Fotoprojekt: Zeitrafferaufnahmen

Zeitrafferaufnahmen sind etwas absolut Spannendes und jeder, der über eine Kamera verfügt, die diese Option bietet, sollte sie nutzen. Weit verbreitet sind Zeitrafferaufnahmen von Blüten, und zwar von der Knospe bis zur verwelkten Blüte. So ein Fotoprojekt erstreckt sich je nach Blüte über mehrere Tage. Sehr viel schneller und nicht weniger interessant sind Zeitrafferaufnahmen von Wolken – vor allem von schnell vorbeiziehenden -, die anschließend zu einem Zeitrafferfilm zusammengefügt werden können.

Prädestiniert für Zeitrafferaufnahmen sind kompakte System- beziehungsweise Spiegelreflexkameras, aber auch mit Kompaktkameras, Action Cams sowie Smartphones gelingen tolle Aufnahmen. Hier sei die Foto-App Lapse It Pro erwähnt, die bei Anwendern sehr beliebt ist. Den größten fotografischen Spielraum garantieren natürlich – allein schon durch den Wechsel der Optik – kompakte System- und Spiegelreflexkameras. Die Wahl beim Objektiv kann auf Weitwinkel fallen –-die liefern einen großen Bildausschnitt, der bei Wolkenaufnahmen meist sehr willkommen ist. Normalbrennweiten oder leichte Teles konzentrieren den Blick auf einen engen Himmelsausschnitt. Man hat dann das Gefühl, sich in den Wolken zu bewegen.

Damit es beim Zeitrafferfilm nicht zum weitverbreiteten Flackern kommt, sollte mit offener Blende (größte Blende/kleine Blendenzahl) fotografiert werden. Gelangt zu viel Licht in die Kamera – was bei offener Blende schnell geschehen kann – hilft ein neutraldichtes Graufilter oder ein Polarisationsfilter, die einfallende Lichtmenge zu reduzieren. Letzteres kitzelt auch etwas mehr kräftiges Blau aus dem Himmel heraus. Die ISO-Empfindlichkeit sollte so niedrig wie nur möglich gewählt werden. Optimal sind ISO 50 oder 100.

Im ersten Schritt lässt man sich die optimale Belichtungszeit von der Kamera vorgeben. Entspricht alles den eigenen Vorstellungen, so stellt man die Kamera mit der ermittelten Belichtungszeit auf den manuellen Modus. Der Autofokus ist abzustellen – also manuell fokussieren. Auch andere Automatiken sollte man abschalten, von der Iso-Automatik über den automatischen Weißabgleich bis hin zur Anti-Wackel-Automatik (Bildstabilisator). Bei der Bildqualität kann man ausnahmsweise etwas sparen. Zumindest für die ersten Versuche reicht eine der niedrigen Einstellungen, das spart extrem Speicher und später Rechenleistung am Computer.

Sind alle Einstellungen vorgenommen, gehört die Kamera auf ein Stativ – nur mit ihm ist der exakte Bildausschnitt garantiert, der bei einem Zeitrafferfilm ein Muss ist. Das Stativ sollte über einen hochwertigen Kopf verfügen, der auch fest geklemmt werden muss. Ebenso sollte man auf einen festen Untergrund achten. Die Kamera löst mehrere Minuten lang immer wieder aus, das führt zu Erschütterungen. Schwenkt man die Kamera nach oben, kann es bei einfacher gebauten Schiebezooms passieren, dass sie durchrutschen. Festbrennweiten sind hier im Vorteil.

Anschließend legt man im Zeitraffermodus fest, in welchen definierten Abständen die Aufnahmen erfolgen sollen. Alternativ kann auch ein Timer zum Einsatz kommen, ein Fernauslöser, der programmierbar ist. Bei mittleren Brennweiten kann man zum Beispiel im Sekundentakt fotografieren und für einen ersten Versuch etwa 500 Bilder aufnehmen.

In die Kamera gehört natürlich eine leere Speicherkarte mit genügend Speichervolumen. Der Akku muss vollgeladen sein. Je nachdem, wie viele Aufnahmen gemacht werden, kann es durchaus sein, dass nach mehreren Hundert Bildern der Akku der Kamera leer ist. Sind alle Bilder im Kasten, geht es an den Zeitrafferfilm mittels Bearbeitung. Es gibt spezielle Programme – auch Freeware, wie zum Beispiel VirtualDub oder Startrails -, mit denen sich Zeitrafferfilme erstellen lassen. Aber auch mit zahlreichen Bildbearbeitungsprogrammen ist es möglich, einen Zeitrafferfilm zu erzeugen.

Wer sich öfter mit Zeitrafferaufnahmen des Himmels befassen möchte, sollte es auch einmal mit dem Nachthimmel probieren. Belichtungszeiten von wenigen Sekunden bringen schon die Sterne zum Vorschein. Im Zeitraffer wird dann die Drehung der Erde deutlich. Wegen der großen Menge der Bilder bei Zeitrafferaufnahmen – mehrere Hundert oder Tausend pro Filmchen – werden die mechanischen Teile von Spiegelreflexkameras stark beansprucht. Wer in das Thema tiefer einsteigt, sollte sich daher überlegen, die „Hauptkamera“ zu schonen und stattdessen eine vorhandene Zweit- oder Drittkamera zu aktivieren oder eigens eine solche anzuschaffen, die für diesen Zweck durchaus etwas einfacher ausgestattet sein darf.

Fotografieren in der Praxis 08 / 2013

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