Langzeitbelichtungen - Einzigartige Impressionen

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© Blende, Tommy Rumrich, Am Kai

Überaus reizvoll ist es, den Automatikmodus seiner Kamera zu verlassen und sich zum Beispiel dem Thema Langzeitbelichtungen zu widmen. Sie bringen Aufnahmen hervor, wie wir sie normalerweise nicht mit unseren Augen wahrnehmen. Langzeitbelichtungen führen zu fotografischen Impressionen, die Motive in einem ganz anderen, ja einzigartigen Licht erscheinen lassen. Von Langzeitbelichtungen ist dann die Rede, wenn mit einer Belichtungszeit von mehreren Sekunden fotografiert wird. Nach oben sind quasi keine Grenzen gesetzt. So hat der Fotograf Michael Wesely die Bauarbeiten auf dem Potsdamer Platz auf dem Areal von DaimlerCrysler mit Belichtungszeiten von bis zu 26 Monaten – das ist kein Schreibfehler – dokumentiert. Solche langen Belichtungszeiten setzen natürlich voraus, über mindestens eine zweite Kamera zu verfügen, denn stellen Sie sich einmal vor, Sie könnten Ihre Kamera über zwei Jahre nicht nutzen, weil Sie so eine Langzeitbelichtung machen – unvorstellbar.

Die meisten Langzeitbelichtungen spielen sich im Rahmen von fünf Sekunden bis hin zu mehreren Minuten ab. Bei bewegten Objekten führen Langzeitbelichtungen zu großen Bewegungsunschärfen, die in der Fachwelt auch als Light Painting bezeichnet werden. Personen verschwimmen und im Extremfall können sie auch aus dem Bild herausgezaubert werden – dies nutzen Architekturfotografen sehr gerne. Wer Lichtstreifen zum Beispiel durch die Scheinwerfer von Fahrzeugen ablichten möchte, auch der setzt auf Langzeitbelichtung. Und wir kennen alle die Aufnahmen von Sternen, die beim Einsatz von langen Belichtungszeiten durch die Erddrehung wie Striche beziehungsweise Kreissegmente aussehen.

Langzeitbelichtungen verlangen nach einem Stativ. Je nach Kameramodell wählt man das Belichtungsprogramm B (steht für Bulb und bezeichnet einen kleinen Blasebalg, der in der Frühzeit der Fotografie zur Auslösung des Verschlusses verwendet wurde) oder das manuelle Programm M. Dort befindet sich nach der längsten fest einstellbaren Zeit von meist 30 Sekunden noch Bulb. Hat man diesen Modus gewählt, so bleibt der Verschluss so lange geöffnet, wie der Auslöser gedrückt bleibt. Empfehlenswert ist ein Kabelauslöser, dessen Auslöseknopf man arretieren kann, denn je länger man den Auslöseknopf mit dem Finger gedrückt hält, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, die Aufnahme trotz Stativ zu verwackeln. Wird mit einer Spiegelreflexkamera fotografiert, so sollte man bei Langzeitbelichtungen den Spiegel vorauslösen, da es ansonsten durch den Spiegelschlag zu Unschärfen kommen kann. Dies ist besonders dann der Fall, wenn längere Belichtungszeiten mit längeren Brennweiten kombiniert werden. Da man bei hochgeklapptem Spiegel nichts mehr im Sucher sieht und auch der Autofokus nicht mehr funktioniert, ist die Spiegelvorauslösung nur dann praktisch, wenn statische Motive fotografiert werden. Eine sehr praktische Alternative ist der Live-View-Betrieb, bei dem der Spiegel oben bleibt, um beispielsweise in der Tierfotografie Geräusche zu vermeiden. Auf einen schnellen Autofokus muss man allerdings verzichten, da dieser einen heruntergeklappten Spiegel voraussetzt.

Fotografieren in der Praxis 11 / 2012

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