Kinderfotografie - Ruhender Fotograf im Gewusel

Robert Mertens, Vor dem Ziel Bildgalerie betrachten

Blende ,“Vor dem Ziel”
Robert Mertens

Sie sind schnell, unberechenbar und voller Witz – die Rede ist von Kindern. In den meisten Szenen des Lebens sind Kinder überaus fotogen, vor allem, wenn sie sich unbeobachtet fühlen. Der Fotograf braucht Ausdauer und den richtigen Standpunkt – es hat etwas vom Fotografieren wild lebender Tiere, möchte man Kinder beim Spielen fotografieren.

Was für den Tierfotografen der Löwe im Zoo ist, ist für den Familienfotografen das Kind, das – „schau mal her und stell dich dort hin“ – eben aufgestellt aussieht und wenig Kindliches hat. Sprösslinge sollte man in Aktion festhalten, um die Lebendigkeit auch in den Aufnahmen zu vermitteln. Nicht jede Aufnahme wird ein Volltreffer sein, doch wer die Serienbildfunktion an seiner Kamera aktiviert, dem entgeht kein Moment.

Wichtigste Regel beim Ablichten von Kindern: Der Fotograf muss auf Augenhöhe mit dem Hauptmotiv sein. Heißt in diesem Fall: runter – mindestens in die Hocke, oft auf die Knie. Denn von oben aufgenommene Kinder wirken meist im Bild viel distanzierter als solche, bei denen der Fotograf waagerecht fotografiert.

Klar im Vorteil ist derjenige, der über ein Zoomobjektiv verfügt, denn damit ist es ein Leichtes, spielende Kinder formatfüllend abzulichten. Der Fotograf kann still auf einem Fleck bleiben und die Szenerie von dort aus beobachten. Zudem bleibt der Fotograf unbemerkt, so dass die Kinder unbeschwert ihrem Spieltrieb nachgehen. Die Distanz ist übrigens gar nicht so entscheidend – auch mittendrin im Geschehen kann der Fotograf quasi als ruhender Pol einfach seinen Platz behalten. Mit Weitwinkel aufgenommene Bilder ziehen den Blick des Betrachters geradezu hinein in die Szene.

Wenn bei Regen im Zimmer gespielt wird oder aber der Sandkasten in der Sonne steht, hilft ein Blitzgerät, um richtig belichtete Bilder zu erhalten. In der Wohnung kann der Blitz an die Decke gerichtet werden – das dadurch entstehende indirekte Licht ist viel angenehmer und weicher als solches vom direkten Anblitzen. Außerdem ist das für die Fotografierten weniger störend, als wenn sie direkt frontal angeblitzt werden. Wer mehr Action im Bild haben möchte, wählt eine längere Belichtungszeit. Das Umgebungslicht sorgt dafür, dass zum scharfen, geblitzten Motiv noch etwas Bewegungsunschärfe kommt.

Auch draußen im Sommer, wenn die Sonne scheint und alles hell ist, leistet ein Blitzgerät wertvolle Dienste. Mit einem Aufsteckblitz lassen sich harte Schatten beseitigen, die Augen sitzen nicht mehr so tief in Höhlen wie normalerweise, wenn die Sonne hoch steht und sie dem Fotografen das Leben schwer macht.

Fotografieren in der Praxis 06 / 2011

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