Fototipps: Fotografieren bei Nacht - Weihnachten

In unseren Breiten fing alles mit dem Schwibbbogen an, der aus heutiger Sicht zurückhaltend die Fenster erleuchtete – inzwischen erwarten uns in der Weihnachtszeit verstärkt Lichtermeere der Extraklasse, die nicht nur der Dunkelheit trotzen, sondern für visuelle einzigartige Erlebnisse sorgen. Da hängen die Weihnächstmänner vom Balkon herunter, dort stehen die leuchtenden Rentiere oder Schneemänner im Vorgarten und über Kirsch- bis Nadelbäume werden großflächig Lichterketten ausgebreitet. So mancher braucht inzwischen für die Installation seiner weihnachtlichen Inszenierungen schon mehrere Wochen. Nahezu in jeder Region in Deutschland gibt es funkelnde und leuchtende Highlights, die sogar zu festen Treffpunkten mit Glühwein und Co. geworden sind. Dass spätestens da die Kamera nicht fehlen darf, versteht sich ganz von selbst.

Fototipps: Weihnachten – Lichtermeer - Weihnachtsdekoration

Aktuelle Kameras – sie sollten die bevorzugten Aufnahmegeräte sein, mit dem Smartphone wird man keine wirkungs- und stimmungsvollen Bildergebnisse erzielen – mit ihren diversen Menüprogrammen und der Option, die ISO-Empfindlichkeit zu erhöhen, machen das Fotografieren bei Nacht prinzipiell auch ohne Stativ möglich. Doch wer allein auf die Automatikfunktionen der Kamera setzt, kann womöglich mitunter von den Bildergebnissen enttäuscht werden. Oftmals erhält man nämlich in der Automatikfunktion und durch die Erhöhung der ISO-Empfindlichkeit gräuliche und verwaschene Aufnahmen, die die Wirklichkeit nur unzureichend wiedergeben. Weil die Kamera den schwarzen Himmel als grau interpretiert oder indem die Empfindlichkeit nach oben geht, ist die Nacht ist als solche in den Bildern dann nicht mehr erkennbar. „Flache“ Aufnahmen lassen sich durch manuellen Eingriff auf einfache Art und Weise vermeiden, indem die Belichtungszeit um ein bis zwei Blendenstufen reduziert wird.

Fototipps: Weihnachten – Lichtermeer - Berlin bei Nacht

Beim Fotografieren in tiefer Nacht sollte keinesfalls auf die dunklen Motivteile belichtet werden. Die Lichter werden sonst total überbelichtet und fressen aus. Empfehlenswerter ist es, einen Bereich für die Belichtungsmessung auszuwählen, der sozusagen beschienen wird. So erscheint die Nacht zwar in tiefem Schwarz, es gelingt jedoch, die Szenerie noch im Bild zu zeigen. Idealerweise wird zur Ermittlung von Blende und Belichtungszeit die Spotbelichtungsfunktion der Kamera genutzt. Wenn der beleuchtete Teil des Bildes ausreichend groß ist, kann auch eine mittenbetonte Integralmessung einen richtigen Wert ermitteln. Auf der sicheren Seite ist man als Fotograf immer mit einer Belichtungsreihe.

Ein Stativ, sofern man die ISO-Empfindlichkeit nicht nach oben schraubt, ist bei Nachtaufnahmen Pflicht. Bei Belichtungszeiten von zum Teil mehreren Sekunden oder gar Minuten kann kein Fotograf die Kamera in der Hand ruhig halten. Es ist natürlich möglich, mit entsprechender Einstellung der Empfindlichkeit an der Digitalkamera kürzere Verschlusszeiten zu erzielen. Meist geht das aber einher mit stärkerem Rauschen, wodurch ein gutes Stück der Bildqualität verloren geht.

Im Prinzip ist es zwar besser, Nachtaufnahmen während der Dämmerung zu machen, in der „Blauen Stunde“ zwischen Sonnenuntergang und absoluter Dunkelheit, weil dann die Kontraste zwischen Licht und Umgebung nicht so groß sind. Die Fotografie inmitten der Nacht hat jedoch auch ihre eigenen Reize, denn im Winter sind die Zeiten der Dämmerung ohnehin recht kurz.

Fotografieren in der Praxis 12 / 2016

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