Landschaftsfotografie - Blaue Stunde

© Blende, Jörg Stiegler, Känguruh in Morgendämmerung Bildgalerie betrachten

© Blende, Jörg Stiegler, Känguruh in Morgendämmerung

Für die Fotografie gibt es unzählige Regeln. Auch, wenn diese sicherlich größtenteils berechtigt sind, so meinen wir, dass sie auch gebrochen werden können und sogar sollten. So war neulich in einer Fachzeitschrift zu lesen, dass man in der Landschaftsfotografie Gegenlicht meiden sollte. Dem können wir nicht zustimmen – entscheidend ist die Intention eines Fotografens. Hinzu kommt, dass man oftmals Begebenheiten vorfindet, die sich nicht ändern lassen. Die Mittagszeit ist beispielsweise nicht optimal, um Landschaften ausdrucksstark abzulichten. Was will man als Fotograf aber machen, wenn man sich zum Beispiel auf einer Rundfahrt befindet? Wichtig ist, aus unserer Sicht, mit den Begebenheiten zu spielen – und dazu gehört sicherlich auch, sich die Features der Kamera zunutze zu machen, seien es die Einflussnahme auf den Weißabgleich, der Einsatz von kamerainternen Filtern, das Spiel mit Zeit und Blende. Hinzu kommt zudem eine gewisse Beweglichkeit als Fotograf. Also auch mal ab in die Hocke, auf den Bauch – einfach ungewöhnliche fotografische Standpunkte einnehmen. Fotografien von Nachwuchsfotografen sind übrigens oftmals so erfrischend, weil sie sich nicht an Regeln – die sie vielfach nicht kennen – halten und mit ungewöhnlichen Standpunkten glänzen. Eine gewisse fotografische Unbekümmertheit ist gut für die Entfaltung der eigenen fotografischen Schaffenskraft. Voraussetzung für überzeugende Aufnahmen sind der Spaß an der Fotografie und der Blick für Motive. Ist man beispielsweise schlecht drauf oder mit den Gedanken ganz woanders, so wird man keinen Blick für Motive haben. Auch ein quengelnder Partner lässt einen Fotografen sich nicht entfalten. Am besten dem Partner auch eine Kamera in die Hand drücken, denn dann registriert er wesentlich mehr Außergewöhnliches und geht nicht achtlos daran vorüber.

Die beste Zeit, dies streiten wir nicht ab, sind für Landschaftsaufnahmen die frühen Morgen- und die nicht so späten Abendstunden. In der Literatur ist vielfach von der „Blauen Stunde“ die Rede. Der Grund dafür liegt in der Lichtfarbe. Wenn die Sonne aufgeht, ändert sich die Beleuchtung, da die Strahlen der tiefstehenden Sonne die Atmosphäre durchdringen. Die Farbe des Lichtes ist wärmer als am Tag, denn die Strahlen legen einen größeren Weg zurück. Da die kälteren blauen Anteile von der Atmosphäre herausgefiltert werden, enthält das Licht einen größeren Anteil an roten und gelben Strahlen. Schatten erscheinen dagegen blau, weil ihnen goldenes Sonnenlicht fehlt und sie das Blau des Himmels reflektieren. Je höher die Sonne am Himmel steht, desto größer wird der Kontrast zwischen den Farben. Am Mittag erreicht dieser Kontrast, insbesondere im Sommer, seinen Höhepunkt. Da das weiße Licht dann keine Färbung aufweist, ergeben sich auch keine Verschiebungen zwischen den Objektfarben. Die Schatten sind schwarz. Mit der untergehenden Sonne beginnt das Licht wieder wärmer zu werden. Das geschieht allerdings so allmählich, dass der Fotograf sein Farbsehen trainieren sollte, um es wahrzunehmen. Ist der Abend klar und bleibt die Sonne bis zum Untergang sichtbar, nehmen die Dinge eine übernatürliche Farbe an. Die Schatten werden länger und erscheinen blau. Die Oberflächenstrukturen werden interessanter.

Ist die Lichtfarbe warm – wie in den Morgen und frühen Abendstunden – so liegt eine einzigartige Stimmung vor, die mitunter sehr romantisch sein kann. Aufgrund der schwachen Lichtverhältnisse ist ein Stativ Pflicht, möchte man die Sensorempfindlichkeit nicht zu sehr nach oben schrauben, was mitunter das Bildrauschen fördert.

Fotografieren in der Praxis 05 / 2013

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