Landschaftsfotografie - Darauf sollte man achten

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Die einen finden sie langweilig, anderen sind fasziniert von ihnen. Die Rede ist von Landschaften, die leidenschaftlich gerne in Fotografien festgehalten werden, um ein Stück gelebte Emotionen einzufangen und mit nach Hause zu nehmen. Gute Landschaftsaufnahmen sind kein Selbstläufer, denn neben der verwendeten Ausrüstung spielen der Standort, die Uhrzeit und die Perspektive eine, wenn nicht sogar die entscheidende Rolle. Bewusst sollte man sich darüber sein, dass die Fototechnik nur Mittel zum Zweck ist, es kommt in erster Linie auf das Auge, die Komposition des Gesehenen und zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein an. Zeit ist natürlich auch entscheidender Faktor – in Hetze, wenn man beispielsweise mit Freunden unterwegs ist, gelingen in den seltensten Fällen gute Landschaftsaufnahmen.

Lichtstimmungen im Tagesverlauf

Der eine oder andere wird sich fragen, warum man tagsüber so selten Landschaftsfotografen antrifft. Die Antwort ist ganz einfach und liegt in der sich verändernden Farbstimmung im Laufe eines Tages begründet. Landschaftsfotografen sind bevorzugt direkt nach Sonnenauf- beziehungsweise kurz vor Sonnenuntergang unterwegs, wenn die Sonne flach ist und man dadurch eine bessere Farbstimmung erhält. Für alle, die nicht glauben können, wie sehr sich die Farbstimmung im Tagesverlauf ändert der Tipp: Kamera auf ein Stativ und in regelmäßigen Abständen von ein und demselben Motiv ein Bild. In den beginnenden Morgen- und Abendstunden sollte zwischen den einzelnen Aufnahmen nicht zu viel Zeit vergehen, denn binnen fünf Minuten erhält man eine ganz andere Farbstimmung. Fotografen sprechen in diesem Zusammenhang auch gerne von der blauen Stunde, die kurze Zeitspanne, in der die Sonne kurz vor dem Auf- beziehungsweise Untergehen ist und ihre Strahlen den Himmel schon oder noch erhellen. Das Licht der blauen Stunde währt zirka 15 bis 30 Minuten und liefert stimmungsvolle Aufnahmen, wenn weder Dunst noch Wolken den Himmel bedecken.

Das Spiel mit der Perspektive

Fotografen geben nicht immer die beste Figur ab, wenn sie damit beschäftigt sind, den optimalen fotografischen Standort zu ermitteln. Die Blicke der anderen müssen einem schlichtweg egal sein, wenn man für sich den optimalen fotografischen Standort ausfindig machen möchte. Gerade für Einsteiger empfiehlt es sich, alle nur denkbaren Positionen einzunehmen – von liegend, kauernd bis stehend, weiter nach rechts oder links beziehungsweise nach vorne oder hinten. Auch das Spiel mit der Frosch- oder Vogelperspektive ist überaus reizvoll und sollte mit einbezogen werden.

Bildausschnitt

Der gewählte Bildausschnitt entscheidet über die Qualität einer Aufnahme. Auch in der Landschaftsfotografie kann es mitunter empfehlenswert sein, einen engen Ausschnitt zu wählen, der ein Gefühl von Nähe bis hin zur Abstraktion des Motivs vermittelt. In der Regel entscheiden sich Landschaftsfotografen bevorzugt für einen weiteren Bildausschnitt. Hier ist es wichtig, mit dem Vorder- und Hintergrund zu spielen und, falls vorhanden, das Hauptmotiv, wie beispielsweise einen Baum, in Beziehung zu seiner Umwelt zu setzen.

Raus aus der Mitte – Bildaufteilung

Die Neigung ist immer groß, bildwichtige Elemente in die Bildmitte zu rücken, in der Annahme, dass sie dann vom Betrachter mehr Aufmerksamkeit erhalten. Das Gegenteil ist der Fall, was daran liegt, dass die Aufnahme wenig spektakulär, ja schon fast langweilig anmutet. Die Devise lautet „Raus aus der Mitte“. Sehr beliebt ist die Drittelregelung. Hier unterteilt man das Bild in 3×3 – also neun gleiche Teile und platziert das bildwichtige Detail auf einem der Schnittpunkte beziehungsweise Kreuzungen.

Schärfe – Wohin damit

Wo die Schärfe bei Landschaftsaufnahmen liegen sollte, kann man nicht allgemeingültig sagen, da dies vom Motiv abhängt. Prinzipiell sollte natürlich das bildwichtige Motiv scharf abgelichtet sein, auch, wenn man dabei möglicherweise Gefahr läuft, dass der Hintergrund etwas weich wird. Anders verhält es sich natürlich, wenn der Vordergrund auch gleichzeitig als Rahmen für das Hauptmotiv genutzt wird und seine Unschärfe quasi Mittel zum Zweck ist. Probieren geht bekanntlich über studieren, und so sollte man mit der Schärfe ebenso spielen wie mit der Perspektive. Dazu ist es natürlich ratsam, mit einem Stativ zu arbeiten, um immer den gleichen Ausschnitt zu erhalten. Das Gute in der Landschaftsfotografie ist, dass die Motive nicht weglaufen und man fast alle Zeit der Welt hat, auch, wenn die blaue Stunde nur von kurzer Dauer ist.

Fotografieren in der Praxis 11 / 2012

1 Kommentare

Ein sehr interessanter Beitrag, werde ich am Sonntagfrüh mal versuchen zu bedenken. Gruß Oli

Oliver

von Oliver
16. November 2012, 20:47:16 Uhr

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