Fototipp: Der Reiz in der Unschärfe – das Spiel mit den Optionen

© Blende, Andres Gasser, Impressionen im Aachener Wald Bildgalerie betrachten © Blende, Andres Gasser, Impressionen im Aachener Wald

Knackig scharfe Aufnahmen sind ohne Frage wahre Hingucker – nicht anders verhält es sich mit Fotografien, die von gewollter Unschärfe zum Blickfang werden. Oftmals liegt hier der Reiz auch im Ungewöhnlichen, ein zusätzlicher Faktor, warum diese Aufnahmen die Blicke auf sich ziehen. Solch eine sehenswerte Aufnahme mit dem Titel „Impressionen im Aachener Wald“ ist dem Blende-Teilnehmer Andres Gasser gelungen, die er zur thematischen Vorgabe „Magie des Alltags“ zu „Blende 2016“ einreichte. Diese Aufnahme, so Andreas Gasser, entstand an einem sonnigen Herbsttag im Aachener Wald. Das Licht durchflutet den Wald und bringt alle noch vorhandenen Farben zum Leuchten. Besonders kontrastieren die Farben mit den grauen Stämmen, die den Winter schon ankündigen. Der unscharfe Eindruck entsteht durch eine lange Belichtungszeit und ein vertikales Verschieben der Kamera während der Aufnahme.

Über Wohl und Weh’ entscheidet bei solchen Bildern das richtige Timing. Denn unscharf ist ja eine Sache, die andere ist aber, dass man schon noch erkennen sollte, was denn eigentlich fotografiert wurde. Wie lange die benötigte Zeit ist, hängt zwar nicht nur, aber auch von der Brennweite des verwendeten Objektivs ab. Wer ein Weitwinkelobjektiv einsetzt, muss die Kamera viel weiter schwenken, um einen Wisch-Effekt zu erzeugen als jemand, der ein Teleobjektiv verwendet.

Prinzipiell ist es natürlich von der Idee des Fotografen abhängig, wie ein Bild belichtet werden muss, damit es auch wirkt. Wer in einem Kornfeld steht, sollte eher ausreichend belichten, während jemand in der Dämmerung im Wald tunlichst darauf achten sollte, dass die Kameraautomatik nicht eine Tageslichtaufnahme daraus macht. Wer sich nicht sicher ist, hält sich beim Fotografieren alle Möglichkeiten offen und verwendet das RAW-Format. Außerdem sind im Zweifelsfall Belichtungsreihen anzuraten.

Ist eine entsprechend lange Belichtungszeit nicht realisierbar, weil es zu hell und das Objektiv bereits abgeblendet ist, greift man zum Graufilter. Neutralgraufilter gibt es in verschiedenen Stärken. Außerdem bieten sich solche ungewöhnlichen Bilder geradezu an, selten genutzte Farbfilter oder auch mal den einen oder anderen Effektfilter zu verwenden.

Wenn ein Fotograf im Wald von oben nach unten schwenkt, muss er das wohl aus der freien Hand machen. Je nach Richtung kann auch ein Drei-Wege-Stativkopf verwendet werden. Der verhindert, dass versehentlich noch in eine weitere Richtung verwackelt wird als in die, in die der Kameraschwenk erfolgt. Damit lässt sich die Kamera auch bequem waagerecht drehen, ohne dass der Fotograf Verrenkungen machen muss, um ruhig stehen zu bleiben.

Fotografieren in der Praxis 10 / 2016

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden