Makrofotografie und Umkehrringe

Reimund Zastrow, Grün Bildgalerie betrachten

Blende ,“Grün”
Reimund Zastrow

Umkehrringe kommen dann zum Einsatz, wenn Objektive in umgekehrter Position an die Kamera - also mit der Frontlinse zum Sensor/Film und mit der Rücklinse zum Motiv - angesetzt werden. Auf diese Weise gelingt es, je nach Brennweite und Auflagemaß der Kamera (Abstand zwischen Kamerabajonett und Sensor-/Filmebene), verschiedene Abbildungsmaßstäbe zu erreichen. Je kürzer die Brennweite eines Objektivs ist, desto größer ist der Abbildungsmaßstab und desto kleiner ist der Abstand zwischen der hinteren Linse und dem Motiv. Mit einem Standardzoom und 18 mm Brennweite erreicht man so einen Abbildungsmaßstab von zirka 4:1.

Auch, wenn mithilfe von Umkehrringen Normalobjektive für Makroaufnahmen genutzt werden können, so liefern Makroobjektive deutlich bessere Bildergebnisse und das bei einfacherer Handhabung für den Fotografen. So ist es beim Einsatz von Umkehrringen nicht möglich, mittels des Entfernungsrings am Objektiv zu fokussieren, da sich der Abstand zwischen Frontlinse - dem Sensor/Film zugewandt - und Sensorebene nicht verstellen lässt. Aus diesem Grund muss die Entfernungseinstellung auf unendlich eingestellt werden, damit die Hinterlinse - jetzt Richtung Motiv zugewandt - möglichst weit ausgefahren ist. Der Fotograf kann, wenn er mit einer Festbrennweite arbeitet, nur durch das Vor- und Zurückbewegen der Kamera fokussieren. Auch die Belichtungsmessung und die Blendeneinstellung sind mit einem Umkehrring beschränkt. Durch das Fehlen jeglicher elektrischer oder mechanischer Kopplung zwischen Objektiv und Kamera, funktioniert weder die automatische Belichtungsmessung noch die Einstellung der Blende durch die Kamera. Die Blendeneinstellung muss also manuell am Objektiv erfolgen. Kommen ältere Objektive, die einen Blendenring besitzen zum Einsatz, so ist dies kein Problem. Bei aktuellen Objektiven ohne Blendenring ist gibt es hingegen keine einfache Möglichkeit, die Blende in Umkehrstellung des Objektivs zu verändern. Dies schränkt den Einsatz dieser Objektive in Umkehrstellung enorm ein, da nur mit größtem Blendenwert gearbeitet werden kann.

Viele Objektivhersteller raten aber noch aus viel wichtigerem Grund von Umkehrringen ab. Die Rücklinse eines Objektivs ist gegen Kratzer sehr empfindlich. Zudem befinden sich am bajonettseitigen Teil des Objektivs in der Regel keine Abdichtungen gegen Staub. Dieser kann so zwischen Hinterlinse und Tubus eindringen. Zudem können empfindliche Kontakte am Objektiv Schaden erleiden.
 

Fotografieren in der Praxis 03 / 2009

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1 Kommentare

Gegen das Verkratzen der Rücklinse eignen sich doch Protection-Ringe mit Filter

von smittie
08. August 2012, 20:15:45 Uhr

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