Fototipp: Pferde – jenseits von bekannten Postkartenmotiven

Pferde vor der Kameralinse sind ein beliebtes Motiv. Laut Deutscher Reiterlicher Vereinigung gibt es allein in Deutschland 1,1 Millionen Pferde – also genug Exemplare, so dass es an Fotomotiven schon mal nicht mangelt und man sich dementsprechend auch nicht groß auf die Suche begeben muss. Pferde wirkungsvoll in Szene zu setzen ist gar nicht so einfach, wie man auf den ersten Blick meinen könnte. Oftmals ist es eventuell die emotionale Bindung zu diesen Tieren, die einem beim Fotoshooting im Wege steht. Man hat einfach einen verklärten Blick – das ist menschlich. So sehr die Vertrautheit zu Pferden für fotografische Spitzenwerke auch von Vorteil ist, so sehr kann diese einem mitunter beim fotografischen Spiel auch den entscheidenden Blick versperren. Schaut man sich Aufnahmen von Pferden an, so scheint es, als driftet man beim Fotografieren von Pferden schnell in die allseits bekannten Postkartenmotive ab. Das macht die Aufnahmen sehr austauschbar und auch langweilig. Ein möglicher Grund dafür könnte eventuell sein, dass diese Postkartenmotive unser Sehen dermaßen geschult haben, dass wir gar nicht auf die Idee kommen, Pferde anders abzulichten. Ziel und Ansporn sollte es jedoch sein, in unseren Fotografien mehr als nur ein Postkartenabbild zu schaffen. Das ist gar nicht so schwer. Allein über die Bildgestaltung hat man unendlich viele Optionen, Pferdeaufnahmen zu schaffen die fesseln. Wie wirkungsvoll man Pferde fotografisch in Szene setzen kann, demonstrieren immer wieder die „Blende“-Teilnehmer in ihren Wettbewerbsbeiträge. Diese Aufnahmen sind jenseits der Postkartenmotive und sie zeigen eindrucksvoll, wie weit gefasst der Themenbereich Pferdefotografie ist. Zugleich sind die Blende-Wettbewerbsbeiträge ein Beleg dafür, dass es kein Hexenwerk ist, zu tollen Pferdeaufnahmen zu gelangen.

© Fotograf: Joachim Fabian, Im Galopp, Blende-Fotowettbewerb

Fotoequipment – Mit welchem gelingen tolle Pferdefotos

Schaut das Pferd aus seiner Box und ist man sehr nah am Motiv, dann kann man für den Schnappschuss sicherlich auf das Smartphone zurückgreifen. Befindet sich das Pferd jedoch auf einer Koppel, in einer Reithalle oder im Gelände zum Ausritt, so wird man mit einem Smartphone als Aufnahmegerät sehr schnell an die Grenzen des Machbaren stoßen. Sehr viel mehr fotografischen Spielraum bietet da eine hochwertige Kompaktkamera, die manuelle Einstellungen zulässt und mit einem Objektiv mit einem größeren Zoombereich ausgestattet ist. Von Vorteil ist, wenn die Kompakte über eine schnelle Serienbildfunktion verfügt. Prädestiniert für das Fotografieren von Pferden sind zudem Kameras für Wechseloptik also kompakte System- und Spiegelreflexkameras. Diese Kameras lassen, je nach Sujet, einen Objektivwechsel zu. Gut beraten ist man in der Regel mit einem leichten Teleobjektiv. Ist die Entfernung zu den Pferden auf einer Koppel oder bei einem Turnier größer, so sollte man auf eine größere Brennweite und wenigstens auf ein mittleres Teleobjektiv zurückgreifen. Neue Kameramodelle verfügen heute oftmals über das Feature 4K. Dieses ist in der Tierfotografie Gold wert, revolutioniert es die Momentfotografie.

Beherrschung des Fotoequipments

Sein Aufnahmeequipment sollte man beherrschen, um in der jeweiligen Aufnahmesituation auch die bestmögliche Entscheidung zu treffen. Das bedeutet, sich schon im Vorfeld mit den wichtigsten Einstellungen wie beispielsweise der Serienbildfunktion vertraut zu machen.

© Fotograf: Gunter Behlig, Islandpferd am Mývatn, Blende-Fotowettbewerb

Beobachten – Halbe Miete zum Erfolg

Tierfotografie bedeutet, sich in Geduld zu üben und zu Beobachten. Kein Pferd gleicht in seinem Verhalten dem anderen. Wenn man im Besitz eines eigenen Pferdes ist, kennt man seine Eigenheiten und kann sich auf diese bestens einstellen. Vieles ist Vorhersehbar und man muss deutlich weniger Zeit in die Beobachtung investieren als bei einem fremden Pferd.

