Grundlagen für Panoramabilder

Das Smartphone hat eine Panoramafunktion. Eine, die meist mehr schlecht als recht funktioniert. Und eine, die nur in einer Ebene Bilder machen kann. Wer aber tatsächlich einen Rundumblick haben möchte, sollte zu einer richtigen Kamera greifen, nicht zu einem Telefon mit selbiger. Zumal mit einem Smartphone zwar auch ein Panorama erstellt werden kann, aber meist eines, bei dem weder Himmel noch Boden zu sehen sind.

Grundlagen für Panoramabilder

» Panoramabild interaktiv öffnen

Ein Panoramabild, das Blicke in alle Richtungen erlaubt, wird Kugelpanorama genannt. Manchmal spricht man auch von einem sphärischen Panorama, wogegen ein Rundumblick in die Kategorie „tonnenförmiges Panorama“ gehört, weil man da, ähnlich wie auf der Innenseite einer Tonne, zwar in alle Richtungen schauen kann, Boden und Himmel aber nicht sichtbar sind.

Preview Einzelbilder
Preview Einzelbilder
Erstellt wird ein Panoramabild fast immer aus einer Vielzahl einzelner Fotos. Es gibt auch die Möglichkeit, ein tonnenförmiges, in Verbindung mit einem Fisheye-Objektiv sogar ein Kugelpanorama, mit einem einzigen Bild zu erstellen, aber diese Variante ist extrem teuer. Denn dafür wird eine sogenannte Panoscan-Kamera benötigt, die sich, von einem Motor angetrieben, einmal um die eigene Achse dreht und so ein Foto mit einem Rundumblick erstellt. Verbreiteter und durchweg preiswerter ist es, einzelne Fotos mithilfe einer Software zu einem Panoramafoto zusammenzusetzen.

Wie aber geht man vor, ein Panorama zu erstellen? Zuerst müssen die Bilder her. Idealerweise passen die Fotos dann auch wirklich zusammen. Dabei ist besondere Sorgfalt geboten, denn wer bei den Fotos erst einmal schlechte Ergebnisse hat, wird später zwangsweise zu einem Bildbearbeitungskünstler werden. Zwei Dinge sind dabei besonders wichtig: Zum einen müssen die Fotos immer von der gleichen Stelle aufgenommen werden. Zum anderen müssen sie auch von der Belichtung her zusammenpassen.

Bei der Belichtung gibt es eine Regel, an die man sich immer halten sollte. Während der Aufnahme der einzelnen Bilder sollte die Belichtungseinstellung der Kamera nicht verstellt werden. Denn sonst gibt es später helle und dunkle Fotos, die einfach nicht zusammenpassen. Was also tun, wenn sowohl helle als auch dunkle Bereiche eines Panoramafotos abgedeckt werden müssen? Am besten der Fotograf verschafft sich zunächst einmal einen Überblick, indem er den hellsten und den dunkelsten Bereich misst. Beide dürfen später nicht aus dem Rahmen fallen, also weder zu hell noch zu dunkel werden. Es muss ein Mittelwert gefunden werden, der beide Extreme einschließt. In jedem Fall empfiehlt es sich, im RAW-Format zu fotografieren. Denn RAW-Bilder haben Reserven bei der Belichtung, es gehen anders als bei komprimierten Bildformaten keine Informationen verloren. So kann der Fotograf später das Beste aus seinen Bildern herausholen.

