Fototipp: Himmelsschauspiel Sternschnuppen fotografieren

Fototipp: Himmelsschauspiel Sternschnuppen fotografieren
Nichts wie raus heute Abend am 12. August – es ist Sternschnuppen-Nacht. Jedes Jahr im August kreuzt die Erde die Staubspur des Kometen Swift-Tuttle. Treten seine Partikel in die Erdatmosphäre ein, verglühen sie. Das sorgt für einen Meteorschauer, die Perseiden – kurz aufleuchtende Sternschnuppen, die in einer außergewöhnlich hohen Frequenz am nächtlichen Himmel sichtbar werden. Heute sollen 20 bis 30 Sternschnuppen in der Stunde realistisch sein – es können aber auch mehr und bis um die hundert Sternschnuppen sein, die pro Stunde über den nächtlichen Himmel rasen sollen. Aber auch noch in der Nacht zum Freitag dürfte sich ein Blick zum sommerlichen Nachthimmel noch lohnen. In diesem Jahr ist die Konstellation besonders günstig. Am 14. August ist Neumond und damit ist der Mond in der Nacht zum Donnerstag de facto nicht da. In dieser Dunkelheit kommen die Sternschnuppen deshalb besonders gut zur Geltung.

Sternschnuppen richtig toll sehen?

Die aktuelle Wetterlage mit einem nahezu überall wolkenfreien Himmel verspricht eine gute Sicht auf die Sternschnuppen. Möchte man sie richtig gut beobachten, dann sollte es möglichst dunkel sein. Das bedeutet, einen Ort jenseits der beleuchteten Städte oder befahrenen Straßen anzusteuern. Je weiter man von künstlichen Lichtquellen entfernt ist, umso besser. Geben Sie Ihren Augen die Zeit, sich an die Dunkelheit anzupassen. Die beste Beobachtungszeit liegt zwischen Mitternacht und dem Beginn der Morgendämmerung. Dabei ist es nicht nötig, einen bestimmten Sektor des Himmels anzuvisieren – die Sternschnuppen flitzen über das gesamte Firmament. Machen Sie es sich bequem und nehmen Sie sich eine Decke oder Liegestuhl mit. Wer im Stehen das Sternschnuppenschauspiel erlebt, wird früher oder später wegen eines schmerzenden Nackens nicht so viel Freude haben.

Sternschnuppen fotografisch in Szene setzen

Die besten Aufnahmen gelingen mit einer kompakten System- und Spiegelreflexkamera. Von Vorteil ist eine Vollformatkamera mit möglichst gutem High-ISO-Rauschverhalten. Kommt eine Kompaktkamera zum Einsatz, dann ist es wichtig, dass Sie die Belichtungszeit manuell einstellen können. Als Objektiv raten wir zum Weitwinkel, da man nicht planen kann, wo die Sternschnuppen genau zu sehen sind. Mit dem Weitwinkelobjektiv kann ein weiter Himmelsbereich abgelichtet werden und damit verpasst man quasi keine Sternschnuppe. Wirkungsvoll ist auch der Einsatz eines Fisheyeobjektivs. Pflicht ist natürlich ein Stativ, denn nur so verwackeln bei den langen Belichtungszeiten nicht die Aufnahmen. Ratsam ist zudem ein Fernauslöser – der schützt vor Kameraerschütterungen und trägt auch zum entspannten Fotografieren bei.

Die Kamera gehört auf manuell gestellt. Schalten Sie den Autofokus aus und fokussieren Sie manuell auf unendlich – ansonsten versucht die Kamera immer wieder, selbst zu fokussieren. Ratsam ist, den Dunkelbildabzug auszustellen – also die kamerainterne Rauschreduzierung zu deaktivieren. Ansonsten muss man nach jedem Bild sehr lange warten, bis das Darkframe in gleicher Länge wie die Originalaufnahme abgelegt wird. Die Blende ist so klein wie nur möglich zu wählen. An die richtige Belichtungszeit muss man sich herantasten – sie wird bei 30 Sekunden und mehr liegen. Die ISO-Empfindlichkeit sollte so gering wie nur möglich gewählt werden.

Die im Vergleich zu Tablets und Laptops relativ kleinen Kameradisplays lassen nur bedingt eine Bildkontrolle zu. Nützlich ist, die Kamera mit dem Laptop/Tablet zu verbinden. Über ihre Displays sieht man, ob die Sternschnuppen wirkungsvoll abgelichtet wurden. Benötigt wird dazu natürlich ein USB-Kabel, mit dem Kamera und Laptop verbunden werden, sowie die entsprechende Software des Kameraherstellers. Sofern es das Kameramodell zulässt, kann es auch mit dem Tablet in Verbindung gebracht werden – hierüber können nicht nur Kameraeinstellungen vorgenommen werden, sondern man kann auch auslösen und die Bilder anschließend kontrollieren. Nachteil der Bildkontrolle über die Displays von Laptop/Tablet ist, dass die Augen mit hellem Licht konfrontiert werden und sich beim Blick gen Himmel erst wieder an die Dunkelheit gewöhnen müssen, damit sie auch das Naturschauspiel wahrnehmen können.

Fotografieren in der Praxis 08 / 2015

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4 Kommentare

Hallo Silke, ja, die Sternschnuppen sind recht schnell. Wenn man erst den Auslöser betätigen würde, wenn man sie wahrnimmt, dann wäre es zu spät. Aus diesem Grund wählt man eine längere Belichtungszeit. Das erhöht die Trefferquote. Es gibt übrigens Fotografen die Belichtungszeiten von fünf Minuten wählen.

von Prophoto-Team
12. August 2015, 17:58:50 Uhr

Verstehe die 30 Sekunden Belichtungszeit nicht. Die Sternschnuppen sind doch recht schnell unterwegs. Muss man da nicht eher kürzer belichten?

von Silke
12. August 2015, 17:55:54 Uhr

Schließe mich ´Stephan an, schöner Artikel. Meine Kamera hat die Intervallfunktion - werde die auch mal zum Einsatz kommen lassen. Dann machen wir mal wie von Prophoto empfohlen die Nacht zum Tag :-) Gutes Gelingen Wolfgang

von Wolfgang
12. August 2015, 15:05:26 Uhr

Schöner Artikel, ich bin gespannt was sich heute ablichten lässt - den "Standard-Tipp", die Fotos als RAW abzuspeichern, fehlt glaube im Artikel, aber das sollte jedem (Hobby-)fotografen in Sachen Nachbearbeitung eh klar sein - merci und gutes Gelingen allen Nachtschwärmern! ;-) Beste Grüße Stephan

von Stephan Kelle
12. August 2015, 14:46:35 Uhr

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