Friedhofsfotografie

Friedhofsfotografie
Friedhöfe sind ein Ort der Würde, Stille, Vergänglichkeit, aber auch der Ewigkeit, die mitunter durch ihre Persönlichkeiten sehr viel über die Dorf- und Stadtgeschichte preisgeben. Zahlreiche Gemeinden werben mit dem Tag des Friedhofs. Damit möchte man sensibilisieren, aber auch die Wichtigkeit des öffentlichen Raumes hervorheben. Für Fotografen sind Friedhöfe mit ihren Grabstätten, ihrer Geometrie, den Details an Grabschmuck und vielem mehr reich an emotionalen Motiven. Der Friedhof bietet entsprechend viele fotografische Ansätze. Auf welche Ausrüstung man setzt, ist von den Motiven abhängig. Wer es auf Verzierungen, Inschriften oder beispielsweise Grabschmuck abgesehen hat, dessen Kamera sollte über eine Makrofunktion verfügen beziehungsweise die Kamera mit Wechseloptik mit einem Makroobjektiv ausstatten. Geht es um das Herauslösen einzelner Grabsteine, so sind Telebrennweiten zu wählen. Raffinierte Schärfenführungen gelingen mit Tilt-Shift-Objektiven. Zahlreiche Fotografen wählen lichtstarke Zoomobjektive, da diese ihnen bei der Motivvielfalt den größten fotografischen Spielraum garantieren. Die Akkus sollten natürlich voll geladen sein, Ersatzakkus sind ebenso ratsam wie eine Ersatzspeicherkarte. Je nach Lichtverhältnissen, darf ein Stativ ebenso wenig fehlen wie ein Aufsteckblitz.

© Fotograf: Simone Edelberg, Vergänglichkeit, Photoglobus
© Fotograf: Simone Edelberg, Vergänglichkeit, Photoglobus
Wichtiger als jedes einzelne Bild ist jedoch der respektvolle Umgang mit dem Ort des Todes. Fotografen sollten nie vergessen, wo sie sich befinden und dass sie von Menschen umgeben sind, die um ihre verstorbenen Angehörigen oder Freunde trauern. Der Ort der Ruhe darf vom Fotografen nicht gestört werden, auch, wenn ihm mitunter dadurch ein Motiv entgeht. Den Gräbern ist großer Respekt entgegenzubringen. Dazu gehört, nicht auf ihnen herumzutrampeln oder, wie vielfach auch zusehen, direkt vor Grabsteinen mehr oder weniger leicht bekleidete Personen zu platzieren. Fotografen sollten unauffällig und zurückhaltend agieren. Jeder, der sich in die Situation des Trauernden versetzt, wird die richtige Balance finden. Sind die Aufnahmen nicht nur für einen selbst, sondern sollen sie möglicherweise ausgestellt oder in einem Buch präsentiert werden, so sollten neuere Grabstätten durch die Wahl des Bildausschnitts und einem entsprechenden Schärfenverlaufs anonymisiert werden – außer man hat die Einwilligung der Angehörigen.

Der Ort der Ruhe verlangt auch vom Fotografen diese, der sich auf die Atmosphäre einlassen muss. Dazu gehört, sich auch einmal auf eine Bank zu setzen und in sich zu verharren. Damit man von seiner „Fotografiersucht“ nicht zu stark vereinnahmt wird, bietet sich der Besuch des Friedhofs auch mal ohne Kamera mit Notizbuch an. Emotional müssen die Aufnahmen von Friedhöfen sein. In diesem Zusammenhang spielen Wetter und Licht eine ganz entscheidende Rolle. Ist neuer Schnee gefallen, so sollte man zu den ersten Friedhofsbesuchern gehören, denn alles wirkt so unberührt, in sich ruhend und die Grabsteine ragen aus den schneebedeckten Gräbern hervor. Verbunden damit sind durch fehlende Farben monochrome Muster. Die zarten Weißtöne verlangen vom Fotografen viel Fingerspitzengefühl. Schon eine halbe Blendenstufe kann den Unterschied zwischen einem wirkungsvollen Bild und einem, das unterbelichtet und grau oder überbelichtet und ausgebleicht wirkt. Wieder ganz andere Impressionen erhalten Fotografen bei dichtem Schneefall. Aufgrund der Lichtverhältnisse aktiviert die Kameraautomatik den eingebauten Blitz. Das Ergebnis sind ausgeleuchtete Flocken in unmittelbarer Nähe. Wesentlich stimmungsvollere Aufnahmen gelingen mit ausgeschaltetem Blitz. Die Belichtungszeit sollte erhöht werden, was dazu führen kann, dass die Flocken weiße Streifen hinterlassen. Damit die Aufnahmen nicht verwackeln, sollte die Kamera auf einem Stativ ruhen. Im Frühjahr erwacht der Friedhof mit zunehmender Blumenpracht. Auch hier lohnt sich ein früher Besuch, wenn mitunter noch Nebel über den Gräbern liegt. Überhaupt bieten sich – egal zu welcher Jahreszeit – die frühen Morgen- und Nachmittag- bis Abendstunden für die Friedhofsfotografie aufgrund der Lichtstimmungen an. Bei Dunkelheit hat man vielfach allerdings auf Friedhöfen nichts zu suchen. Das soll die Totenruhe stören, was mit ein Grund dafür ist, warum Friedhöfe abgeschlossen werden.

Fotografieren in der Praxis 01 / 2013

2 Kommentare

Gut

Egon

von Egon
02. Januar 2013, 22:02:13 Uhr

Wir reisen viel durch fremde Länder, dabei darf ein Friedhofsbesuch nicht fehlen. Die unterschiedlichen Kulturen - Bestattungsrituale sind schon beeindruckend. Besonders nachdenkliche Motive-Fotos erwecken mein Interesse dabei sollte man nie den Respekt verlieren. Es grüsst aus Laurenburg Carlheinz Tömmel

Carlheinz Tömmel

von Carlheinz Tömmel
02. Januar 2013, 16:38:49 Uhr

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