Kugelpanoramen - Planeten selbst erschaffen

© Fotograf: Martin Schildgen, Der blaue Planet, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Martin Schildgen, Der blaue Planet, Blende-Fotowettbewerb
Kugelpanoramen sind ein echter Blickfang, was sicherlich auch daran liegt, dass sämtliche Blickwinkel, die von einem Standpunkt aus sichtbar sind, in einer Aufnahme wiedergegeben werden. Kugelpanoramen, die eine komplette 360-Grad-Rundumsicht anzeigen können, werden vielfach auch als sphärische Panoramen bezeichnet. Momentaufnahmen können ein Kugelpanorama ebenso ergeben wie Aufnahmen, die über einen gewissen Zeitraum entstanden sind. Verschiedene Techniken kommen in der Kugelpanoramafotografie zum Einsatz. Am weitesten verbreitet ist, mit einer Kamera, die mit einem Fisheye- oder Weitwinkelobjektiv bestückt ist, zu fotografieren. Der Fotograf dreht sich sozusagen im Kreis, hält jede Himmelsrichtung in Einzelbildern fest, die sich zu 20 Prozent überlappen lassen. Dann noch eine Aufnahme in den Himmel und eine andere auf die Erde gerichtet. Ein Stativ mit Nodalpunktadapter garantiert eine optimale Ausrichtung der Kamera. Dieser ermöglicht das Schwenken und Kippen um die perspektivisch relevante Eintrittspupille, so dass Parallaxe zwischen den Einzelbildern vermieden werden kann. Wer über keinen Nodalpunktadapter verfügt und seine Aufnahmen für ein Kugelpanorama aus der Hand herausschießt, muss sich an den Erfolg herantasten, denn etwas Übung ist schon vonnöten. Wichtig ist bei den Aufnahmen aus der Hand, dass man sich um das Frontglas des Objektivs dreht und nicht um die Mittelachse der Kamera. Mittels „Planeten-Software“ können die Einzelaufnahmen zu einem Kugelpanorama zusammengefügt werden. Damit das Kugelpanorama auch als Einheit wirkt, müssen sich die Einzelaufnahmen problemlos „stitchen“ (nähern) lassen. Die Panoramafotografie muss sich nicht nur auf draußen beschränken. Überaus spannend sind auch selbstkreierte „Indoor“-Planeten.

Eine weitere Technik, wie man zu Kugelpanoramen gelangt, ist, mit mehreren Kameras zu arbeiten. Diese werden in verschiedene Richtungen ausgerichtet und gemeinsam ausgelöst. Bei dieser Vorgehensweise kann Parallaxe auftreten, denn es ist unmöglich, alle Aufnahmen mit dergleichen Eintrittspupille zu führen.

Unvollständige Kugelpanoramen können mit sogenannten One-Shot-Systemen ausgeführt werden, bei denen mit einer einzelnen Kamera ein sphärischer oder parabolischer Spiegel fotografiert wird, der seine vollständige Umgebung spiegelt, mit Ausnahme dessen, was direkt hinter ihm ist. Anschließend muss das Bild mathematisch entzerrt werden.

Ein vollständiges, equirectangulares Kugelpanorama erhält man mit einer 360-Grad-Panoramakamera, die mit einem vertikal 180 Grad abbildendem Fisheye ausgerüstet ist.

Fotografieren in der Praxis 10 / 2012

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