Fototipp - Aktive Vulkane im Fokus

Die Gelegenheit, Vulkane in Aktion zu fotografieren ist alles andere als alltäglich. Besuche von aktiven Vulkanen gehören gut vorbereitet. Dass was man vor Ort an Naturschauspiel erleben darf, gehört natürlich mit der Kamera festgehalten. Aufnahmen von Vulkanen, auch weil diese in der Bilderflut nicht so inflationär sind, üben einen magischen Reiz auf den Betrachter aus. Matthias Klimas, Blende-Teilnehmer 2016, ist eine solch sehenswerte Aufnahme mit dem Bildtitel „Im Sturm des Vulkans“ gelungen, die er zur thematischen Vorgabe „Ob’s stürmt, ob’s schneit, ob Sonnenschein – Wetterimpressionen“ einreichte. Er führt zu seiner Aufnahme aus: „Ein langer Weg führte zu diesem Vulkan hinauf. Doch als ich oben war, zog schon ein Sturm auf. Das Wasser peitschte mir ins Gesicht, Blitze zuckten in der Ferne und der Wind wollte mich samt Kamera umwerfen. So blieben nur wenige Momente, um ein paar Fotos zu machen, bevor ich mich in Sicherheit bringen musste.“

© Fotograf, Matthias Klimas, Im Sturm des Vulkans, Blende Fotowettbewerb
© Fotograf, Matthias Klimas, Im Sturm des Vulkans, Blende Fotowettbewerb

Herausfordernd, und das machen die Ausführungen von Matthias Klimas deutlich, ist es, sich diesem Themengebiet der Fotografie zu stellen. Genauso, wie der Aufstieg geplant gehört, sollte man natürlich auch das passende Fotoequipment mitnehmen und über entsprechende Fotokenntnisse verfügen, damit einem so eine imposante Aufnahme wie Matthias Klimas gelingt.

Fotoequipment

Der Digitalisierung sei Dank stellt sie doch das Fundament dar, dass wir heute so beeindruckende Aufnahmen von eruptierenden Vulkanen betrachten dürfen. Im Gegensatz zur Analogfotografie, also dem Fotografieren mit Film, reagieren Sensoren wesentlich unempfindlicher auf Staub und Gas. Ein weiterer Vorteil der Sensoren gegenüber dem Film ist ihr hoher Dynamikumfang.

Hochwertige Kompaktkameras mit einem guten Zoomfaktor sind für die Vulkanfotografie geeignet erst recht dann, wenn sie mit einem Vollformatsensor ausgestattet sind. Ihr Nachteil gegenüber kompakten System- und Spiegelreflexkameras ist möglicherweise, dass die Objektive vielfach eine zu kleine Anfangsblende haben. Aus diesem Grund greifen Fotografen bevorzugt zu kompakten System- und Spiegelreflexkameras. Ob Festbrennweiten besser sind als Zoomobjektive darüber wird schon lange diskutiert. Festbrennweiten wird nachgesagt, dass sie immer noch am Schärfsten, lichtempfindlichsten und am besten korrigiert sind. Schaut man in die Foren, so sollen Objektive mit einem 3-fach Zoombereich besser sein als 10-fach Optiken. Da eruptierende Vulkane bevorzugt bei Dunkelheit fotografiert werden, spielen Objektive mit einer möglichst großen Anfangsblendenöffnung ihre Stärke aus – je größer die Blendenöffnung, desto lichtempfindlicher. Sehr gut geeignet sollen für die Vulkanfotografie Optiken mit einer konstanten Anfangsblende von 2,8 sein. Für die Fototour ratsam sind in jedem Fall ein Standardzoom und ein lichtstarkes Teleobjektiv. Für welche Optik man sich natürlich entscheidet, hängt auch davon ab, wo der persönliche Schwerpunkt liegt – ob in der Fotografie oder im Video.

Die zum Einsatz kommende Kamera sollte über die Bulb-Funktion verfügen, denn damit kann man mehrere Minuten belichten. Der unschlagbare Vorteil der Digitalfotografie ist auch, dass man sich seine Resultate umgehend über den Kameramonitor anschauen kann. So ist man in der Lage, entsprechende Korrektur hinsichtlich Belichtung etc. vornehmen zu können. Sehr hilfreich sind Kameras mit LiveView-Funktion. Diese ist eine gute Fokussierhilfe. Mit der Lupenfunktion kann man beispielsweise auf glühende Lavabrocken scharf stellen.

