Landschaftsfotografie - Immer gut gerüstet

© Fotograf: Siegfried Rath, Der Weg ist das Licht., Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Siegfried Rath, Der Weg ist das Licht., Blende-Fotowettbewerb
Landschaften zählen mit zu den beliebtesten Fotomotiven eines jeden, was sicherlich an der Faszination für die Natur ebenso begründet liegt wie an der Tatsache, dass bereits mit einer überschaubaren Kameraausrüstung beeindruckende Aufnahmen gelingen. Kompakte System- und Spiegelreflexkameras bieten mit der Option des Objektivwechsels natürlich die größte fotografische Bandbreite. Aber auch die sogenannten Bridgekameras – vielfach auch als Superzoomkameras bezeichnet – und Kompaktkameras mit einem ausreichenden Zoombereich sind für Landschaftsaufnahmen bestens geeignet. Für Landschaftsaufnahmen muss man nicht in die Ferne reisen – auch, wenn uns diese mehr reizt als die nähere Umgebung, die wir kennen. Meist sind wir aufgrund des Gewohnten von dieser nicht so beeindruckt, was eigentlich sehr schade ist.

Gut gerüstet zu sein ist die halbe Miete für beeindruckende Landschaftsaufnahmen. Gerade in der kalten Jahreszeit sollte man sich warm und regenfest anziehen – das betrifft nicht nur die Oberbekleidung, sondern auch das Schuhwerk. Bequem und nicht zu schwer sollte die Kleidung sein, die natürlich auch Bewegungsfreiheit garantieren muss. Aus der Praxis weiß jeder, dass man als Fotograf auch ungewöhnliche Positionen einnimmt. Im Winter gilt es natürlich, die Hände zu schützen. Mit dicken Handschuhen ist eine Bedienung der Kamera nahezu unmöglich, weswegen man auf dünnere Modelle, wie zum Beispiel Langlauf-Handschuhe, zurückgreifen sollte, die gut wärmend sind und mit denen sich die Kamera hervorragend bedienen lässt. Sehr praktisch sind Fotografenwesten, die Stauraum für Zubehör bieten und so einen schnellen Zugriff garantieren.

Ist man in einer unbekannten Landschaft unterwegs, ist es ratsam, sich im Vorfeld die entsprechenden Landkarten zu besorgen. Bei einem Maßstab von 1:25.000 geben diese einen wunderbaren Überblick über die Gegend. Immer beliebter ist die Navigation im Gelände über Smartphones, die natürlich auch noch weitere Informationen bereithalten, die für den Landschaftsfotografen von Interesse sein könnten. Wer auf Smartphones setzt, muss auf vollgeladene Akkus achten, denn die Abfrage über die Navogationssoftware verbraucht viel Strom und nichts ist ärgerlicher, als wenn man die Orientierung verliert und sich wie Hänsel oder Gretel fühlt. Wer beim Fotografieren in der Landschaft gerne mal die Zeit vergisst, sollte gerade in der dunklen Jahreszeit auch an eine Taschenlampe oder besser noch eine Stirnlampe, bei der man immer freie Hände hat, denken. Mülltüten, und zwar die etwas größeren, sollte man auch im Gepäck haben. Diese sind sehr praktisch, um sich darauf zu setzen, aber auch um Abfall von der Brotzeit darin zu verstauen.

Die Kameraausrüstung gehört natürlich in eine Fototasche beziehungsweise einen Rucksack. Landschaftsfotografen bevorzugen meist den Fotorucksack, da sich das Gewicht der Ausrüstung auf beide Schultern verteilt und man beide Hände frei hat. Beim Kauf ist auf den Tragekomfort zu achten. Wenn man lange unterwegs ist, muss die Polsterung einfach gut sein, denn nichts ist ärgerlicher, als wenn die Schulter schmerzt, weil die Tragegurte einschneiden. Bei der Anschaffung sollte man sich im Geschäft beraten lassen und die Ausrüstung, die in der Tasche beziehungsweise im Rucksack Platz finden soll, mitnehmen. So kann man nicht nur den Tragekomfort testen, sondern verschätzt sich auch bezüglich der Größe nicht. In die Fototasche gehört, neben Ersatzspeicherkarten, in jedem Fall ein Reinigungsset für die Fotoausrüstung, um beispielsweise Wassertropfen von der Kamera und der Optik zu entfernen.

