicht dass es am Rand Abschattungen gibt oder Bereiche, die vom Filter nicht erreicht werden. Die Filter liegen meist als Folien vor, wobei diese – ähnlich wie Filme – aus Gelatine bestehen. Und deshalb dürfen diese Filter auch auf keinen Fall nass werden. Sie lösen sich zwar nicht gleich auf, aber es kann zu Flecken und Ähnlichem kommen.

PE-Abzug mit Kupfer getont
In der Verarbeitung haben PE-Papiere gegenüber Baryt den großen Vorteil, dass sie schneller fertig sind. Denn der Kunststoffträger saugt sich, anders als Papier, nicht mit Chemie voll, es muss deshalb auch keine langwierige Schlusswässerung vorgenommen werden. Gewässert werden muss natürlich trotzdem, gründlich auch, aber da reichen fünf Minuten ganz locker. Was die Haltbarkeit betrifft, sind PE-Papiere noch immer leicht Barytpapier unterlegen, allerdings kann mit einer speziellen Tonung (Selen oder Gold) die Haltbarkeit erhöht werden. Abgesehen davon ist hier von Zeiträumen um 100 Jahre und mehr die Rede, die bei PE-Papier bisher nur simuliert werden konnten. Die meisten Bilder werden in dieser Zeit eher der Gefahr mechanischer Beschädigung oder prallem Sonnenlicht ausgesetzt sein.

Keinen Einfluss auf die Haltbarkeit haben die verschiedenen Oberflächen. Die reichen von glanz über feinperlig bis matt. Bilder, die oft herumgereicht werden, werden dabei besser auf feinperliges Papier abgezogen, weil damit weniger Fingerabdrücke zurückbleiben. Ansonsten kommt es da ganz auf den persönlichen Geschmack, aber auch auf das Motiv an. Bei glänzenden Motiven, also einem schicken Auto beispielsweise, sollte beispielsweise auch glänzendes Fotopapier eingesetzt werden. Die Größen werden übrigens oft in Inch angegeben und dann sieht man auch deutlich: Die krummen Zentimeter-Angaben kommen daher.

Wer gebrauchtes Fotopapier kauft, sollte darauf achten, dass es wirklich dunkel, kühl und trocken gelagert worden ist. Papier ist lange haltbar, allerdings nur bei fachgerechter Lagerung.

Fotografieren in der Praxis 12 / 2013

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