Kaufberatung Stative

Die dritte Hand der Fotografen

Stative gelten als die dritte Hand der Fotografen, wobei dies eigentlich nicht ganz korrekt ist. Genauso gut könnte man sie als wichtige Stütze oder drittes Standbein für Fotobegeisterte bezeichnen. Stative sind aus unserer Sicht in der Fotografie und auch beim Videodreh ein wichtiges, wenn nicht das wichtigste Zubehör. Dementsprechend sollte jeder auch im Besitz eines Stativs sein – auch alle Smartphonebesitzer, die mit diesen Immer-Dabei-Kameras fotografieren und filmen. Der Besitz eines einzigen Stativs ist ein guter Anfang – in der Praxis zeigt sich, dass man es mit den Stativen wie mit den Fototaschen/-rucksäcken halten und dementsprechend eine Auswahl von drei bis vier sein Eigen nennen sollte. Grund dafür sind die unterschiedlichsten Fotobegebenheiten, aber auch die der Aufnahmegeräte.

Kaufberatung Stative

Stative – Grenzenlose Modellvielfallt

Geben Sie bei einem der bekannten Online-Verkaufsportalen den Begriff „Stativ“ ein, dann werden nahezu 40.000 Ergebnisse angezeigt. Diese lassen sich nochmals erhöhen durch die Eingabe von „Stative“ – da sind es um die 61.000 Ergebnisse. Natürlich handelt es sich bei diesen nicht um unterschiedliche Stativ-Modelle, auch wenn die Vielfalt dennoch grenzenlos ist. Diese erklärt sich allein schon aus dem Facettenreichtum der unterschiedlichsten Aufnahmegeräte vom Smartphone, der kleinen Kompaktkamera für die Jackentasche, der größeren hochwertigen Kompaktkamera mit einem Mehr an Features bis hin zu den kompakten System-, Spiegelreflex- oder Mittelformatkameras. Außer Acht lassen dürfen wir das Stativangebot mit seinen Halterungen für Action Cams ebenso nicht wie für die sogenannten Lifestylekameras.

„Für jedes Aufnahmegerät das passende Stativ“ lautet die Devise der Hersteller im Sinne der Anwender, denn auf einem Stativ für ein Smartphone hat eine kompakte Systemkamera beispielsweise nichts zu suchen. Und hier sind wir schon bei dem ersten Tipp für den Stativkauf: Aufnahmegerät und Stativ müssen eine Einheit bilden, denn wem ist schon geholfen, wenn das Stativ für die Kamera nicht ausgelegt ist und durch diese quasi weiche Beine bekommt. Darf es etwas mehr an maximaler Stativbelastbarkeit sein, dann ist mehr ratsam, denn eventuell plant man in der nächsten Zeit eine Kameraneuanschaffung, die schwerer ausfällt, oder auch ein weiteres neues Objektiv. Für die Gewichtsermittlung bei kompakten System- und Spiegelreflexkameras gilt es, das schwerste Objektiv und das Blitzgerät mit einzubeziehen.

Stativvarianten

Für jedes Aufnahmegerät und jede Aufnahmesituation das passende Stativ – die Vielfalt an Stativvarianten ist mit Ein-, Drei- und Vierbein- sowie Klemm-, Tisch-, Schwebe- und Ministativen in den verschiedensten Materialien wie mit Carbon, Aluminium, Holz etc., in den unterschiedlichsten Ausführungen und Qualitäten beeindruckend.

Einbeinstative kommen bevorzugt beispielsweise in der Sportfotografie und bei größeren Menschenansammlungen, wie auf dem Rummelplatz und Stadion, zum Einsatz oder immer dann, wenn größere Distanzen zu Fuß zu überwinden sind und man auf das Tragegewicht achten muss. Das Einbeinstativ gestattet es, mit mäßigem Kraftaufwand ein schweres Teleobjektiv schussbereit zu halten und bietet dennoch die nötige Flexibilität, um schnell ablaufenden Bewegungen des Fotomotivs folgen zu können. Darüber hinaus ermöglichen Einbeinstative längere Belichtungszeiten, ohne dass es dabei zu ungewollten Verwacklungen kommt. Wesentlich stabiler, aber dafür auch weniger flexibel, ist die klassische Dreibeinkonstruktion, die es auch mit vier Beinen gibt. Solche Stative bieten, je nach Ausführung, ein Höchstmaß an Stabilität. Sie werden vielfach im Set mit Stativkopf angeboten. Eine sorgfältig auf einem Stativ befestigte Kamera bleibt dort bis zur Ewigkeit stehen und ermöglicht theoretisch unendlich lange Belichtungszeiten. In der Tier-, Natur- Makro- und Architekturfotografie kommen bevorzugt Drei- und Vierbeinstative zum Einsatz. Wichtig beim Kauf ist es die Arbeitshöhe im Blick zu haben, diese ergibt sich auch daraus, gegebenenfalls den Anstellwinkel des Stativs verändern zu können. Dieser hat natürlich Einfluss auf die Stabilität des Stativs, weswegen es von Vorteil ist, wenn eine Mechanik zur Verriegelung des Anstellwinkels vorhanden ist. Die Arbeitshöhe sollte für den Fotografen bequem sein, so dass er entspannt durch den Sucher oder das Kameradisplay schauen kann. Liebhaber der Makrofotografie, die ja gern auch in Bodennähe fotografieren, müssen zudem darauf achten, dass das Stativ dafür geeignet ist. Als gutes Allround-Stativ gilt eines mit mindestens einer drehbaren Mittelsäule oder einer ultrakurzen Mittelsäule, die im Lieferumfang enthalten ist. Klemmstative sind sehr handlich und lassen sich durch die in der Regel beweglichen Beine, wie der Name schon sagt, an den unterschiedlichsten Dingen befestigen. Eine weitere Gattung sind die Schwebestative, vielfach auch als Steadycam bezeichnet. Hierbei handelt es sich je nach Ausführung um ein komplexes Halterungssystem, das selbst beim Fotografieren und Filmen aus der Hand für Stabilität sorgt. Tischstative sind nicht auf den Einsatz auf dem Tisch begrenzt, sondern können natürlich auch auf Mauern usw. platziert werden. Durch den Namen wird zum Ausdruck gebracht, dass sie klein sowie handlich sind und dementsprechend in jeder Fototasche Platz finden. Ja, und dann gibt es noch die Ministative – die, wie der Name zum Besten gibt – klein ausfallen.

