Fototipp: Funkenflug - Tower of Doom

Jede Jahreszeit hat ihre Reize. Besonders die dunkle Jahreszeit bietet sich an für Fotoprojekte wie den Funkenflug an, durch den sich so magische Aufnahmen realisieren lassen, wie sie dem Blende-Teilnehmer Branco Consdorf mit seinem Wettbewerbsbeitrag „Tower of Doom“, eingereicht zu Blende 2016 und zur thematischen Vorgabe „Magie des Alltags“, gelungen ist.

© Fotograf: Branco Consdorf, Tower of Doom, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Branco Consdorf, Tower of Doom, Blende-Fotowettbewerb

Diese Aufnahme spricht nicht nur für fotografisches Können, sondern für die perfekte Inszenierung einer Bildidee. Wie lohnenswert das fotografische Experiment ist, um aus einem Allerweltmotiv ein besonderes zu machen, das stellt Blende-Teilnehmer Branco Consdorf zudem eindrucksvoll mit seiner Aufnahme unter Beweis. Seine Fotografie inspiriert zudem, sich diesem Themengebiet der Fotografie zu stellen, das alles andere als ein Hexenwerk ist. Geduld ist natürlich neben einer Bildidee schon Voraussetzung. Branco Consdorf führt zu seiner Aufnahme aus: „Der Turm des Schicksals – Eine kleine Hommage an die wunderschöne Vulkaneifel. Wie der Titel vermuten lässt, sollte es ein spannender Abend werden… Kaum habe ich den Turm erreicht, fing es an zu regnen. So habe ich es mir erstmal auf der Bank (im Turm zusehen) gemütlich gemacht und voll bester Hoffnungen mein Equipment vorbereitet für den Fall das es wieder aufhört. 30 Minuten später war es soweit, alles auf Position und Action. Da ich bei meinen Touren meistens alleine unterwegs bin kommt man bei solchen Aufnahmen gerne mal ins Schwitzen ;). Nach nur wenigen Aufnahmen schlug das Wetter zu! Schnee, sehr viel Schnee, sogar so viel davon, dass man die Hand vor Augen nicht mehr sehen konnte und ich beim Rückzug für kurze Zeit vom Weg abkam, aber alles ging gut aus und irgendwann saß ich wieder in meinem Bus. Ich versuche einen Ort wie diesen hier sauberer zu verlassen als ich ihn vorgefunden habe und wenn es nur ein Päckchen Kippen ist, das ich aufhebe, einfach aus Respekt. 10mm – f11 – 221sek – ISO100.“

Die beste Aufnahmezeit für solche Aufnahmen vom Funkenflug ist in der Dämmerung oder in der Nacht. Die Dämmerung hat den Vorteil, dass Details der Umgebung erkennbar bleiben. Die Kamera gehört auf ein Stativ, denn die Belichtungszeit beträgt mitunter mehrere Sekunden, denn nur dann wird die Flugbahn der Funken auch eingefangen. Mit der Belichtungszeit gilt es entsprechend zu spielen. Der ISO-Wert sollte so gering wie nur möglich gehalten werden, um mögliches Bildrauschen zu vermeiden. Ratsam ist eine Weitwinkeloptik. Sie garantiert einen großen Bildausschnitt, so dass die Funken auch den nötigen Freiraum in der Aufnahme haben. Für eine große Schärfentiefe ist es notwendig, dass die Blende soweit wie möglich geschlossen ist. Kameraakkus sollten natürlich aufgeladen sein, an Ersatzakkus ist in der kalten Jahreszeit zu denken. Während des Shootings gilt es, Kleidung anzuziehen, bei der es nicht schlimm ist, wenn sie gegebenenfalls durch Brandflecken beschädigt wird.

Welche Hilfsmittel Branco Consdorf für seinen Funkenflug eingesetzt hat wissen wir nicht. In der Regel ist beispielsweise ein Schneebesen gut geeignet. Im vorderen Teil befindet sich die Stahlwolle und der Strick wird an der Hängevorrichtung befestigt. Wichtig ist, dass der Schneebesen aus nicht brennbarem Material besteht, denn für den Funkenflug ist es notwendig, die Stahlwolle zu entzünden. Diese ist normalerweise nicht leicht brennbar. Mit dem Strick wird der Schneebesen in Rotation gebracht, wodurch die Luftzufuhr erhöht wird und die Stahlwolle zu brennen beginnt. Je schneller die Rotation des Schneebesens ist, desto imposanter ist der Funkenflug, der höher und länger beziehungsweise breiter ausfällt.

Bei der Örtlichkeit – dies kann wie hier ein Turm sein oder aber ein Tunnel, eine Brücke, eine Gasse oder eine große Halle in einem leerstehenden Fabrikgebäude sein – ist darauf zu achten, dass sich kein entflammbares Material, wie trockenes Laub, in der Nähe befindet. Im Blick sollte man immer haben, dass die Funken sehr weit fliegen können. Der Feuerball sollte nur dann geschwungen werden, wenn sich wirklich nichts Entflammbares in der Nähe befindet! Unterschätzt werden gern die größeren Brocken an Stahlwolle, die manchmal abfliegen können. Diese sind jedoch viel gefährlicher als die kleinen Funken. Gegebenenfalls ist es ratsam, einen Feuerlöscher mitzunehmen. Nach dem Shooting, und bevor man die Örtlichkeit verlässt, sollte in jedem Fall sichergestellt sein, dass – sofern es welche gibt – alle Brandherde erloschen sind. Dazu sollte man die Örtlichkeit großflächig abgehen. Wichtig ist während des Shootings eine Augenschutzbrille aufzusetzen, denn die Augen sind natürlich vor dem Funkenflug zu schützen.

Fotografieren in der Praxis 12 / 2016

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