HDR-Fotografie - Worauf muss ich achten

© Fotograf: Josef Schwarz, Wildcoast, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Josef Schwarz, Wildcoast, Blende-Fotowettbewerb
HDR-Fotografie ist der Renner und wie wir alle wissen, möchte man diesem Trend auch folgen. Auch, wenn HDR-Fotografien vielfach wegen ihrer Unnatürlichkeit in der Kritik stehen, so kann es genau dieser Punkt sein, warum der Fotograf so fotografiert. HDR-Fotografie bedeutet aber nicht zwangsläufig, kitschige Aufnahmen zu erhalten. Wird beim Tonemapping mit dem entsprechenden Fingerspitzengefühl vorgegangen, so outet man sich mitunter gar nicht als HDR-Fotograf. Bevor es allerdings zum Tonemapping kommt, muss erst einmal fotografiert werden. Da eine HDR-Aufnahme sich aus mehreren Einzelaufnahmen zusammensetzt, ist ein Stativ Pflicht, denn sonst stimmen die Bildausschnitte nicht überein. Um Verwacklungen beim Auslösen zu vermeiden, nutzen viele HDR-Fotografen einen Fernauslöser. Hat man gerade keinen zur Hand, so ist der Selbstauslöser eine Option. Die Einstellung des Vorlaufs auf zwei Sekunden ist passend. Einige Kameras machen nach Aktivierung des Selbstauslösers automatisch eine Belichtungsreihe, was sehr praktisch ist. Wird mit Spiegelreflexkameras fotografiert, so kann es durch den Spiegelschlag zu Verwacklungen kommen. Der Fotograf kann dies vermeiden durch die Verwendung der Spiegelvorauslösung oder indem er die Belichtungsreihe aus dem Modus „Live-View“ startet. In diesem Fall muss kein Spiegel mehr klappen. Um Schwankungen im Fokusbereich zu verhindern, sollte der Autofokus ausgeschaltet sein. Bevorzugtes Dateiformat ist RAW. Bietet die Kamera dieses nicht und muss in JPEG fotografiert werden, so sollten alle automatischen Bildoptimierungen und auch der automatische Weißabgleich ausgeschaltet sein, damit man möglichst unverändertes und damit vollständiges Material erhält.

© Fotograf: Klaus Neubauer, Düsseldorf Ausblick am Medienhafen, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Klaus Neubauer, Düsseldorf Ausblick am Medienhafen, Blende-Fotowettbewerb
Die Wichtigkeit von Blende und Zeit in der Fotografie ist uns allen bekannt. Vor der Belichtungsreihe muss beziehungsweise sollte der Fotograf die ISO-Automatik ausschalten und manuell die Startkombination von Blende und Zeit festlegen. Hier hat man zwei Optionen. Ambitionierte Fotografen sind über das Kontrastverhalten des Aufnahmesensors informiert und errechnen anhand der Spotmessung die passende Kombination. Wir sind ehrlich – dies ist ein Weg, der umständlich und für uns nicht einfach ist. Wir bevorzugen da die pragmatische Vorgehensweise, denn mit dem Histogramm und der Clippinganzeige verfügt die Kamera ja über exakte Messinstrumente. Unser Tipp lautet, einfach mehrere Belichtungsreihen mit unterschiedlichen Kombinationen machen und anhand des Histogramms und der Clippinganzeige prüfen, welche Kombination von Blende und Zeit die beste ist. Die Clippinganzeige gibt Aufschluss über die Bildbereiche/Bilddetails, die außerhalb des Bereiches liegen, in dem der Sensor Helligkeiten unterscheiden kann. Der Tonwert sollte zwischen oberhalb 0 und 254 liegen. Alles was heller als 254 – also 255 – ist, wird in der Regel durch eine Hilfsanzeige schwarzweiß blinkend angezeigt. Da zahlreiche Kameras das Clippen der dunklen Bereiche nicht anzeigen, ist es für den Fotografen schwer zu beurteilen, welche Bilddetails möglicherweise auf dem Tonwert 0 liegen, der Reinschwarz bedeutet und keine Details zulässt. Hier kommt das Histogramm zum Einsatz. Die Anzeige im hellsten Bild darf nicht bis ganz nach links gehen, denn nur dann weiß der Fotograf sicher, dass kein Wert 0 im Bild ist. Auch wenn das für den Einsteiger eventuell alles etwas kompliziert klingt, so ist es das nicht. Übung macht bekanntlich den Meister und nach zwei, drei Praxisrunden tut man sich schon leichter.

Sind Blende und Zeit festgelegt, so ist es wichtig, für ausreichende Überlappungen im Bereich der mittleren Helligkeiten zu sorgen. Empfohlen wird ein Abstand von zwei vollen Belichtungsstufen (LWs) zwischen zwei Einzelbildern. Entscheidet sich der Fotograf für drei bis fünf Belichtungsstufen, so reicht eine Belichtungsreihe von drei Aufnahmen mit zwei Belichtungswerten Unterschied. Mit der weiteren Erhöhung der Belichtungsstufen kann es möglicherweise zur Überforderung der AEB-Automatik kommen. Um die Funktion dennoch nutzen zu können, arbeiten Fotografen mit zwei Reihen und verändern die Ausgangswerte für diese an der Kamera.

Fotografieren in der Praxis 03 / 2013

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