Klein, kleiner, am kleinsten …

Stative sollen für den Transport möglichst klein sein. Aus diesem Grund setzen sich die Beine von Einbein- sowie Drei- und Vierbeinstative aus einzelnen Beinsegmenten zusammen. Sehr viele Beinsegmente sprechen für ein geringes Transportmaß. Verbunden damit ist jedoch, dass der Beindurchmesser am unteren Ende des Stativs extrem dünn ist. Das kann das Stativ anfällig machen, weshalb auf Querverstrebungen zu achten ist, die dann für Stabilität sorgen.

Stativmaterialien

Im Stativbau kommen die unterschiedlichsten Materialien zum Einsatz. Oft werden dafür Rohre aus speziellem Aluminium verwendet, die ungleich günstiger sind als Kunstfasern, leider auch ein ganzes Stück schwerer. Dennoch: Für eine Kamera mit mittlerer Brennweite ist ein Aluminiumstativ eine gute Lösung. Ein ganzes Stück leichter, bei gleicher Stabilität, sind Stative aus Basalt, also einem aus Vulkangestein gewonnenes Material. Das derzeitige Nonplusultra im Stativbau ist Carbon (Kohlefaser). Dieses Material ermöglicht extrem steife und stabile Konstruktionen bei minimalem Gewicht. Ein möglicher Nachteil von Carbon ist, dass es beispielsweise bei einem Sturz auf einen spitzen Stein beispielsweise auch zersplitten kann. High-Tech-Materialien haben zwar ihren Preis, ihnen wird aber nachgesagt, dass sie im täglichen Einsatz unschlagbar sind. Eher ein Nischendasein führen inzwischen Stative aus Holz. Sie sind schwerer, aber dann die erste Wahl, wenn es beispielsweise darum geht, Vibrationen abzufangen.

Schnell und flexibel

In der Fotografie muss es vielfach schnell zugehen, um den Moment der Momente einzufangen. Dies setzt natürlich voraus, dass ein Stativ schnell auf- und abgebaut ist. Aus diesem Grund sind immer mehr Stative mit sogenannten Schnellspannverschlüssen (Knebel- oder Drehverschlüsse) ausgestattet. Knebelverschlüssen wird nachgesagt, dass sie nach längerer Nutzung gern ausleiern. Als sehr praktisch erweisen sich in der Praxis die Schnellwechselplatten, über die die Kamera ruckzuck vom Stativ entfernt werden kann.

Keine Ausrutscher mehr!

Fast noch problematischer als starke Bodenunebenheiten erweisen sich für die präzise Ausrichtung der Ausrüstung spiegelglatte Böden. Nicht nur, dass manche Stativfüße darauf keinen Halt finden, auch die Gefahr die Parkett- oder Steinböden zu beschädigen, ist nicht unerheblich und kann einen teuer zu stehen kommen. Für solche Gelegenheiten bieten die Stativhersteller spezielle Stativfüße mit Gumminoppen oder Hafttellern an. Praktisch sind aber sogenannte zusammenklappbare Stativspinnen, die sich zur gefahrlosen Aufstellung als Unterlage für das Stativ verwenden lassen. Manche verfügen über Rollen, die Kamerafahrten für Videoaufnahmen ermöglichen. Umgekehrt kann es auch sein, dass der Fotograf ein Ausrutschen seines Stativs, beispielsweise auf einer festen Grasnarbe oder einem Holzsteg, verhindern möchte. In solchen Situationen können Spikes als Füße weiterhelfen. Mit diesen Stahlspitzen lassen sich die Stativbeine sicher auf entsprechendem Untergrund positionieren. Die meisten Hersteller von Stativ-Spikes bieten für Gelegenheiten, bei denen die Stahlspitzen Kratzer verursachen könnten, auch Gummikappen zur Abdeckung der Spitzen an, so dass nicht immer gleich die Füße neu montiert werden müssen.