Stative gelten als die dritte Hand der Fotografen und sind somit eine wichtige Stütze, auf die nicht verzichtet werden sollte. Auch, wenn sie beim Transport mitunter vom Fotografen etwas Muskelkraft abverlangen, sorgen sie beim Fotografieren für Entspannung. Für welches Stativ man sich entscheidet, ist von der Landschaft und dem Untergrund abhängig. Beim Kauf ist darauf zu achten, dass Stativ und Kamera harmonieren, denn nichts ist ärgerlicher, als wenn das Stativ der Last einer Kamera mit Objektiv nicht stand hält. Vom Einbeinstativ – das in der Landschaftsfotografie selten eingesetzt wird – bis zum Vierbeinstativ reicht das Angebot. Die verwendeten Stativmaterialien variieren ebenso wie die möglichen Auszugshöhen. Landschaftsfotografen entscheiden sich meist für leichtere Ausführungen.

Wird mit einer Kamera mit Wechseloptik fotografiert, steht man vor der Frage, welches das beste Objektiv in der Landschaftsfotografie ist. Generell ist man mit einem weitwinkeligen Objektiv gut beraten, für den Anfang reicht sicherlich ein 18-55mm Objektiv. Die Anschaffung eines Ultraweitwinkel lohnt sich in jedem Fall, eröffnet es doch wesentlich größere kreative Möglichkeiten.

Je nach fotografischem Schwerpunkt, sollte man auch an Filter denken. Graufilter, die es in unterschiedlichen Stärken gibt, sind dann ein Muss, wenn beispielsweise fließendes Wasser fotografiert wird. Auch Polarisationsfilter sind bei Landschaftsfotografen sehr beliebt, denn der traditionelle Einsatzbereich liegt im Abdunkeln des blauen Himmels. Diese Aufgabe erfüllen Polarisationsfilter am besten, wenn der Winkel zwischen Objektiv und Sonne 90 Grad beträgt. Beim Einsatz von Weitwinkelobjektiven, die einen großen Bereich des Himmels abbilden, ist jedoch Vorsicht geboten, da der Polarisierungseffekt im Bild unterschiedlich ausfallen kann. Auch die Stärke der Polarisierung sollte mit Fingerspitzengefühl gewählt werden, damit der Himmel in der Aufnahme nicht fast schwarz erscheint. Möchte man die Auswirkungen von Polarisationsfiltern testen, braucht man es nur vor das Auge zu setzen und an einem der beiden Ringe zu drehen. Auf diese Weise erfährt man auch, wie das Filter in unterschiedlichen Situationen arbeitet. Filter sollten mit Bedacht eingesetzt werden, so dass der Bildbetrachter gar nicht merkt, dass mit einem Filter gearbeitet wurde. Polfilter gibt es in unzähligen Ausführungen – sie unterscheiden sich in Farbe, der Menge des geblockten Lichts, des Linsendurchmessers und sogar in der Dicke. Dünnere Polfilter eignen sich übrigens besser für den Einsatz mit Weitwinkeloptiken, da der Vignettierungseffekt dadurch deutlich reduziert werden kann. In den Bergen kommt man als Landschaftsfotograf um das UV-/Skylightfilter nicht herum. Sie beseitigen Dunst und Blaustich durch UV-Strahlen, die Farben werden brillanter, wodurch die Aufnahme schärfer wirkt. Zudem stellen sie einen guten Objektivschutz dar.

Und zu guter Letzt sollte der Landschaftsfotograf auch an das leibliche Wohl denken. Gerade wenn sich die Fototour über einige Stunden erstreckt, ist es nicht förderlich, wenn der Magen knurrt oder man Durst bekommt.

Fotografieren in der Praxis 11 / 2012

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