Nachfotografie - Sternenbahnen

© Fotograf: Jonas Piontek, Sternenwirbel, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Jonas Piontek, Sternenwirbel, Blende-Fotowettbewerb
Sterne üben eine große Faszination auf uns Menschen aus. Astronomisch gesehen ist ein Stern eine massereiche, selbstleuchtende Glaskugel, die durch ihre eigene Schwerkraft zusammengehalten wird und die an der Oberfläche 3.000 bis 20.000 Grad heiß ist. Die Leuchtkräfte, die ebenso variieren wie das Gewicht und die Farben, sind es, die Sterne fotografisch so interessant machen. Die Leuchtkräfte von Sternen sind umso imposanter, je dunkler die Umgebung ist, was bei Halbmond gewährleistet ist. Fotografen sollten aber nicht nur den Vollmond meiden, sondern sozusagen auch das Weite suchen und Städte – auch wegen ihrer Dunstglocken – sowie andere beleuchtete Orte wie Flughäfen meiden, wenn sie Sterne überzeugend ablichten wollen. Einen wahrer Trend ist es, Sternenbahnen zu fotografieren – mit bloßem Auge sind diese nicht sichtbar. Die Fotografie kann hier aufdecken, was dem Auge sonst verborgen bleibt und zwar die Erdrotation, durch die Sterne quasi an Fahrt aufnehmen. Je nach Positionierung der Kamera können die Sternenbahnen gerade oder gekrümmt sein. Letzteres nimmt umso mehr zu, je mehr man seine Kamera auf den Himmelspol ausrichtet – dieser ist ungefähr markiert durch den Polarstern.

Voraussetzung für überzeugende Sternaufnahmen ist eine Spiegelreflex- beziehungsweise kompakte Systemkamera sowie ein stabiles Stativ und ein Fernauslöser – schon kleinste Wackler führen zu unbrauchbaren Aufnahmen. Ist es das Fotografenanliegen, Sternenbahnen imposant abzulichten, so empfiehlt sich ein Weitwinkelobjektiv, denn mit diesem lässt sich ein breiter Horizont ablichten. Auch hinsichtlich der Schärfentiefe ist die Weitwinkeloptik die erste Wahl, um auch den Vordergrund scharf eingefangen zu bekommen, was die Aufnahme deutlich interessanter macht.

© Fotograf: Andreas Winkler, Startrail, Photoglobus
© Fotograf: Andreas Winkler, Startrail, Photoglobus
Analogfotografen, die jetzt mit digitalen Aufnahmesystemen fotografieren, müssen beim Fotografieren von Sternenbahnen umdenken. Aber der Reihe nach. Wird analog fotografiert, so wird die Sternenbahn in einer Aufnahme verankert, indem eine extrem lange Belichtungszeit von einer halben Stunde und mehr bei kleiner Blende gewählt wird. Diese Vorgehensweise ist für digitale Aufnahmesysteme nicht empfehlenswert, denn die meisten Aufnahmen sind oftmals nicht zu gebrauchen. Für Digitalfotografen empfiehlt sich eine Aufnahmenserie von hundert und mehr Aufnahmen mit kürzester Belichtungszeit die dann mithilfe von Software zu einem Bild vereint werden.

Auf die Speicherkarte sollten also wenigstens 100 Aufnahmen passen. Auch, wenn RAW-Aufnahmen deutlich mehr Speicherplatz benötigen, so sollte in diesem Format fotografiert werden, da es die bestmöglichste Qualität und das geringste Bildrauschen garantiert. Entscheidet man sich für das JPEG-Format, so ist die bestmöglichste Qualität zu wählen. Der Weißabgleich sollte auf Tageslicht eingestellt sein. Empfehlenswert ist, bei ISO 800 und einer Blende von f/5,6, eine Belichtungszeit von 30 Sekunden zu wählen.

Die Nacht muss der Fotograf nicht unbedingt zum Tage machen. Zirka eine Stunde liefert schon genügend brauchbare Aufnahmen, die anschließend am PC zu einer Sternenbahnaufnahme zusammengefügt werden können. Soll der Teppich von Sternspuren dichter ausfallen, so muss die Aufnahmezeit entsprechend verlängert werden. Als Aufnahmeart empfehlen sich die Kameraeinstellung „Kontinuierlich“ und „Lock on“ beim Fernauslöser. Die Belichtungszeit der Einzelaufnahmen sollte bei 30 Sekunden liegen.

Der Fotograf hat zwei Optionen des Bildaufbaus. So können Sternenbahnen für sich isoliert stehen oder aber in Kombination mit einem Vordergrundmotiv, wodurch dieses sehr mystisch erscheinen kann. Damit der Autofokus nicht immer nach seinem Schärfenpunkt sucht, sollte die Einstellung „MF“ gewählt werden. Der LieveView-Modus unterstützt den Fotografen bei der richtigen Fokussierung. Empfehlenswert sind zwei, drei optimal ausgeleuchtete Aufnahmen vom Vordergrund, die dann mittels Software mit den Einzelaufnahmen der Sterne kombiniert ein tolles Gesamtkunstwerk ergeben.

Fotografieren in der Praxis 03 / 2013

2 Kommentare

Danke für den Tipp. Das werde ich demnächst gleich mal ausprobieren. :) Kannst du mir vielleicht auch sagen mit welcher Software ich die Bilder am besten zusammenbaue? Danke schonmal :)

Sebastian

von Sebastian
24. März 2013, 11:30:56 Uhr

Hinzuzufügen bleibt nur noch die Nachbearbeitung. Es gibt spezielle Software, so etwa startrails.de, alternativ hat jedes moderne Bildbearbeitungsprogramm die nötigen Funktionen. Alle Bilder als Schichten laden und Blendmode zu "lighten" setzten. Was auch noch zu erwähnen ist, dass man jegliche Art von In-Kamera Rauschreduzierung deaktivieren sollte. Dies führt zu unregelmäßigen Bahnen und teilweise Lücken. Ich persönlich bin allerdings mehr ein Fan von kurzen Bahnen - nicht nur weil die Wartezeit kürzer ist, sondern auch weil die Bahnen auch zu dominant werden können. Wer mal rein gucken möchte, ich habe ein paar meiner hier: http://flic.kr/s/aHsjDNH2BB

Simon D

von Simon D
23. März 2013, 20:48:34 Uhr

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