Outdoor-Fotografen werden genauso häufig mit Situationen konfrontiert sein, in denen der weiche Boden zu schnell nachgibt und die Stativbeine darin einsinken. Das kann beispielsweise beim Waldboden oder am Sandstrand der Fall sein. Bei diesen Gelegenheiten helfen Tellerfüße weiter. Ihre breite Auflagefläche verhindert das Einsinken der Beine in den weichen Boden.

Fotografieren in der Praxis 06 / 2015

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5 Kommentare

Die tatsächliche Qualität liegt nicht im Stoff Carbon selbst, sondern in der Verwebung, der Verklebung und auch in der Anzahl der Lagen. Warum Manfrotto, die diverse Stative auch in China herstellen lassen (Gitzo auch beide gehören der Vitec Group an), so viel besser sein sollen erschließt sich mir nicht. Ich habe rohe Carbonrohe getestet ohne Endverschließung. Mit brachialer Gewalt habe ich diese langsam zum splittern bekommen. Bei dieser übertragenen Energie wäre auch jedes Stativaluminiumrohr längs verbogen gewesen. Es ist eine Mär das Carbonbeine schnell splittern; ich habe in 10 Jahren noch keines gesehen (soll nicht heißen das es das nicht gibt). Aber die Wahrscheinlichkeit ist extrem gering. Manfrotto macht keine guten Stative (nehemn zwar Carbon aber der Gewichtsvorteil relativiert sich schnell da die Verbindungsstücke z. B. zur Stativschulter wieder auch Gussalu sind), Gitzo schon, aber bei denen gibt es schon lange (anscheinend erzählt es denen niemand) ein Prolbem mit der Gummimischung der Beinverschlüsse. Wer aber nicht mehrere Hersteller direkt nebeneinander testen kann, wird diesen Unterschied nicht merken. Das Gummi ist so unangenehm beim verschrauben der Beine, macht man das z. B. mit einem Feisol oder einem Benro oder aber auch Vanguard so merkt man, dass bei diesen es viel angenehmer ist. Nur ein Detail, doch nicht so unwichtig. Aber letztendlich kommt es immer auf den Fotografen selbst an, was er will und wo seine Prioritäten liegen. Die Stative von Sirui sind generell sehr gut (Die Chinesen haben noch ein kleines Problem, der Ausschuss ist noch höher als der von deutschen Herstellern,; gilt für viele Branchen), sie haben aber auch Probleme mit dem Gummi für die Beinumantelung (Griffe) Ansonsten finde ich den Text zu wage und unkronkret, zu allgemein und er erzählt nur einen Teil der Wahrheit. Falsch ist an ihm nichts.

von Christopher Kesting
25. Juni 2015, 22:12:46 Uhr

Hallo Zusammen, ich möchte kurz was zu den Carbon-Materialien sagen. Wenn man sich für Stative eines hochwertigen Herstellers wie z.B. Manfrotto oder Gitzo entscheidet, dann bekommt man 100% Carbon was nicht zersplitter wenn es auf einen spitzen Gegenstand fällt. Aus dem selben Carbon werden Fahrräder gemacht mit denen sich die Profis mit 120 km/h den Berg runter stürzen. Glaubt Ihr, das würden die machen wenn das Carbon splittern würde? Leider gibt es minderwertiges Carbon welches viel von "Billigherstellern" von Stativen verwendet wird. Genau das splitter schnell. Als Vorsicht bei Preiswerten Carbonstativen sonst kauft Ihr zwei mal. Michael Freischem

von Michael Freischem
25. Juni 2015, 10:21:50 Uhr

mit gefallen die Stative von Novoflex. Die haben auch ein gutes Zubehör dazu.

von Tanja
25. Juni 2015, 08:08:32 Uhr

Hallo Herr Hess, bei der Vielfalt an Stativen eines jeden einzelnen Hersteller wäre es aus unserer Sicht nicht legitim, wenn man beispielsweise alle seine Stative ohne Test als durchweg gut und kaufenswert einstufen würde. Es gibt natürlich Premiumhersteller und diese erkennt man am Preis. Die Wahrscheinlichkeit, dass man mit diesen Stativen rundum glücklich ist, ist dementsprechend groß. Ihr Prophoto-Team

von Prophoto-Team
24. Juni 2015, 17:39:37 Uhr

Als Kaufberatung kann mir der Artikel leider nicht dienen, da über keine Marken geschrieben wird. Es ist mehr eine fotografische Situationsbeschreibung, wann man Stative einsetzt. Ich will mir ein neues Stativ kaufen und stehe jetzt vor dem Dilemma, welche Marke? Auskünfte über Stativmarken und deren Bewertung hätten mir weiter geholfen! Klaus Hees

von Klaus Hees
24. Juni 2015, 17:17:17 Uhr

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