Eine zweite Fehlerquelle beim Fotografieren eines Panoramafotos ist der Parallaxenfehler. Was versteht man darunter? Parallaxenfehler entstehen, wenn die Kamera während der Aufnahme verschiedene Positionen inne hat. Wer seine Kamera einfach auf ein Stativ setzt und dann dreht, erhält Fotos, die diesen Fehler beinhalten. Denn gedreht wird in der Regel um den Mittelpunkt der Kamera, nicht um die optische Achse. Denn diese befindet sich meist auf Höhe des hinteren Objektivdrittels. Den Parallaxenfehler kennt im Prinzip jeder. Man kann ihn ganz einfach simulieren, indem man den Finger am ausgestreckten Arm ausstreckt und ein Auge zukneift. Dann wird mit der Blickachse der Finger mit einem weit entfernten Gegenstand in Deckung gebracht. Wechselt man nun das Auge, sind Finger und entfernter Gegenstand nicht mehr in Deckung. Der Standort des Beobachters hat sich geändert, und damit ergibt sich ein anderer Betrachtungswinkel.

Um dies zu verhindern, verwendet man einen speziellen Nodalpunktadapter, eine Konstruktion, die es ermöglicht, die Kamera so auf dem Stativ auszurichten, dass es eben keine Parallaxenfehler gibt. Für jede Kamera und jedes Objektiv muss dabei die richtige Einstellung gefunden werden. Man kann dies problemlos selbst ermitteln, indem die Kamera auf dem Stativ gedreht wird und dabei ein naher und ein ferner Bezugspunkt in Deckung gebracht werden. Die optische Achse ist gefunden, wenn beim Drehen beide Punkte in Deckung bleiben. Man sollte sich seine Einstellungen am besten notieren, vor allem dann, wenn man verschiedene Kameras oder Objektive einsetzt.

Fotografiert wird übrigens am besten ein wenig verschwenderisch. Die einzelnen Bilder sollten sich etwa ein Viertel bis ein Drittel überlappen. Dann ist es später einfacher, die Bilder bündig zu einem einzelnen Panorama zusammenzusetzen.

Werden die RAW-Dateien in JPEG oder TIFF umgewandelt, gilt es wieder, alle Bilder gleich zu bearbeiten. Am besten, man bearbeitet dabei ein Foto und übernimmt dann diese Einstellungen für alle anderen Bilder. Denn sonst wird man später im Panorama die Übergänge zwischen den einzelnen Bildern sehen.

Zusammengesetzt werden die Fotos schließlich mit einer speziellen Software. Es sind verschiedene Programme auf dem Markt, manche davon sind kostenlos zu haben, andere kosten entsprechend. Für welche Software man sich entscheidet, ist von den Anforderungen abhängig und natürlich auch von persönlichen Vorlieben. Einige Programme erlauben es, mehrere Panoramen zu virtuellen Rundgängen zusammenzufügen. Andere Programme haben dafür andere Funktionen.

Die Bildbearbeitung kommt aber in jedem Fall noch zum Einsatz. Denn beim Blick nach unten sieht man immer das Stativ unter der Kamera. Schließlich bilden Fotos die Realität ab und in dieser Realität ist beim Blick nach unten eben das Stativ im Bild. Um dieses zu entfernen, muss man zur Bildbearbeitung greifen. Etwas einfacher wird es, wenn bei der Aufnahme gleich noch einmal der Boden unter dem Stativ fotografiert wird. Dieses Bild kann dann verwendet werden, um es an fraglicher Stelle in das Panorama einzusetzen. In manchen Programmen ist es möglich, den entsprechenden Bereich aus dem Foto heraus zu trennen, zu bearbeiten, und wieder einzusetzen. Bei anderen Programmen muss dafür entweder eine eigene Software oder ein gesondertes Skript eingesetzt werden.

Nun ist so ein Panoramabild nur die halbe Wahrheit. Betrachtet man es am Bildschirm, wird es vor allem um den Zenit und um den Nadir, also den Blick senkrecht nach oben und unten, stark verzerrt. Wirklich brauchbar wird ein Panoramabild nur dann, wenn es interaktiv bereitgestellt wird, also wenn der Nutzer sich im Bild umsehen kann. Dafür wird eine weitere Software eingesetzt. Und auch hier gibt es wieder verschiedene Möglichkeiten, je nach Programm erscheint dann die Navigation unterschiedlich.

Fotografieren in der Praxis 10 / 2014

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden