Fototipp: Pilze ganz groß

Heiko Eschrich, Unser Wald, Pilz wurde für die Aufnahme extra Beleuchtet. Bildgalerie betrachten Heiko Eschrich, Unser Wald
Pilz wurde für die Aufnahme extra Beleuchtet.

Eines der diesjährigen thematischen Vorgaben zu „Blende 2016“ lautete „Schätze der Region“. Wie weitreichend sich das Thema von den teilnehmenden Amateurfotografen interpretieren ließ, belegen die hier veröffentlichen Bildeinsendungen von Branco Consdorf, Heiko Eschrich und Benita Schmitz, die sich für das Motiv Pilze entscheiden. Dem einen mag diese thematische Interpretation zu weit gehen – andere wie wir sehen sie auf den Punkt gebracht auch deshalb, weil es den „Blende“-Fotografen in genialer Weise gelungen ist, die Pilze in ihrer Region wirkungsvoll in Szene zu setzen. Ein Selbstläufer sind solche Aufnahmen nicht. Sie verlangen dem Fotografen einiges ab – auch eine gewissen Sportlichkeit mit der Bereitschaft, sich auch auf den Boden legen zu wollen. Ein Hexenwerk sind Aufnahmen von Pilzen jedoch auch nicht, wie die nachstehenden Fototipps zeigen.

Eine Kompaktkamera, die auch das Fotografieren im Nahbereich gestattet, sowie Kameras mit Wechseloptik sind die bevorzugten Aufnahmegeräte, um Pilze fotografisch wirkungsvoll in Szene zu setzen. Natürlich kann man sich auch darin versuchen, sie mit einem Smartphone abzulichten – die Aufnahmen werden aber aufgrund der nicht optimalen Lichtbedingungen in Wäldern, schwerlich überzeugen. Ein bewölkter Tag ist aus fotografischer Sicht übrigens empfehlenswerter als ein sonniger.

Werden Pilze mit einer Kompaktkamera in Szene gesetzt, so ist die Telestellung bestens dafür geeignet. Wichtig ist, auf die Entfernungseinstellung zwischen Objekt und Frontlinse zu achten, die je nach Kameramodell variiert. In einigen Fällen ist es notwendig, mit einer Nahlinse zu arbeiten, das hängt natürlich vom Pilz- und Kameramodell ab. Die Makroeinstellung im Weitwinkelbereich ist in der Regel kaum verwendbar, aber das sollte man testen. Entscheidend ist auch die Brennweite. Eine lange Brennweite erleichtert das Ablichten der Pilze, denn diese müssen aus einem sehr flachen Winkel aufgenommen werden, möchte man alle Details am Stiel und Hutrand gut sichtbar machen. Aufgrund der in der Regel kleinen Sensorfläche erhält man mit digitalen Kompaktkameras eine relativ große Schärfentiefe. Aus diesem Grund reichen Blenden von 5,6 bis 8 für gewöhnlich aus.

Kommt eine Spiegelreflex- oder kompakte Systemkamera zum Einsatz, so leistet beispielsweise ein 180mm-Makroobjektiv gute Dienste. Von Vorteil ist, wenn die eingesetzte Spiegelreflexkamera über eine Spiegelvorauslösung verfügt. Auf dem weichen Moos kann der Spiegelschlag trotz des Einsatzes eines stabilen Stativs zur Unschärfe führen. Sehr nützlich ist ein Winkelsucher, der die Betrachtung des Sucherbildes in einem Winkel von 90 Grad erlaubt. Winkelsucher gibt es übrigens auch mit Lupenfunktion, so dass man auf zweifache Vergrößerung umschalten und im zentralen Bildbereich präzise scharfstellen kann.

Der Weißabgleich sollte auf das Symbol wolkiges Wetter eingestellt sein, denn der Waldboden mit grünem Moos oder braunen Blättern und Nadeln führt sonst zu Farbdominanten.

Hilfreich ist zudem, sofern es die Kamera zulässt, ein separater Blitz. Wird mit einer Kompaktkamera fotografiert die diese Möglichkeit nicht bietet, so hat man nicht die Option, den Blitz von der Kamera zu entkoppeln. Das ist nicht schlimm, denn in diesem Fall hilft eine Taschenlampe weiter. Wie mit einem entkoppelten Blitz kann seitliches Licht oder aber Gegenlicht erzeugt werden. Zudem hat man die Option, Pilze von unten mit ihr anzuleuchten, wodurch beispielsweise ihre Lamellen stärker in den Fokus gerückt werden können. Auf den integrierten Blitz kann dann verzichtet werden, wenn eine weiche Ausleuchtung gewünscht ist. Wird mit eingebautem Blitz gearbeitet, kann es schnell zu Überstrahlung an den hellen Pilzteilen kommen.

Wird mit einer kompakten System- beziehungsweise Spiegelreflexkamera fotografiert, so sollte man den Blitz von der Kamera entkoppeln. Sollen die Aufnahmen natürlich anmuten, gilt es, die Blitzleistung entsprechend zu reduzieren. Empfehlenswert ist in jedem Fall der Einsatz von Reflektoren. Einsteigern sei empfohlen, zunächst einmal mit einem Reflektor fotografische Erfahrung zu sammeln. Wichtig ist, für sich festzulegen, wohin das Licht fallen soll, was man also herausstellen möchte. Ist man im Umgang mit Reflektoren schon versierter, so steigt das fotografische Spiel mit dem Einsatz eines weiteren Reflektors. Natürlich steht es einem auch als Fotograf mit einer Kamera für Wechseloptik frei, eine Taschenlampe als zusätzliche Lichtquelle einzusetzen. Zahlreiche Naturfotografen raten übrigens vom Einsatz eines Ringblitzes, der eine ausgewogene Ausleuchtung garantiert, ab. Ihnen sind die Aufnahmen zu unnatürlich.

Ein Stativ ist mehr als empfehlenswert – unabhängig davon, ob mit einer Kompaktkamera oder mit einer Spiegelreflex- beziehungsweise kompakten Systemkamera fotografiert wird. Hier sollte ein Modell mit Kugelkopf zum Einsatz kommen, das einen tiefen Kamerastandpunkt gestattet, denn Pilze sind bekanntlich in Bodennähe anzutreffen. Fernauslöser sind ebenso nützlich, denn schon das Auslösen der Kamera kann zu Verwacklungen und somit unscharfen Aufnahmen führen. An einen Pinsel sollte man ebenso denken – mit ihm lassen sich störende Elemente vom Pilz entfernen – wie an eine Schere, mit der sich beispielsweise Grashalme beseitigen lassen, die die Bildkomposition stören könnten.

Da man als Fotograf in Bodennähe fotografiert und sich dementsprechend auch einmal hinkniet oder sogar sich hinlegt sollte die Kleidung dementsprechend gewählt werden.

Fotografieren in der Praxis 11 / 2016

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden