Kamera-Menüprogramme - Viele Optionen

Spiegelreflex- und kompakte Systemkameras sind gefragt wie nie und auch bei höherwertigen Kompaktkameras ist die Nachfrage ungebrochen hoch. Immer mehr Verbraucher sind Neueinsteiger, die über Smartphones die Fotografie für sich entdeckt haben und für die vieles in der Fotografie noch Neuland ist. Dies ist sicherlich auch der Grund dafür, warum trotz der zahlreichen Optionen, die Kameras zu bieten haben, bevorzugt die Programmautomatik genutzt wird und selbst die Menüprogramme mit Blume, Berge, Personen und so weiter nur selten bis gar nicht zur Anwendung kommen.

Kamera-Menüprogramme - Viele Optionen
Menüprogramme verhelfen dem Anwender, deutlich mehr aus seiner Kamera – und auch aus sich – herauszuholen. Die Device sollte also lauten, das Angebot anzunehmen. Überaus hilfreich ist es, sich die Gebrauchsanleitung auch einmal anzuschauen. Aus der eigenen Praxis wissen wir, dass den meisten unter uns die Materie in den Gebrauchsanweisungen einfach zu trocken aufbereitet ist. Außerdem möchte man fotografieren und nicht lesen. Auf der anderen Seite bringt uns die Gebrauchsanweisung näher, was mit der Kamera alles möglich ist. Wer dennoch keine Lust darauf hat, Gebrauchsanweisungen zu lesen, der sollte sich seine Kamera nehmen und einfach das Spiel mit den Möglichkeiten suchen. Dabei verinnerlicht man mitunter sehr viel schneller die Optionen und kann sie dann auch in der Praxis zielgerichteter anwenden. Wichtig bei dieser Vorgehensweise ist allerdings, dass es rein ums Kennenlernen geht und es nicht auf die Bildausbeute ankommt.

Erster Grundsatz in der Fotografie lautet, dass die leistungsfähigste Automatik nichts wert ist, wenn sie bei Bedarf nicht übergangen werden kann. Neben der Automatik halten Kameras eine Vielzahl – hängt vom Kameramodell ab – von Voreinstellungen und Spezialeffekten für die gängigsten Aufnahmesituationen bereit.

Menüprogramme

Menüprogramme, wie beispielsweise Porträt, Schöne Haut, Speisen, Party, Landschaften, Feuerwerk, Sternenhimmel oder Nacht, sind perfekt für Einsteiger – Profis meiden sie oftmals, da ihnen der Einfluss der Kamera zu weit geht und Porträts beispielsweise zu weich und Landschaften zu blau/grün abgelichtet werden. Die Menüprogramme sind dennoch überaus hilfreich, auch, wenn es beispielsweise schnell gehen muss oder man schlichtweg noch nicht so geübt ist mit der richtigen Wahl von Blende und Zeit. So sorgt die Menüeinstellung Porträt dafür, dass der Hintergrund verschwimmt, wodurch dieser an Bedeutung verliert und die Person stärker in den Vordergrund rückt. Die Farbwiedergabe ist auf die Hauttöne optimiert, die meist weicher dargestellt werden. Oder nehmen wir das Menüprogramm Schnee, das die Wahrscheinlichkeit erhöht, zu perfekt belichteten Aufnahmen zu gelangen. Wie wir alle wissen, können große weiße Flächen zu fehlerhaften Belichtungswerten der Kamera führen. Die Wahl dieses Menüs kann das verhindern. Belichtung und Weißabgleich werden so angepasst, dass der Schnee natürlich wiedergegeben wird und Fehlbelichtungen durch stark reflektierenden Schnee vermieden werden.

Vollautomatik

Dies ist vor allem bei Einsteigern der beliebteste Modus. Die Kamera übernimmt praktisch alle Einstellungen. ISO-Empfindlichkeit, Blende und Belichtung, selbst die Blitzsteuerung wird von der Kamera übernommen. Für die richtigen Einstellungen analysiert die Kamera das Motiv und wählt in der Regel auch die richtigen Einstellungen. Aber gerade in extremen Situationen, wie zum Beispiel bei großen Schneeflächen, stößt man mit der Vollautomatik schnell an die Grenzen und sollte sich dann nicht mehr unbedingt auf die Automatik verlassen. Je nach Kameramodell gibt es auch die „Vollautomatik ohne Blitz“.

Programmautomatik (P)

Die Programmautomatik ist für viele Fotografen eine Alternative zur Vollautomatik. Die Kamera stellt automatisch Blende und Verschlusszeit ein. Der Fotograf sollte aber alle weiteren Einstellungen, wie ISO, Weißabgleich, im Blick haben und gegebenenfalls korrigierend eingreifen. Bei zahlreichen Kameramodellen kann eine Programmverschiebung (Programm-Shift) genutzt werden. Trotz der gewählten Programmautomatik können Blende oder die Verschlusszeit (meist über eines der Stellräder der Kamera) vorgewählt werden. Nach kurzer Zeit werden die Einstellungen dann automatisch zurückgesetzt.

Blendenautomatik (S) / Zeit-Vorwahl (Tv)

Die Kamera wählt eine passende Blende zu einer vom Fotografen manuell ausgewählten Belichtungszeit (S = vom engl. „shutter“ = Verschluss). Gerade bei sich schnell bewegenden Motiven kommt die Blendenautomatik gern zum Einsatz. Die Belichtung muss man im Blick haben, denn unterbelichtete Aufnahmen können vorkommen, der man durch Erhöhung des ISO-Wertes entgegenwirken kann – dies erhöht aber möglicherweise das Bildrauschen.

Zeitautomatik (A), Blendenvorwahl (Av)

Zu einer vom Fotografen manuell ausgewählten Blende wird automatisch von der Kamera die passende Belichtungszeit ermittelt. Die Zeitautomatik, vielfach auch als Blendenvorwahl bezeichnet, ist für viele Fotografen eine Alternative zur Programmautomatik. Bei gutem Licht einfach Blende 8 oder 11 einstellen, das gibt nicht nur eine brauchbare Schärfentiefe, sondern in der Regel auch die bestmögliche Schärfe, die das Objektiv erreichen kann. Wenn eine besonders große Schärfentiefe gewünscht ist und die Lichtbedingungen optimal sind, so reicht einfach weiteres abblenden (größere Blendenzahl) und falls geringe Schärfentiefe (Porträt) oder kurze Belichtungszeiten (Sport) wichtig sind, muss entsprechend die größtmögliche Blende eingestellt werden.

Manuell-Modus / Manuelle Steuerung (M)

Wer sowohl auf die Blende als auch auf die Zeit manuell Einfluss nehmen möchte, der wählt diesen Modus, der von sehr vielen ambitionierten Fotografen und Profifotografen eingesetzt wird. Aber Achtung, denn in diesem Modus muss man als Fotograf auch alle anderen Einstellungen, wie ISO oder beispielsweise Weißabgleich, im Blick haben.

Benutzer-Modi

Ab einer gewissen Kameraklasse – vielfach ist von der Semiprofi-Klasse die Rede – haben Anwender die Möglichkeit, eigene Voreinstellungen zu speichern, wodurch man seine eigenen Menüprogramme kreiert.

Fotografieren in der Praxis 01 / 2013

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