Frühlingsmotive im Sucher - Eine Sinfonie der Farben

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“Das Veilchen”
Herbert E. Maas

Endlich ist die graue Winterzeit vorbei. Die wärmenden Sonnenstrahlen erwecken die Natur zu neuem Leben. Nachdem Schneeglöckchen und Krokusse verblüht sind, hält der Frühling Einzug mit zartem Grün und einer unendlichen Fülle leuchtender Blüten. Jetzt zieht es den Photofan wieder hinaus zu der Vielfalt reizvoller Motive.

Den Frühling einfach nur in zahllosen Aufnahmen zu knipsen, bringt meist keine Superbilder. Schon vor dem Photographieren sollte überlegt werden, welches Motivgebiet man in Angriff nehmen will. Erst dann ist es möglich, die Kamera entsprechend auszurüsten und die gewählten Sujets gezielt aufzusuchen.

Wer einzelne Blüten formatfüllend aufnehmen möchte, muß nahe ran ans Motiv. Die eleganteste Möglichkeit, große Abbildungsmaßstäbe zu erzielen, bietet ein spezielles Makroobjektiv. Mit Nahlinsen, Zwischenringen und Balgengerät kann ebenfalls sinnvoll gearbeitet werden. Außerdem ist ein Stativ wichtig, das auch für Aufnahmen in Bodennähe geeignet ist. Da sich die Schärfentiefe im Nahbereich in Millimetern abspielt, muß die Entfernung sehr genau eingestellt werden. Ein fester Halt der Kamera auf einem Stativ ist dafür nützlich.

Blumenphotographen, die in der freien Natur im Makrobereich arbeiten, wissen, daß schon die leichteste Brise die Blüten in Bewegung versetzt, wodurch zusätzlich Unschärfe entsteht. Kurze Belichtungszeiten bei starkem Abblenden sind also notwendig, um beispielsweise Blüten in ihrer räumlichen Tiefe scharf abzubilden. Hochempfindlicher Film ist für den Analogphotographen da empfehlenswert und ein geeigneter Windschutz "beruhigt" das Motiv.

Der gezielte Einsatz von Schärfe und Unschärfe sowie das bewußte Setzen des Lichts sind entscheidend bei der Gestaltung von formatfüllenden Abbildungen der Frühlingsblüten. Ein Hilfsmittel für größere Helligkeit (und damit kürzere Belichtungszeiten) sind Aufheller. Das sind reflektierende Scheiben, die es im Fachhandel zu kaufen gibt. Sie lenken, richtig aufgestellt, das Sonnenlicht zum Motiv. Zu mehr Licht verhilft auch das Blitzgerät. Allerdings ist seine Wirkung im Sucher nicht erkennbar. Unerwünschte Reflexionen oder harte Schlagschatten können entstehen. Bei Aufnahmen im Gegenlicht ist ein Aufhellblitz empfehlenswert.

Größere Blumen oder auch blühende Äste lassen sich mit einem Teleobjektiv von 100 bis 200 mm Brennweite gut freistellen. Mit der langen Brennweite und gerade so weit geschlossener Blende, daß das Hauptmotiv im Bereich der Schärfentiefe liegt, scheint die Pflanze frei im Raum zu stehen, da der Hintergrund in Unschärfe verschwindet. Dabei sollte darauf geachtet werden, daß sich der Hintergrund farblich vom Hauptmotiv abhebt, sich dort jedoch keine kontrastreichen Details befinden. Diese würden als Punkte oder Streifen den Bildeindruck stören.
Eine andere Möglichkeit eröffnet das Weitwinkelobjektiv. Die kurze Brennweite bildet etwa ein Blumenbeet bei tiefem Kamerastandort in seiner Gänze scharf ab, jedoch perspektivisch verändert. Der Vordergrund erscheint groß in der Aufnahme, der Hintergrund verliert an Bedeutung durch eine überzogen kleine Wiedergabe. Auf diese Weise entsteht ein räumlicher Eindruck.

Wer so vorbereitet, Augen und Kamera für den Frühling öffnet, der kann die Freude an dieser schönen Jahreszeit in seinen Bildern wieder finden.
 

Fotografieren in der Praxis 04 / 2004

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