Fototipp: Makrofotografie - Frühlingsblüher groß in Szene gesetzt

Klein sind sie die Frühlingsblüher mit Schneeglöckchen, Krokussen oder Märzenbechern – die sich dennoch ganz groß herausbringen lassen. Makrofotografie lautet die Zauberformel mit der nicht nur Pflanzen imposant vergrößert werden können, sondern auch Dinge sichtbar werden, die dem menschliche Auge oftmals verborgen sind. Kompaktkameras, die über einen Zoombereich verfügen der Makro abdeckt, sind ebenso geeignet wie kompakte System- und Spiegelreflexkameras die mit einem Makroobjektiv versehen sind.

Eigentlich wollte ich nur einmal nach den Krokussen sehen. Aber in der Nacht hatte es leicht geschneit und am frühen Morgen hat es schon wieder angefangen zu tauen. Schnee und Wasser, eine schöne Stimmung.

Wer den Motiven mit der Kamera derart nahe auf den Pelz rückt, hat besondere, von der üblichen Fotografie teilweise abweichende Regeln zu beachten. So schmilzt die Ausdehnung der Schärfentiefe auf einen winzigen Bereich, der oft nur wenige Millimeter beträgt, zusammen, wie der „Blende“-Wettbewerbsbeitrag „Krokusse“, eingereicht von Christian Heim, eindrucksvoll veranschaulicht. Welche fotografischen Kunstwerke sich durch das Spiel von Schärfe und Unschärfe zaubern lassen stellt der eingereichte „Blende“-Wettbewerbsbeitrag „Krokus nach leichtem Neuschnee im Februar“, eingereicht von Roland Klein, eindrucksvoll unter Beweis. Um die Schärfentiefe so groß wie möglich zu halten muss man nicht nur sehr exakt fokussieren, sondern auch ziemlich weit abblenden. Eine kleine Blendenöffnung wiederum verlangt eine längere Verschlusszeit, so dass man um den Einsatz eines Stativs kaum herumkommt. Dies hat außerdem den Vorteil, dass der Bildausschnitt in Ruhe festgelegt und die Schärfe recht genau eingestellt werden kann. Für ein Motiv das sich nahe am Boden befindet, sollte ein Stativ gewählt werden, das eine sehr niedrige Kameraposition erlaubt. Es gibt entsprechend kleine Ausführungen bis hin zum winzigen Tischstativ, die unter solchen Bedingungen ideal sind. Besitzt man ein größeres Dreibeinstativ mit auszieh- und abnehmbarer Mittelsäule, so kann diese umgekehrt von unten in die Halterung eingeschoben und die Kamera auf dem Kopf stehend montiert werden. Mit diesem Trick lässt sie sich in eine feste Position dicht über der Erde bringen.

Fototipp: Mit Makrofotografie Frühlingsblüher groß in Szene gesetzt

Bei Aufnahmen in der freien Natur kommt es vor, dass sich das Motiv in Folge eines Windstoßes bewegt. Da nützt ein Stativ selbstverständlich nichts und man kann dem Problem nur mit größerer Helligkeit, etwa durch ein Blitzlicht, begegnen. Gerade bei einem so geringen Motivabstand erlauben selbst schwächer dimensionierte Geräte das Fotografieren mit sehr kleiner Blende, die die notwendige große Schärfentiefe gewährleistet. Wird nur ein Blitz eingesetzt, entstehen durch diesen, etwas von der optischen Achse des Objektivs abweichenden Strahlungswinkel, ausgeprägte Schlagschatten, die aber bisweilen erwünscht sind, um einzelne Konturen und Details des Motivs besser hervorzuheben. Möchte man Schatten weitgehend vermeiden, muss ein zweites Blitzgerät auf der anderen Seite der Kamera aufgestellt werden. Eine völlig schattenfreie Ausleuchtung ist nur mit einem Ringblitz möglich. Viele Naturfotografen raten aber vom Einsatz ab, da die Aufnahmen oftmals unnatürlich wirken.

Wird mit einer Kompaktkamera fotografiert, so hat man nicht die Option, den Blitz von der Kamera zu entkoppeln. Das ist nicht schlimm, denn in diesem Fall hilft eine Taschenlampe weiter. Wie mit einem entkoppelten Blitz kann seitliches Licht oder aber Gegenlicht erzeugt werden. Zudem hat man die Option, die Frühlingsblüher damit von unten anzuleuchten. Wird mit einer kompakten System- beziehungsweise Spiegelreflexkamera fotografiert, so sollte man den Blitz von der Kamera entkoppeln. Sollen die Aufnahmen natürlich anmuten, gilt es, die Blitzleistung entsprechend zu reduzieren. Empfehlenswert ist in jedem Fall der Einsatz von Reflektoren. Einsteigern sei angeraten, zunächst erst einmal mit einem Reflektor fotografische Erfahrung zu sammeln. Wichtig ist für sich festzulegen, wohin das Licht fallen soll, was man also herausstellen möchte. Ist man im Umgang mit Reflektoren schon versierter, so steigt das fotografische Spiel mit dem Einsatz eines weiteren Reflektors.

Ratsam ist das Auslösen der Kamera mit einem Fernauslöser, denn damit werden kleinste Erschütterungen, die Unschärfe hervorbringen können, durch das Auslösen der Kamera ausgeschlossen. Ist man im Besitz eines Kameramodells das sich über das Smartphone beziehungsweise Tablet steuern lässt, so ist dies eine Alternative zum Fernauslöser.

Ratsam ist eine Belichtungsreihe, denn beispielsweise das strahlende Weiß der Blüten kann Belichtungsprobleme bereiten. Es wird also nicht nur ein Foto beim gemessenen Lichtwert, sondern jeweils noch eines bei einer halben Blendenstufe darunter und darüber gemacht. Dann ist mit großer Wahrscheinlichkeit in jedem Fall eine optimal belichtete Aufnahme dabei. Zeit genug dürfte dafür sein, da Blumen bekanntlich nicht weglaufen können. Doch auch hier macht Übung mit der Kamera den Meister und es lohnt sich, tiefer in diese Materie einzudringen.

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

Blende, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so sehenswerten Aufnahme, wie hier veröffentlicht, zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende. Übrigens: in Kürze fällt mit „Blende 2017“ der Startschuß zur 43. Runde.

Fotografieren in der Praxis 03 / 2017

2 Kommentare

gelungener Beitrag und da gibt es nichts hinzuzufügen

Klaus

von Klaus
16. März 2017, 17:10:10 Uhr

Hi, Gut geschrieben. Gibt es eine Empfehlung in Sachen Blitz? Würde ick Frühblüher fotografiere, habe ich hier beschrieben: http://naturfotografie-blog.de/unterwegs/einfach-fruehblueher-im-wald-fotografieren-1238/ LG Timo

Timo

von Timo
13. März 2017, 16:00:55 Uhr

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