Nachtfotografie - Ausrüstung & Kameraeinstellungen

Das Sprichwort „Nachts sind alle Katzen grau“ trifft auf die Nachtfotografie, die überaus reizvoll ist, wahrlich nicht zu. Wer dieses fotografische Sujet einmal für sich entdeckt hat, der wird so schnell nicht mehr davon loskommen. Motive, die tagsüber langweilig und mitunter trist erscheinen, gewinnen in der Nacht bei entsprechender Ausleuchtung.

Ausrüstung

© Fotograf: Michael-Scharfenberg, NightDrive, Photoglobus
© Fotograf: Michael-Scharfenberg, NightDrive, Photoglobus
Bedingung für überzeugende Nachtaufnahmen ist neben einer Kamera – Spiegelreflex- und kompakte Systemkameras garantieren den größten fotografischen Spielraum – ein standfestes Dreibeinstativ, ein Kabel-/Fernauslöser – der wesentlich besser ist als der Selbstauslöser – sowie bei sehr schwachen Lichtbedingungen eine zusätzliche Taschen-/Stirnlampe, mit der man die Kameraeinstellungen wesentlich besser im Blick hat. Ist man beispielsweise auf Landstraßen unterwegs, weil man die Lichtspuren von nächtlich vorbeifahrenden Fahrzeugen einfangen möchte, so ist eine Warnweste Pflicht. Ersatzakkus gehören wie genügend Speicherkarten in die Fototasche beziehungsweise in den Fotorucksack. Wird mit Fernauslöser fotografiert, sollte man auch für diesen die Ersatzbatterien nicht vergessen. Gerade bei langen Belichtungen beanspruchen sie einfach mehr Strom. Auch, wenn es dunkel und mit Sonne wahrlich nicht zu rechnen ist, sollte man die Sonnenblende einpacken. Sie vermeidet den Einfall von Streulicht. Sofern man darüber verfügt, sollte man den Aufsteckblitz ebenso im Gepäck haben. Mit diesem lassen sich Motive, die sich im Vordergrund befinden, wirkungsvoll aufhellen. Besitzer von Kameras mit Wechseloptik sind mit einem Weitwinkel- und/oder leichten Teleobjektiv gut beraten. Ersteres kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn ein weiter Bildwinkel, wie bei einer Übersichtsaufnahme, von einer hell erleuchteten Stadt gewünscht sind.

Kameraeinstellungen

Je nach Kamera kann der Fotograf die Einstellungen manuell vornehmen oder auch das Menüprogramm „Nacht“ wählen. Letzteres empfiehlt sich gerade für Einsteiger, denn sie müssen sich über irgendwelche Einstellungen keine Gedanken machen. Profis meiden übrigens oftmals Menüprogramme, da ihnen der Einfluss der Kamera oftmals zu weit geht. Welchen Weg man bestreitet, muss jeder für sich bestimmen und oftmals gibt das fotografische Experiment, also das Spiel mit den Möglichkeiten der Kamera, die Richtung an. Wichtig für überzeugende Nachtaufnahmen sind nicht nur der Blick für mögliche Motive, sondern auch Zeit, was nicht nur in der längeren Belichtungszeit begründet liegt.

© Fotograf: Klaus Weser, Vollmond, Photoglobus
© Fotograf: Klaus Weser, Vollmond, Photoglobus
Um die Rauschgefahr zu minimieren, sollte die ISO-Einstellung nach Möglichkeit nicht über 800 liegen. Ein Test im Vorfeld gibt übrigens Aufschluss, ab welcher ISO-Einstellung das Rauschverhalten der Kamera inakzeptabel wird. Es gibt aktuelle Kameras, die selbst bei ISO höher als 800 kein Bildrauschen aufzeigen. Auch, wenn dem so ist, so sollte man sich dennoch für einen niedrigeren ISO-Wert von 200 oder 400 entscheiden, denn mit jeder ISO-Erhöhung sinkt die Dynamik. Dies hat zur Folge, dass die Aufnahmen flau wirken – und wer will das schon.