Fluchtdistanz beachten

Pferde sind Fluchttiere. Sie sind in der Lage, in bestimmten Situationen überaus schnell und auch extrem zu reagieren. Flucht ist eine Option – gern verteidigen sich Pferde auch durch Tritte und Bisse. Wichtig ist, Pferde durch ruckartige Bewegungen oder laute Geräusche nicht zu erschrecken. Zudem sollte man sich als Fotograf immer so positionieren, dass die Fluchtdistanz gewahrt wird.

Auf Augenhöhe – Nicht unbedingt

In der Tierfotografie gibt es die Regel, dass wirkungsvolle Aufnahmen voraussetzen, mit dem Aufnahmegerät auf Augenhöhe zu gehen. Nun, bei Pferden ist dieser Aufnahmestandpunkt für den Fotografen in der Regel zwar sehr angenehm doch interessantere Aufnahmen erhält man meist, wenn man sich dieser Regel wiedersetzt und eine tiefere Aufnahmeposition einnimmt. Sitzend und kniend ist also in jedem Fall eine Option. Wichtig ist natürlich, dass man das Pferd und sich nicht in eine Gefahrensituation bringt.

Im Auge behalten

Befinden sich Pferde auf einer Koppel und hat man, um die Aufnahmedistanz zu reduzieren, die Absperrung überwunden, so sollte man die Pferde immer im Blick haben. Das schützt die Pferde ebenso wie einen selbst, wenn sich eine Situation – aus welchen Gründen auch immer – ändert. In keinem Fall nähert man sich als fremde Person einem Pferd von hinten. Um auf der sicheren Seite bei der Outdoorfotografie zu sein, sollte man Helfer einspannen.

Respekt – Grenzen erkennen

Alle Lebewesen, und so auch den Pferden, gilt es mit Respekt entgegenzutreten. Dazu gehört auch, sich über die Größe und Stärke dieser Tiere bewusst zu sein, Grenzen zu erkennen und diese nicht zu überschreiten.

Nicht überstrapazieren

Pferde können die Aufmerksamkeit nur über eine bestimmte Zeitdauer aufrechterhalten. Wie groß diese ist, hängt vom Pferd und dessen Alter ab. Fohlen und ältere Pferden, so sagt man, sind nicht so belastbar. Pferdeshootings sollten also nicht zu lange dauern. Kurze Aufnahmeintervalle und immer wieder Pausen sind ratsam.

© Fotograf: Angela Dölling, Shetland Pony Willy, Blende-Fotowettbewerb

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgen

Hilfsmittel wie Tüten, Planen, Alufolie sind sehr beliebt, um die Aufmerksamkeit von Pferden auf sich zu lenken. Die Tiere gewöhnen sich jedoch relativ schnell an diese Hilfsmittel und lassen sich dementsprechend durch diese dann auch nicht mehr beeindrucken. Wichtig ist, dass man von diesen Hilfsmitteln nach dem Shooting nichts zurücklässt damit Pferde sie nicht versehentlich fressen.

Im Galopp über die Wiese

Als Motiv immer sehr beliebt sind Pferde in Bewegung. Um sich voll auf die Fotografie konzentrieren zu können braucht man hier Helfer. Zum Schutz der Pferde ist auf den Untergrund zu achten. Nasse und matschige Wiesen sind ein No Go. Galoppieren sollten die Pferde zudem lieber auf einem leicht nach oben gehenden oder einem eben verlaufendem Gelände. Das ist sicherer für die Pferde als wenn es bergab geht. Zudem können die Laufphasen fotografisch besser in Szene gesetzt werden. Die Serienbildfunktion, sofern die Kamera darüber verfügt, gehört aktiviert. Mit ihr steigt die Wahrscheinlichkeit, den entscheidenden Moment einzufangen. Mit der Serienbildfunktion wird man zudem schnell feststellen, dass der Galopp elegante und weniger elegante Laufphasen hat.

Porträt – Ohrenstellung

Wenn die Ohren nach hinten angelegt sind, so ist dies ein klares Indiz dafür, dass dem Pferd etwas nicht zusagt und man außer Reichweite geht. Für Pferdeporträts sollten die Ohren aufmerksam nach vorne gestellt sein. Eine niedrige Aufnahmeposition erhöht den Spannungsbogen. Die Ohren sollte man möglichst nicht anschneiden. Der Ausschnitt sollte nicht zu groß gewählt sein. Es muss nicht unbedingt der ganze Hals mit abgelichtet werden. Sehr beliebt sind Pferdeporträts vor blauem Himmel. Damit man nicht beim Postkartenmotiv landet sollte man mit den Optionen der Bildgestaltung spielen. Hat man einen anderen Hintergrund als einen Himmel so sollte dieser in Unschärfe verschwimmen damit das Pferdeporträt im Mittelpunkt steht. Über die Bildwirkung entscheidet maßgeblich die Blickrichtung. Hier ist wegen möglichem Schattenwurf auf den Lichteinfall zu achten.

Blende – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

Blende, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

Blende bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so einer sehenswerten Aufnahmen zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende.

Fotografieren in der Praxis 02 / 2017

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