Mein Haustier natürlich in Bewegung fotografieren

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Hund, Katze oder auch den eigenen Wellensittich gekonnt in Szene zu setzen scheint relativ einfach, wenn das Tier geduldig im Ruhezustand innehält. Kniffliger wird es jedoch, wenn das Foto-Objekt der Begierde in Bewegung geknipst oder gefilmt werden soll. Denn schöne Tieraufnahmen zu erstellen hört sich leichter an als getan. Um seinen Liebling richtig in Action zu fotografieren und zu filmen, bedarf es einiger Tipps und Tricks, die gewisse Anforderungen an die passende Belichtung, Belichtungszeit, Blende, ISO, Schärfe und Brennweite, und letztlich auch an die geeignete Hardware stellen.

Nicht am falschen Ende sparen

A und O jeder scharfen Aufnahme von sich bewegenden Objekten – wie etwa einem geliebten Vierbeiner – ist eine kurze Verschlusszeit. Sie ist der Schlüssel zu scharfen, ausreichend fokussierten Aufnahmen, denen eher hochwertige Geräte gewachsen sind, die schnelle Bildfolgen ermöglichen. Um schnelle Bewegungen von Tieren atmosphärisch und gleichzeitig natürlich einfangen zu können, sollten hohe Anforderungen an eine Einstellbarkeit von Verschlusszeiten, Blende und ISO gelegt werden, sowie der Autofocus schnell justierbar sein. Um rasche Bewegungen gekonnt einzufangen, sollte die Sensorempfindlichkeit (ISO) so hoch wie nötig eingestellt werden können.

Demgegenüber resultiert ein Verkürzen der Verschlusszeit mitunter in einem Verlust von Kontrast-Schärfe. Damit einhergehen kann, dass eine detailgetreue Abbildung des Objekts zu Gunsten einer einsetzenden Auflösung der Ränder verschwimmt und es zu einem Aufweichen der kontrastiven Gegensätze kommt. In der sorgsamen Abwägung zwischen beiden Extremen liegt der Königsweg, der zwar immer eine Kompromiss-Lösung darstellt, andererseits ein Mindestmaß an technischer Flexibilität durch ausreichend vorhandene Einstell- und Justiermöglichkeiten voraussetzt.

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Allerdings: Eine ganze Reihe von mittlerweile im App-Store erhältlichen Mobile-Apps für iOS und Android machen eine nachträgliche Bildbearbeitung selbst für ungeübtere Hobby-Fotografen praktikabel, wobei sich ihre Handhabung mittlerweile als bedienerfreundlich bis kinderleicht erweist und dennoch professionelle Effekte im Nachhinein erzielt werden können. Mit ihrer Hilfe kann mitunter ein Smartphone mit hochwertiger Kamera in heutiger Zeit schon ausreichen, um gelungene Aufnahmen zu erstellen.

Den Fokuspunkt korrekt setzen

Hochwertigere und tendenziell höherpreisige Kameras kommen den Fotowünschen durch einen kontinuierlichen Autofokus eher entgegen, da sich dieser präzise in annähernder Vorgehensweise auf den Gesichts- und Augenbereich des Tieres einstellen lässt.

Ein niedrig justierter Blenden-Wert (z.B. 4) lässt die Objektumrisse gekonnt von Umgebung und Hintergrund abheben. Zusammen mit einer ISO-Einstellung von 200 wird geheimhin eine Verschlusszeit von einer eintausendstel Sekunde als gängige Empfehlung gehandelt.

Gerade wenn die Bewegung eines Tieres geradezu eingefroren werden soll, sollte die Szenerie drum herum verschwimmen, wofür gerade eine kleine Blendenzahl von Vorteil ist. Das Tier ist der Mittelpunkt der Aufnahme, alle nebensächlichen Elemente sollten im Hintergrund nahezu verschwinden oder gar eliminiert sein. Falls doch gewünscht, sollten die Objekte thematisch zum Szenario passen, sich unterordnen und allenfalls ergänzenden Charakter zum „Hauptdarsteller Tier“ haben.

Die richtige Einstellung

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Das Einfrieren von Bewegungen verlangt nach Verschlusszeiten, die sich in einem Rahmen ab etwa einer fünfhundertstel Sekunde bewegen – mit Tendenz zu noch etwas kürzeren Zeiten, je nach gewählter Blende und dem jeweiligen Lichtangebot. Einhergehend mit verkürzten Verschlusszeiten bietet sich eine leichte Anhebung der ISO an, eine Verdopplung resultiert in einer Halbierung der Verschlusszeit.

Parallel hierzu sollte sich die Serienbildfunktion wenigstens in einem Bereich etwa zwischen fünf und sieben Fotos in der Sekunde bewegen. Der Einsatz von Kreuzsensoren gilt unter Profis als Tipp, wenn es darum geht, Objekte in Bewegung ideal festzuhalten. Aus der Kombination zweier Autofokus-Sensoren für ein Messfeld entwickelt, liegt ihr unschätzbarer Vorteil darin, dass sowohl mittels eines vertikalem als auch horizontalem Sensors auf waagerechte wie auch auf senkrechte Objektstrukturen scharfgestellt werden kann.

Generell gilt dabei: Je höherwertiger die Kamera, desto mehr Kreuzsensoren stehen zur Verfügung, die in einer größeren Anzahl von AF-Messfeldern mit Liniensensoren kombiniert sind. Im Gegensatz zu Liniensensoren, die nur ein Scharfstellen von senkrecht zum Sensor positionierten Objekten ermöglichen, erlauben Kreuzsensoren eine Fokussierung von horizontalen und vertikalen Strukturen.

Dazu sollte

  • die Schärfentiefe gering
  • die Verschlusszeit kurz
  • der Teleobjektiv-Blickwinkel eng
    gehalten sein, um einerseits die Bewegung des Tieres in der Aufnahme optimal einzufrieren, andererseits etwa mit Hilfe von 200 Millimeter-Objektiven das Objekt selbst in hinreichender Größe unter weitgehender Ausblendung der Umgebung im Fokus zu haben.

Alles eine Frage der Perspektive

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Neben der Frage nach technischer Ausstattung und einer auf das Bewegungsszenario abgestimmten, passenden Geräte-Einstellung ist die Frage nach perspektivischen Gesichtspunkten nicht weniger wichtig, um Hund oder Katze gekonnt in Szene zu setzen.

Gerade diejenigen Aufnahmen beeindrucken, die

  • in Augenhöhe mit dem Tier,
  • aus schräger Perspektive von unten,
  • mit dem Licht und
  • bei optimaler Ausleuchtung erstellt werden.

Beim Filmen gehört ein Ein- oder Dreibeinstativ mit stabilem Stativkopf zur Grundausrüstung, um Verwackeln zu vermeiden und ruckfreie Schwenks durchführen zu können. Alternativ können bereits auch schon ein breitbeiniger Stand sowie ein Drehen im Weitwinkelbereich mit kurzer Brennweite während dem Shooting hilfreich sein.

Vorab empfiehlt sich das Erstellen eines Scripts quasi als Drehbuch, in dem

- die Bewegungsrichtung des Tieres – Start- und Zielpunkt – die Kameraposition – die Anzahl der geplanten Schwenks wie auch – die Einstellungsgrößen

festgelegt werden.

Gekonnte Dramaturgie

Gerade bei Hunden lassen sich die gewünschten Bewegungsabläufe im Vorfeld besonders leicht trainieren, indem diese öfters etwa durch Stöckchen-Werfen wiederholt und einstudiert werden. Dabei kann die zu filmende Strecke bereits abgesteckt und die Kamera-Einstellung auf die zu erwartenden Lichtverhältnisse hin vorab justiert werden.

Damit sich das Tier dann bei der Aufnahme auch tatsächlich daran hält, kann eine zweite Person miteingebunden werden, die am Zielpunkt der geplanten Laufstrecke das Tier mit Gesten oder Belohnungen anlockt.

Bei der Aufnahme selbst sind eine ruhige Abfolge der einzelnen Takes, langsame Schwenks ohne Verwackeln, dramaturgische Einbeziehung des Umfeldes und weitgehender Verzicht auf Zoom-Einstellungen erste Kriterien für einen möglichst professionell wirkenden Film.

Übrigens: Hund oder Katze dürfen während der Aufnahme ruhig auch einmal aus dem Film verschwinden und nach gewisser Zeit wiederauftauchen. Ständiges Fokussieren auf das Tier wirkt nämlich eher unnatürlich und mit der Zeit eintönig.

Fotografieren in der Praxis 06 / 2017

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