Naturfotografie: Pilze - Ab auf den Boden

© Fotograf: Andreas Seliger, Pilze, Photoglobus
© Fotograf: Andreas Seliger, Pilze, Photoglobus
Dieser Sommer hatte es in unseren Breiten mit viel Hitze und großen Regenmassen in sich. Letzteres hat nicht für große Begeisterungsstürme gesorgt – die Pilzsammler und all jene, die diese Geschöpfe ablichten wollen, sind da sicherlich anderer Meinung. Früher als sonst ist in manchen Regionen Deutschlands in diesem Jahr bereits die Pilzsaison eröffnet. Dem Fotografen ist es egal, ob sie schmackhaft oder giftig sind, wobei letzteren nachgesagt wird, dass sie in ihrem Erscheinungsbild schöner anmuten. In jedem Fall sind Pilze überaus fotogen und jeder, der sie für sich als Fotomodell entdeckt, der wird so schnell von dieser Leidenschaft nicht mehr loskommen.

Eine Kompaktkamera, die auch das Fotografieren im Nahbereich gestattet, sowie Kameras mit Wechseloptik sind die bevorzugten Aufnahmegeräte, um Pilze fotografisch wirkungsvoll in Szene zu setzen. Natürlich kann man sich auch darin versuchen, sie mit einem Smartphone abzulichten – die Aufnahmen werden aber aufgrund der nicht optimalen Lichtbedingungen in Wäldern, schwerlich überzeugen. Ein bewölkter Tag ist aus fotografischer Sicht übrigens empfehlenswerter als ein sonniger.

© Fotograf: Heinfried Küthe, Pilz, Photoglobus
© Fotograf: Heinfried Küthe, Pilz, Photoglobus
Werden Pilze mit einer Kompaktkamera in Szene gesetzt, so ist die Telestellung bestens dafür geeignet. Wichtig ist, auf die Entfernungseinstellung zwischen Objekt und Frontlinse zu achten, die je nach Kameramodell variiert. In einigen Fällen ist es notwendig, mit einer Nahlinse zu arbeiten, das hängt natürlich vom Pilz- und Kameramodell ab. Die Makroeinstellung im Weitwinkelbereich ist in der Regel kaum verwendbar, aber das sollte man testen. Entscheidend ist auch die Brennweite. Eine lange Brennweite erleichtert das Ablichten der Pilze, denn diese müssen aus einem sehr flachen Winkel aufgenommen werden, möchte man alle Details am Stiel und Hutrand gut sichtbar machen. Aufgrund der in der Regel kleinen Sensorfläche erhält man mit digitalen Kompaktkameras eine relativ große Schärfentiefe. Aus diesem Grund reichen Blenden von 5,6 bis 8 für gewöhnlich aus.

Kommt eine Spiegelreflex- oder kompakte Systemkamera zum Einsatz, so leistet beispielsweise ein 180mm-Makroobjektiv gute Dienste. Von Vorteil ist, wenn die eingesetzte Spiegelreflexkamera über eine Spiegelvorauslösung verfügt. Auf dem weichen Moos kann der Spiegelschlag trotz des Einsatzes eines stabilen Stativs zur Unschärfe führen. Sehr nützlich ist ein Winkelsucher, der die Betrachtung des Sucherbildes in einem Winkel von 90 Grad erlaubt. Winkelsucher gibt es übrigens auch mit Lupenfunktion, so dass man auf zweifache Vergrößerung umschalten und im zentralen Bildbereich präzise scharfstellen kann.

Der Weißabgleich sollte auf das Symbol wolkiges Wetter eingestellt sein, denn der Waldboden mit grünem Moos oder braunen Blättern und Nadeln führt sonst zu Farbdominanten.

© Fotograf: Hans Hermann Oetjens, Pilzefamilie, Photoglobus
© Fotograf: Hans Hermann Oetjens, Pilzefamilie, Photoglobus
Hilfreich ist zudem, sofern es die Kamera zulässt, ein separater Blitz. Wird mit einer Kompaktkamera fotografiert die diese Möglichkeit nicht bietet, so hat man nicht die Option, den Blitz von der Kamera zu entkoppeln. Das ist nicht schlimm, denn in diesem Fall hilft eine Taschenlampe weiter. Wie mit einem entkoppelten Blitz kann seitliches Licht oder aber Gegenlicht erzeugt werden. Zudem hat man die Option, Pilze von unten mit ihr anzuleuchten, wodurch beispielsweise ihre Lamellen stärker in den Fokus gerückt werden können. Auf den integrierten Blitz kann dann verzichtet werden, wenn eine weiche Ausleuchtung gewünscht ist. Wird mit eingebautem Blitz gearbeitet, kann es schnell zu Überstrahlung an den hellen Pilzteilen kommen.

Wird mit einer kompakten System- beziehungsweise Spiegelreflexkamera fotografiert, so sollte man den Blitz von der Kamera entkoppeln. Sollen die Aufnahmen natürlich anmuten, gilt es, die Blitzleistung entsprechend zu reduzieren. Empfehlenswert ist in jedem Fall der Einsatz von Reflektoren. Einsteigern sei empfohlen, zunächst einmal mit einem Reflektor fotografische Erfahrung zu sammeln. Wichtig ist, für sich festzulegen, wohin das Licht fallen soll, was man also herausstellen möchte. Ist man im Umgang mit Reflektoren schon versierter, so steigt das fotografische Spiel mit dem Einsatz eines weiteren Reflektors. Natürlich steht es einem auch als Fotograf mit einer Kamera für Wechseloptik frei, eine Taschenlampe als zusätzliche Lichtquelle einzusetzen. Zahlreiche Naturfotografen raten übrigens vom Einsatz eines Ringblitzes, der eine ausgewogene Ausleuchtung garantiert, ab. Ihnen sind die Aufnahmen zu unnatürlich.

© Fotograf: Martin Bolle, Parasolpilze, Photoglobus/Blende Fotowettbewerb
© Fotograf: Martin Bolle, Parasolpilze, Photoglobus/Blende Fotowettbewerb
Ein Stativ ist mehr als empfehlenswert – unabhängig davon, ob mit einer Kompaktkamera oder mit einer Spiegelreflex- beziehungsweise kompakten Systemkamera fotografiert wird. Hier sollte ein Modell mit Kugelkopf zum Einsatz kommen, das einen tiefen Kamerastandpunkt gestattet, denn Pilze sind bekanntlich in Bodennähe anzutreffen. Fernauslöser sind ebenso nützlich, denn schon das Auslösen der Kamera kann zu Verwacklungen und somit unscharfen Aufnahmen führen. An einen Pinsel sollte man ebenso denken – mit ihm lassen sich störende Elemente vom Pilz entfernen – wie an eine Schere, mit der sich beispielsweise Grashalme beseitigen lassen, die die Bildkomposition stören könnten.

Da man als Fotograf in Bodennähe fotografiert und sich dementsprechend auch einmal hinkniet oder sogar sich hinlegt sollte die Kleidung dementsprechend gewählt werden. Das kleine Schwarze kann also zu Hause bleiben. Ins Fotogepäck gehört zudem eine Karte von der Region, denn wie schnell verläuft man sich auf der Jagd nach seinen Fotomotiven. An Proviant ist ebenso zu denken – ein knurrender Magen oder Durst sind keine guten Voraussetzungen für die Fototour.

Fotografieren in der Praxis 08 / 2014

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