A und O ist auch, in der Nachtfotografie die Belichtung im Griff zu haben. Je nach Kamera stehen dem Verbraucher unterschiedliche Optionen der Belichtungsmessung zur Verfügung. Im Vorfeld ist es ratsam, sich mit diesen vertraut zu machen, denn nur so verlässt man auch die „Vollautomatik“, die nicht immer weiß, was für den Fotografen das Wichtige ist.

Gängig bei allen aktuellen Kameras ist für die Ermittlung der optimalen Belichtung die Objektmessung, auch als TTL-Messung (TTL= Through The Lens) bezeichnet. Die Kamera erfasst das Licht, das vom Objekt reflektiert wird. Je nach Kameramodell stehen dem Fotografen grundsätzlich drei verschiedene Messarten mit der Integral, Mehrfeld- oder Matrix- sowie der Spotmessung zur Verfügung.

Bei der Integralmessung setzt sich der Belichtungswert aus einer Vielzahl von Messpunkten zusammen, die gleichmäßig über das Bildfeld verteilt sind. Der Belichtungsmesser in der Kamera ist auf ein mittleres Grau abgestimmt, das genau 18 Prozent des einfallenden Lichtes reflektiert. Die Integralmessung empfiehlt sich für Motive ohne große Hell-Dunkel-Unterschiede weshalb sie für die Nachtfotografie nicht wirklich die erste Wahl sein sollte. Nur, wenn es schnell gehen muss und man keine Zeit hat, sich über die Belichtung große Gedanken zu machen, bietet sich die Integralmessung an. Eine Weiterentwicklung der Integralmessung ist die Mehrfeld- beziehungsweise Matrixmessung. Hier wird das Bildfeld in mehrere Zonen aufgeteilt, die bei der internen Belichtungsberechnung der Kamera unterschiedlich gewichtet werden. Mit in die Berechnung einbezogen werden – je nach Kamera – auch Objektentfernung, Spitzlichtwerte und die Brennweite des Objektivs. Da die ermittelten Daten mit der in der Kamera gespeicherten Erfahrungswerten aus tausenden Aufnahmen verglichen werden, garantiert diese Messung eine recht genaue Belichtung. Natürlich sind auch mit dieser Messmethode Fehlbelichtungen nicht auszuschließen. Profifotografen stehen der Mehrfeld-/Matrixmessung skeptisch gegenüber, da sie die Belichtungsberechnung oftmals nicht nachvollziehen können. Die Spotmessung, die auch gern in der Nachtfotografie zum Einsatz kommt, ist die flexibelste Belichtungsmessart. Hier wird nur ein kleiner Bereich des Bildfeldes gemessen und zur Belichtungsermittlung herangezogen. Anhand einer Markierung in der Mitte des Suchers kann der Fotograf sein Ziel punktuell anvisieren. Im Zusammenhang mit der Spotmessung trifft man auch noch auf den Begriff Selektivmessung. Beide Messarten unterscheiden sich nur in der Größe des gemessenen Bildbereiches. Bei der Spotmessung beträgt der Messwinkel etwa 2 bis 5 Prozent des Bildfeldes, bei der Selektivmessung ist der Messwinkel größer und liegt etwa bei 8 bis 10 Prozent des Bildfeldes. Ist man im Besitz einer höherpreisigen Kamera, so lässt sich die Messfeldgröße im Kameramenü einstellen. Fotografen, deren Kamera über den Menümodus „Bulb“ verfügt, setzen diesen gern für ihre Nachtaufnahmen ein. Mit dieser Einstellung kann ein Motiv so lange belichtet werden, wie der Auslöser gedrückt bleibt. Natürlich auch länger als die üblichen 30 Sekunden. Ein Kabelfern- oder Funkauslöser ist hier von Vorteil, da Verwacklungen durch das Gedrückthalten des Auslösers vermieden werden.

Fotografieren in der Praxis 02 / 2013

1 Kommentare

Sehr hilreich dieser Bericht.

Schradi1

von Schradi1
03. März 2013, 11:34:27 Uhr

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