Licht in Farbe - Nachtaufnahmen

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Moritz Maler

Licht ist in unserer modernen Gesellschaft überall anzutreffen, auch wenn die Sonne längst untergegangen ist. Die Plätze sind rar geworden, an denen es nachts noch richtig dunkel ist. Licht transportiert Stimmungen und Farben durch die Nacht. Mit ein wenig Wissen um die Photographie lassen sich diese Stimmungen im Bild einfangen.

Größte Schwierigkeit des Photographierens bei Nacht ist das fehlende Licht. Denn Straßenlaternen, Leuchtreklamen, ja selbst Scheinwerfer entwickeln längst nicht so eine starke Leuchtkraft wie die Sonne am Tag - wenn es sich nicht gerade um ein Flutlicht handelt. Erster Schritt zu mehr Licht auf dem Photo ist deshalb ein hochempfindlicher Film beziehungsweise eine höhere ISO-Einstellung an der Kamera. Aktuelle Digitalkameras liefern auch bei hohen Empfindlichkeiten rauscharme Bilder, Kompakt- und Bridgekameras bieten oft spezielle Nachtaufnahme-Modi, mit denen die Kamera auf die entsprechenden Einstellungen für Langzeitbelichtungen gesetzt wird.

Ein Stativ bietet auch bei schwierigsten Lichtverhältnissen zuverlässigen und wackelfreien Stand. Voraussetzung ist allerdings, dass das Stativ stabil genug ist. Dreibein-Konstruktionen aus Kohlefaser beispielsweise bieten dem Photographen maximale Stabilität bei gleichzeitig niedrigem Gewicht. Da die meisten Photomotive nicht direkt am Parkplatz zu finden sind, ist ein leichtes Stativ oft eine lohnende Investition.

Gerade bei bewegten Objekten oder immer dann, wenn ein Stativ hinderlich ist, beispielsweise beim Photographieren aus Menschenmassen heraus, auf Bahnsteigen oder stark frequentierten Gehsteigen, kann sich durchaus auch ein Schuss aus der Hand lohnen. Ein lichtstarkes Objektiv mit großer Anfangsöffnung (1:1,4 oder 1:1,8) hilft in diesem Fall, eine kürzere Verschlusszeit zu erreichen und dadurch weniger zu verwackeln. Mit einem Weitwinkelobjektiv sinkt die Verwacklungsgefahr weiter. Es kann sich also lohnen, noch ein paar Schritte näher an das Objekt heranzugehen. Als Grundregel gilt, dass der Wert eins geteilt durch die Brennweite in Millimeter noch aus der Hand gehalten werden kann. Bei 50 mm Brennweite also 1/50 Sekunde.

Bei längeren Brennweiten und als zusätzliche Reserve ist ein Bewegungsstabilisator eine sichere Bank. Egal, ob im Objektiv oder im Kameragehäuse verbaut, erlaubt ein Stabilisator längere Verschlusszeiten, indem er leichte Verwacklungen ausgleicht. Ein Bildstabilisator wird oft auch tagsüber bei Teleaufnahmen genutzt, denn auch dabei droht ein Verwackeln des Bildes - bedingt durch die lange Brennweite.

Eine kleine Wissenschaft für sich ist das korrekte Einstellen des Weißabgleichs an der Kamera. Von Vorteil ist es, an der Digitalkamera - sofern diese darüber verfügt -zunächst im RAW-Modus zu photographieren und dann den Weißpunkt erst bei der Bearbeitung zu setzen. RAW bietet auch den Vorteil, dass kleinere Belichtungskorrekturen auch noch im Nachhinein vorgenommen werden können. Wer RAW-Aufnahmen macht, braucht einiges mehr an Speicherplatz und sollte an ausreichend Speicherkarten denken.

Kunstlicht ist in der Regel wärmer als Tageslicht, hat also weniger Grad Kelvin. An Digitalkameras kann entsprechend die Weißbalance gesetzt werden, zum Beispiel für Aufnahmen bei Halogenlicht (Tungsten). Wer auf Film photographiert, greift zum Kunstlichtfilm oder zum entsprechenden Blaufilter. Soll die warme Stimmung erhalten bleiben, belässt der Photograph es einfach bei der Einstellung für Tageslicht oder wählt eine mittlere Farbtemperatur. Auch bei farbigen Lichtern ist es oft ratsam bei der Tages-Farbtemperatur zu bleiben, da die Farben sonst ins Blaue kippen können. Auf einem Display lässt sich meist zumindest abschätzen, wie die einzelnen Einstellungen auf die Farbe des Lichts wirken.
 

Fotografieren in der Praxis 11 / 2008

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