Geisterfotografie

Geisterfotografie
In der Geschichte der Fotografie war es nichts Anrüchiges, Tote abzulichten. Im Jahr 1857 wurden auf den Münchner Stadtfriedhof mehr als 300 Porträts im offenen Sarg angefertigt. Es war sogar ein lukratives Geschäft, die Rede ist von Geisterfotografie – aber der Reihe nach.

Da die Fotografie in ihren Anfängen als Mysterium des substanzlosen Realen galt, hatten die Fotos von Toten etwas Geisterhaftes. Gefördert wurde diese Ansicht durch Lichtphänomene und andere Wesenheiten, die während der Aufnahme noch nicht zu sehen waren. Erklären ließen sich diese vielfach nicht, weshalb auch von Geisterbildern die Rede ist. Eine der ersten Aufnahmen, die den Geist eines Verstorbenen zeigen soll, entstand im Jahr 1861, als der Fotograf William H. Mumler auf einem Selbstbildnis seine verstorbene Cousine zu sehen glaubte. Mit diesen Aufnahmen trat er als erster „Geisterfotograf“ in die Öffentlichkeit. Bis heute konnte ihm keine Art der Fälschung nachgewiesen werden. Ein weiterer berühmter „Geisterfotograf“ ist der aus Frankreich stammende M. Baraduc (1850-1909). Er spezialisierte sich darauf, Fotos unmittelbar nach dem Tod eines Menschen aufzunehmen und diese dann auf sonderbare Inhalte zu prüfen.

Um 1930 – nach unserer Recherche – entwickelte sich in Amerika und etwas später auch in Europa ein lukratives Geschäft mit der Geisterfotografie. Fotografen ließen Geisterbilder, meist durch Doppelbelichtungen entstehen, die oft Gesichter von Verstorbenen zeigen, die über dem Fotografen schwebten. Die Fotografien wurden für teures Geld an Gutgläubige verkauft. Unzählige Betrüger wurden überführt und wegen Betrugs verurteilt. Die Gesellschaft war immer besser informiert, wodurch den Betrügern unter den Geisterfotografen ein jähes Ende gesetzt wurde. Durch die unzähligen Fälschungen ist die Geisterfotografie sehr in Verruf geraten. Eigentlich sollte sie der Beweis für die Existent von Geistwesen sein.

Die Aufnahmen aus jener Zeit – und davon gibt es unzählige – sind nicht nur interessant, sondern eine gute Grundlage, sich mit dem Thema Tod auseinanderzusetzen. Auf Friedhöfen zu fotografieren, hat nichts Anrüchiges. Anders verhält es sich da, wenn Tote oder Bestattungen fotografiert werden. Das Ablichten von Toten geschieht inzwischen meist nur noch im Verborgenen. Darüber spricht man nicht, denn es haftet etwas Geschmackloses und Makabres daran. Die Gründe für diese Denkweise sind vielschichtig – doch das möchten wir hier nicht vertiefen. Wichtig ist, was Trauernde für sich brauchen und dazu können auch Bilder von Verstorbenen gehören. Sie helfen bei der Trauerbewältigung und geben dem Tod ein Gesicht. Nicht anders verhält es sich, wenn Bestattungen fotografisch festgehalten werden. Bei Prominenten ist es für uns eine Selbstverständlichkeit – anders verhält es sich da im privaten Bereich.

Weitere Aufnahmen zur Geisterfotografie unter: spiegel-online.

Fotografieren in der Praxis 01 / 2013

1 Kommentare

Fotograf William H. Mumler konnte bereits zu Lebzeiten Betrug nachgewiesen werden, denn seine Geisterbilder entstanden durch Doppelbelichtung. Was natürlich anderen Fotografen, die auch nicht dümmer als Mumler waren, sehr schnell auffiel. Er wurde deswegen sogar wegen Betruges angeklagt.

Buzz

von Buzz
25. Dezember 2013, 19:07:51 Uhr

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