Grundlagen Fotografie: Verschlusszeiten/Belichtungszeit

© Fotograf: Tutelum, Brungs | Hojzakowa, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Tutelum, Brungs | Hojzakowa, Blende-Fotowettbewerb
Die Kenntnis über einige fotografische Grundlagen ist sicherlich nicht verkehrt – sie zu beherrschen, erhöht den Spaß an der Fotografie und den Bildergebnissen enorm. Heute wenden wir uns der Verschlusszeit/Belichtungszeit zu, denn sie hat maßgeblichen Einfluss auf die Wirkung von Fotografien. Zunächst für die fotografischen Einsteiger unter uns: Als Verschlusszeit/Belichtungszeit wird die Zeit bezeichnet, die durch einen Kameraverschluss gebildet wird. Die Steuerung erfolgt entweder rein mechanisch oder elektronisch. Übersetzt heißt das, die Verschlusszeit/Belichtungszeit bestimmt, wie viel Licht auf den Sensor – für die Analogfotografen auf den Film – fällt. Die Zeitangaben auf dem Verschlusszeiteneinstellrad einer Kamera werden in Reziprokwerten (Nenner des Bruchs) angegeben. Daraus ergibt sich beispielhaft die folgende Zeitenreihe in Sekundenbruchteilen: 1 – 2 – 4 – 8 – 15 – 30 – 60 – 125 – 250 – 500 – 1.000 – 2.000. Bei jeder Stufe dieser Zeitreihe halbiert sich die Lichtmenge, die den Sensor/Film belichtet. Kürzere Verschlusszeiten/Belichtungszeiten können durch größere Blendenöffnungen (= kleinere Blendenzahl) kompensiert werden, dabei entspricht eine Stufe der Blendenreihe einer Stufe der Zeitreihe. Aber auch die gewählte ISO-Empfindlichkeit hat Einfluss auf die Verschlusszeit. Bei Erhöhung des ISO-Wertes kann, je nach vorliegenden Bedingungen, die Verschlusszeit/Belichtungszeit verkürzt werden. Und zu guter Letzt hat auch die verwendete Optik Einfluss auf die Verschlusszeit/Belichtungszeit.

Kameras mit elektronischem Verschluss können im Vergleich zu den klassischen Zeit- und Blendenreihen diverse weitere Belichtungszeiten einsteuern. Neben kürzeren und insbesondere längeren Verschlusszeiten können dabei häufig noch Zwischenstufen in halben oder drittel Blendenstufen manuell eingestellt werden, im Automatikbetrieb sind praktisch stufenlose Einstellungen möglich.

© Fotograf: Riccardo Franke, Goldener Herbst, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Riccardo Franke, Goldener Herbst, Blende-Fotowettbewerb
Soviel zur Theorie, jetzt zur Praxis. Für welche Verschlusszeit/Belichtungszeit man sich entscheidet, hängt natürlich vorrangig vom Motiv ab. Nehmen wir das Beispiel Wasserfall. Möchte man die Bewegung des Wassers sozusagen verwischt darstellen, so ist eine lange Verschlusszeit zu wählen von beispielsweise 1/40 Sekunde. Wer sich nicht ganz sicher ist, macht eine Bildreihe mit unterschiedlichen Verschlusszeiten/Belichtungszeiten. Der große Vorteil eines Wasserfalls ist, dass er nicht wegläuft und man alle Zeit der Welt hat, nicht nur um den optimalen Standpunkt zu wählen, sondern auch in Ruhe zu testen. Die Kamera gehört in jedem Fall auf ein Stativ, denn Handunruhe führt zu einer insgesamt unscharfen Aufnahme, weil nicht nur das Wasser, sondern alles Drumherum unscharf werden wird.

Möchte man mit langen Verschlusszeiten arbeiten, so können die Lichtbedingungen so sein, dass selbst die kleinste Blende noch zu viel Licht durchlässt und dadurch die Belichtungszeit noch viel zu kurz ist. In diesem Fall bietet sich ein Neutraldichtefilter, auch als Graufilter bezeichnet, an. Durch das Filter wird die Lichtmenge reduziert, wodurch eine längere Verschlusszeit gewählt werden kann.

Möchte man einen Radfahrer in Aktion ablichten, so hat man zwei Optionen. Bei der Wahl einer kurzen Verschlusszeit von beispielsweise 1/800 Sekunden werden seine Bewegungen quasi eingefroren. Solche Aufnahmen wirken vielfach langweilig und wenig dynamisch – auch, wenn es der Fahrradfahrer ist. Aus diesem Grund entscheiden sich Fotografen bevorzugt für eine längere Verschlusszeit von beispielsweise 1/40 Sekunde. Der Radfahrer wird nicht klar abgelichtet, sondern verwischt bis hin zur Unkenntlichkeit. Die Rede in diesem Zusammenhang ist von der sogenannten Bewegungsunschärfe. Wie verwischt der Radfahrer abgelichtet wird, hängt von der Intention des Fotografens ab – auch hier empfiehlt sich, mit den Belichtungszeiten zu spielen und gegebenenfalls den Radfahrer ein paar Mal die gleiche Szene nachspielen zu lassen. Je länger die Belichtungszeiten gewählt werden, desto wichtiger ist natürlich ein Stativ.

Fotografieren in der Praxis 07 / 2013

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