Landschaftsphotographie mit dem Weitwinkelobjektiv

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Weitwinkelobjektive gelten gemeinhin als erste Wahl, wenn es um Landschaftsphotographie geht. Sie kommen der verbreiteten Absicht, möglichst viel aufs Bild zu kriegen, am nächsten. Gerade das aber sorgt beim späteren Betrachten der Aufnahmen mitunter für Enttäuschung. Die Vielfalt der Linien, Formen und Strukturen sowie die große Schärfentiefe im Bild machen es dem Betrachter oft schwer, zu erkennen, was das eigentliche Motiv sein soll und was der Photograph festhalten wollte. Gestaltendes Ordnen ist daher in der Weitwinkelphotographie entscheidend, um die Bildaussage klar und deutlich zu vermitteln.

Man befindet sich bei bestem Licht in traumhafter Landschaft. Seen, Berge, Wald und die weißen Wolken am stahlblauen Himmel ergeben ein Bild vollendeter Harmonie. Genau diesen Eindruck möchte man verständlicherweise im Bild festhalten und greift zum Weitwinkel - denn schließlich soll ja alles rein ins Bild. Der Blick in den Sucher bestätigt: Alles drin! - Klick! Zu Hause am Leuchtpult oder Monitor folgt dann nicht selten die Enttäuschung - konsequente Strafe für unüberlegtes Draufhalten! Je imposanter die Landschaft, je intensiver das Naturerlebnis, umso größer ist die Gefahr, unbewusst und überwältigt von der jeweiligen Situation, alle Regeln der Bildgestaltung über Bord zu werfen. So schön, so eindrucksvoll präsentiert sich die Szenerie, dass man offenbar glaubt, dass daraus zwangsläufig ein gutes Bild wird. Genau das Gegenteil ist leider der Fall.

Tücken des Weitwinkels
Eine tolle Landschaft sorgt also nicht zwangsläufig für tolle Bilder. Um das Staunen in ein zweidimensionales Bild zu wandeln, das andere später die Empfindungen des Photographen im Angesicht der Szenerie auch nur ansatzweise nachvollziehen können, bedarf es überlegter Bildgestaltung. Diese hat gerade bei der Verwendung von Weitwinkelobjektiven durchaus ihre Tücken. Mit Teleobjektiven ist es relativ einfach, Störendes durch die Wahl des Ausschnittes auszublenden oder durch eine offene Blende in Unschärfe verschwimmen zu lassen. Weitwinkelobjektive dagegen erfassen ein sehr großes Bildfeld und damit oft Dinge, die wenig zur eigentlichen Bildaussage beitragen oder schlimmer, vom eigentlichen Motiv ablenken und den Betrachter damit verwirren. Auch das Gestaltungsmittel der selektiven Schärfe ist, sieht man von besonders lichtstarken Ausführungen, wie etwa einem 2/28-mm- oder 1,4/35-mm-Kleinbildobjektiv ab, nicht möglich. Selbst bei Blende 2,8 werden bei Verwendung eines 28-mm-Objektives beziehungsweise entsprechend kürzeren Brennweiten an Digitalkameras, die bei kleinerem Sensor den gleichen Bildwinkel aufzeichnen, Hintergrundstrukturen meist noch so deutlich wiedergegeben, dass sie im Bild für Unruhe sorgen können. Besonders digitale Kompaktkameras liefern bereits bei offener Blende Aufnahmen mit enormer Schärfentiefe.

Aufgeräumte Bilder
Es ist daher unerlässlich, im Bild aufzuräumen. Ein Betrachter sollte spätestens beim zweiten Hinsehen erkennen, was der Photograph abbilden wollte. Nun kann und sollte das „Aufräumen“ nicht im wörtlichen Sinne verstanden werden, indem man etwa mit der sprichwörtlichen „Axt im Walde“ störendes Gehölz beseitigt. Vielmehr ist es erforderlich, das im Sucher erfasste Motiv zu analysieren, gedanklich auf die graphischen Grundelemente, die Linien, Formen und Flächen zu reduzieren. Außerdem gilt es zu bedenken, wie man den Betrachter über die Anordnung der Bildelemente ins Bild hineinführt und über das Gefüge der Linien und Formen Spannung aufbaut. Da sich die Motive selbst meist nicht ohne weiteres in eine gestalterisch ideale Anordnung versetzen lassen, müssen wir uns selbst bewegen und den optimalen Standpunkt buchstäblich erlaufen. Standpunkt und Perspektive gilt es, so lange zu wechseln, bis die optimale Linienführung im Sucher erscheint. Zuweilen genügt es, einen Schritt nach links oder rechts zu gehen oder sich einfach in die Hocke zu begeben. Manchmal aber, in bergigem Gelände etwa, sind solche Positionswechsel schwieriger und es kann auch vorkommen, dass man das im Kopf bereits fertige Bild nicht in eine befriedigende reale Aufnahme übersetzen kann und ist gezwungen, aufzugeben - wenn man sich das ehrlich eingesteht, kann man zumindest Film beziehungsweise Platz auf der Speicherkarte sparen.

Bilder gliedern
Viele gelungene Weitwinkelbilder erzielen ihre Wirkung aufgrund einer klaren Staffelung in Vorder-, Mittel- und Hintergrund. Der Vordergrund wird dabei oft vom Hauptmotiv besetzt, während Mittel- und Hintergrund dem Betrachter wichtige Informationen über die Umgebung des Motivs vermitteln. Solche Aufnahmen können, dank ihres hohen Informationsgehaltes, komplette Geschichten erzählen. Ein ausgezeichnetes Hilfsmittel beim überlegten Bildaufbau ist eine Gittermattscheibe im Sucher der Kamera. Einige digitale Kompaktkameras erlauben es, eine Gitterstruktur im Display anzuzeigen, was den gleichen Zweck erfüllt.
 

Fotografieren in der Praxis 11 / 2007

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1 Kommentare

Aha. Und nun - kommt noch was? Nein ... Die paar Absätze hier geben lediglich Allgemeinplätze wieder. Schade.

von Jens
18. Februar 2014, 19:43:09 Uhr

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