Highspeed-Fotografie - Dinge sichtbar machen, die sonst verborgen sind

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© Blende, Anita Conrads, Schönheit des Wassers

Die Highspeed-Fotografie lässt nicht nur Fotografenherzen höher schlagen, sondern auch die der Betrachter. Hier kommt man aus dem Staunen nicht heraus und ist gefesselt – so geht es uns zumindest. Kennzeichnend für die Highspeed-Fotografie ist, dass sie Dinge sichtbar macht, die das menschliche Auge sonst kaum oder gar nicht wahrnimmt. Hier wird der Bruchteil einer Sekunde eingefangen. Ein Hexenwerk ist die Highspeed-Fotografie übrigens nicht, und deshalb ist sie auch ein Bereich in der Fotografie, den Einsteiger nicht scheuen müssen. Bis zu einem gewissen Grad gelingen Highspeed-Aufnahmen auch mit ganz „normalen“ Kameras. Der Begriff „normal“ ist natürlich dehnbar. Eine kompakte System- beziehungsweise Spiegelreflexkamera sollte es schon sein, die kürzeste Verschlusszeiten zulassen. Aktuelle Kameramodelle mit Wechseloptik bieten diese Voraussetzungen, bei älteren muss man schlichtweg nachschauen, ob sie mit ihren Verschlusszeiten geeignet sind. Etwas Zubehör ist für die Highspeed-Fotografie aber auch nötig. Für den Einstieg reichen ein oder mehrere Blitzgeräte und eine Lichtschranke. Die gibt es auch schon für kleines Geld mit den passenden Kameraanschlüssen. Als Blitzgeräte bieten sich Systemblitze an – sie sind zwar nicht so leistungsstark wie Studioblitze, aber dafür deutlich schneller mit der sogenannten Abbrennzeit von 1/10.000 Sekunde. Ein weiterer Vorteil ist, dass Systemblitze auch mit einer Softbox oder anderen Lichtformern ausstatten werden können. Dies garantiert oftmals eine schönere Lichtsituation.

Die Lichtschranke ist das Zubehör, auf das Highspeed-Fotografen nicht verzichten können. Tüftler unter den Fotografen erwägen möglicherweise, diese selbst zu bauen oder auf Bausätze zurückzugreifen. Wir würden uns für ein fertiges System entscheiden – sind aber auch keine Tüftler. Im Netz zu lesen ist immer wieder, dass bei selbstgebauten Lichtschranken die Ansteuerung der Kamera beziehungsweise des Blitzes ebenso wenig trivial ist, wie die Auslegung der Optik. Man sollte sich also schon gut überlegen, ob man nicht lieber auf eine Lichtschranke der zahlreichen Anbieter zurückgreift. Empfohlen werden für die Highspeed-Fotografie sogenannte Reflexlichtschranken. Diese bestehen aus einem Sender mit integriertem Empfänger und einem Reflektor. Beides wird so gegenüberliegend aufgebaut, dass die Lichtstrahlen, die der Sender ausstrahlt, vom Reflektor an den Empfänger zurückgeworfen werden. Erkennbar ist dies bei unserer Lichtschranke ganz leicht, weil die Kontrollleuchte erlischt, sobald die Lichtschranke optischen Kontakt hat. Ist die Kamera mit der Lichtschranke über ein spezielles Auslösekabel verbunden, ist sie auch sofort einsatzbereit. Wird der Lichtstrahl durch einen Gegenstand unterbrochen, geht ein Signal an die Kamera, die zusammen mit den angeschlossenen Blitzgeräten auslöst.

Wichtig ist, die Reaktionszeit der Lichtschranke in Verbindung mit der Auslöseverzögerung der Kamera im Blick zu haben – auch, wenn letztere bei neuesten Aufnahmegräten auf ein Minimum reduziert ist. Die gemeinsame Verzögerung muss in die Aufnahmeplanung mit einbezogen werden. Rechnerisch nähert man sich, indem man weiß, wann ein Gegenstand die Lichtschranke passiert. Dazu muss man jedoch sein Gewicht und seine Geschwindigkeit wissen. Wir finden es wesentlich einfacher, die Lichtschranke in einer entsprechenden Entfernung vom Motiv aufzubauen und mit einigen Probeaufnahmen den idealen Abwurfpunkt zu ermitteln. Gutes Hilfsmittel ist hier ein Lineal/Messlatte.

Planung ist in der Highspeed-Fotografie die halbe Miete. Je mehr Mühe man sich im Vorfeld macht, desto schneller stellt sich der Erfolg ein. Das A und O für wirkungsvolle Aufnahmen ist die richtige Ausleuchtung des Hintergrundes – hier muss man sich an den Erfolg herantasten.

In der Highspeed-Fotografie kommen gern Flüssigkeiten, sei es Wasser, Milch oder Wein, in einem Gefäß zum Einsatz, in das Gegenstände, wie Früchte, hineinfallen. Das hier Spritzer nicht ausgeschlossen werden können, liegt auf der Hand. Vor diesen gilt es Kamera, Lichtschranke und Blitzgeräte jedoch zu schützen. Das geht beispielsweise mit einer Glasplatte, die direkt vor dem Objektiv platziert wird, so dass sie außerhalb des Schärfebereichs liegt. Ist der Einsatz einer solchen Glasplatte nicht möglich, dann sollte das Objektiv durch einen Klarglasfilter geschützt werden – Milch und andere Flüssigkeiten lassen sich nur schwer von der Frontlinse des Objektivs entfernen. Bei größeren Gegenständen werden gern auch Aquarien genutzt – aber Achtung: Sind die fallenden Gegenstände zu schwer oder zu hart, können sie beim Aufkommen den Boden beschädigen. Dieser lässt sich beispielsweise mit Schaumstoff schützen.

Fotografieren in der Praxis 07 / 2014

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