Klar im Vorteil sind all jene – auch Fotografen -, die im Besitz einer 4K Kamera sind. Mit diesen Aufnahmegeräten entgeht einem kein Moment mehr. Aus den Videos können Stehbilder in Perfektion herausgeschnitten werden.

Wichtig ist, unabhängig davon welche Kamera zum Einsatz kommt, dass man diese quasi blind beherrscht und über entsprechende Erfahrungen beim Fotografieren in der Dunkelheit verfügt.

Obwohl Speicherkarten recht robust sind, sollten sie natürlich gut verpackt. Auf einen Objektivwechsel sollte man vor Ort nach Möglichkeit verzichten, sofern dieser nicht geschützt erfolgen kann. Gelangt bei einem Objektivwechsel etwas Staub in das Aufnahmesystem, so ist dies bei allen Digitalkameras, die mit einem automatischem Sensorreinigungssystem ausgestattet sind, in gewissen Maßen unproblematisch.

An ausreichend Speicherkarten, geladenen Ersatzakkus und natürlich an ein Stativ ist natürlich ebenso zu denken wie an ein Kamerareinigungsset mit Pinsel, Tüchern etc.

Vorbereitung – Halbe Miete

Zur Vorbereitung gehört die Recherche in Bezug auf die Vulkanaktivität und ihre Besonderheiten. Je weniger ein Vulkan touristisch erschlossen ist, desto umfangreicher sind die Vorbereitungen hinsichtlich möglicher Aufstiegsrouten. Bucht man nicht eine Tour, so ist man auf sich allein gestellt, sofern man nicht einen Führer ausfindig macht, der einen den Weg weist. Dank Internet lässt sich heute bereits vieles von zu Hause mit Hilfe von Satellitenfotos und Karten erkunden. Ein nützlicher Helfer ist Google-Maps für die Ermittlung von Koordinaten für das GPS-Navigationssystem etc. Zur guten Vorbereitung gehört auch, sich mit Wettervorhersagen auseinanderzusetzen und diese mit Klimadaten abzustimmen.

In Aktion

Am reizvollsten sind Vulkane in Aktion, wie die Aufnahme von Matthias Klimas zeigt. Über die Aktivitäten von Vulkanen kann man sich bestens über die Homepage der Vulkanologischen Observatorien erkundigen. Beherzigen sollte man bei aller Faszination, dass bei größeren Eruptionen und bei touristisch erschlossenen Vulkanen es in der Regel untersagt ist, sich dem Eruptionszentrum zu nähern. Für Sondergenehmigungen bedarf es der Kontaktaufnahme mit den entsprechenden Anlaufstellen wie Rathäusern, Nationalparkverwaltungen. Oftmals erhält man Sondergenehmigungen nur gegen Vorlage eines Presseausweises.

Die eigene Fitness

Sportlich und dementsprechend durchtrainiert sollte man sein, möchte man den Vulkanaufstieg unbeschadet überstehen. Es gibt Vulkanfotografen die sich im Vorfeld ihrer Touren täglich sechs Stunden und mehr körperlich fit halten. Kondition spielt ebenso eine Rolle wir Kraftausdauer und Trittsicherheit.

Richtige Kleidung

Überhitzung und Unterkühlung gilt es zu vermeiden, weswegen bevorzugt Funktionskleidung nach dem Zweibelprinzip zum Einsatz kommt. Nachteil von Synthetikfasern ist, dass sie feuerempfindlich sind. Aus diesem Grund sollte man an Feuerschutzkleidung denken und zwar nicht nur für den Körper sondern auch für den Kopf, je näher man der Eruption sich nähert. Zur Standardausrüstung gehören ein Helm – festsitzende Modelle aus dem Kletterbedarf sind Bauarbeiterhelmen vorzuziehen – und eine Gasmaske mit Filter für anorganische Substanzen und saure Gase. Kommt zum Gas Asche hinzu so benötigt man einen kombinierten Partikel/Gasfilter. Qualität hat ihren Preis und man sollte sich beraten lassen. Stabiles Schuhwerk ist natürlich Pflicht.

Ich packe meinen Rucksack

Der Rucksack sollte ein geringes Eigengewicht haben und natürlich auch genug Platz für das Fotoequipment bereithalten. An eine Taschenlampe ist ebenso zu denken wie an Taschenmesser, Schnur, Feuerzeug, Signalgerät, Kompass und an eine Ersthilfeausrüstung mit Verbandsmaterial, Schmerzstiller, Desinfektionsmittel etc. bis hin zur Rettungsdecke aus Aluminiumfolie. An Proviant ist zu denken und auch zu trinken.

Fotografieren in der Praxis 11 / 2016

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