Luftbildfotografie - Christjan Ladurner, ein Erfahrungsbericht

Dolomitenkalender, Bildautor Christjan Ladurner
Christjan Ladurner hat sich als Luftbildfotograf schon sehr früh und sehr intensiv mit Panoramaaufnahmen befasst. Die ersten Schritte bewiesen sich relativ schwierig; ich habe damals mit einer Mittelformatkamera mit rotierendem Weitwinkelobjektiv gearbeitet. Der Weitwinkelblick und der lange Bildhorizont waren eine Herausforderung. Ich musste erst lernen, ein paar Dinge gleichzeitig zu tun; durch den Sucher schauen, die Kamera parallel zum Horizont halten und vor allem nicht nach oben oder unten neigen. Der Pilot musste dann sehr langsam Geschwindigkeit zurücknehmen, um die Maschine nicht anzustellen. Mit der Zeit bekam ich ein Gefühl dafür, wann der Heli gerade ausgerichtet schwebte, wobei wir wegen der relativ hohen Vibrationen selten im Schwebeflug arbeiteten.

Dolomitenkalender, Bildautor Christjan Ladurner
Mein erster großer Auftrag mit Panoramaaufnahmen war eine Videoprojektion für die Firma Thun in Bozen. Das Thuniversum, in dem eine 360 Grad Projektion der Dolomiten gezeigt wird, erfreut sich nach 10 Jahren immer noch großer Beliebtheit. Es war mein erstes Projekt, für das ich drei 130 Grad Mittelformatdias zu einem 360-Grad-Bild zusammensetzte. Ich musste damals sehr genau arbeiten, wobei der Pilot einen ziemlich großen „Brocken“ der Arbeit erledigte, da er die Maschine nahe an den Felswänden im Schwebeflug auf gleicher Höhe halten und gleichzeitig um die eigene Achse drehen musste.

Später habe ich eine 360-Grad-Kamera der Firma Roundshot angekauft (immer noch mit Diafilm) und wir haben die Kamera mit einem Tau am Lasthaken des Helikopters befestigt und fernausgelöst. Unscharfe Bilder waren ein frustrierendes Ergebnis; so lange bis wir die Kamera mit zwei Kreiselstabilisatoren versahen.

Dolomitenkalender, Bildautor Christjan Ladurner
Heute sieht die Sache ganz anders aus; ich arbeite inzwischen mit einer leichten Nikon, die Bilder mit 35 Millionen Pixel liefert. Die Objektive sind extrem lichtstark und zudem mit einem Bildstabilisator versehen. Außerdem garantiert diese Kamera auch noch mit hohen ISO-Zahlen sehr gute Bilder. Die Panoramatechnik haben wir über die Jahre hinweg verfeinert. Heute wird eine 360-Grad-Aufnahme im perfekten Zusammenspiel Fotograf – Pilot erstellt und später am Rechner zusammengesetzt. Leistungsstarke Programme erleichtern dabei die Endarbeit und liefern ausgezeichnete Ergebnisse. Trotzdem ist es nach wie vor wichtig, gutes Ausgangsmaterial zu erstellen. Die Belichtung muss bei einer Panorama-, aber vor allem bei einer 360-Grad-Aufnahme perfekt stimmen, die Maschine muss schweben können und waagrecht in der Luft „liegen“, die Drehung um die Mittelachse sollte möglichst konstant sein, ein zusätzlicher Bildstabilisator garantiert ein scharfes Bild.

Dolomitenkalender, Bildautor Christjan Ladurner
Während der Arbeit muss sich der Fotograf voll und ganz auf den Horizont und den Bildausschnitt konzentrieren. Ein Normalobjektiv liefert Bilder, die kaum verzerrt sind, was beim Zusammenrechnen der Bilder zu weitaus besseren Ergebnissen führt. Da man im Hochformat fotografiert, braucht man aber wesentlich mehr Bilder, was die ganze Sache nicht unbedingt vereinfacht. Alles in allem ist bei der Luftbildfotografie nicht nur die richtige Ausrüstung ausschlaggebend, sondern eine langjährige Erfahrung und ein perfektes Zusammenspiel zwischen dem Fotografen und seinem Piloten.

Starkalender.de war begeistert von den Luftbildaufnahmen von Christjan Ladurner – so begeistert, dass ein Kalender aufgelegt wurde. Weitere Informationen unter: http://www.starkalender.de/blog/luftbildfotografie-gastbeitrag-von-christjan-ladurner.

Fotografieren in der Praxis 12 / 2013

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden