Naturfotografie: Wälder im Fokus

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© Blende, Fred Poßner, Wald am Morgen

Wälder in unseren Breiten garantieren Fotografen ein Eldorado an Motiven. Je nach Jahreszeiten erhält man zudem ganz unterschiedliche Impressionen – von frischen Grüntönen im Frühjahr über sattes Grün im Sommer, zur Laubfärbung im Herbst bis hin zu minimalistischen Kunstwerken im Winter -, was die Bandbreite an Motiven noch einmal erhöht. Wie stimmungsvoll die in Szene gesetzten Waldmotive wirken, wird maßgeblich vom einfallenden Licht bestimmt.

Die frühen Morgen- und späten Abendstunden garantieren atemberaubende Aufnahmen, wenn die tiefstehende Sonne in die Landschaft eintaucht. Sind hingegen weniger romantische Aufnahmen gewünscht, so garantiert direktes Sonnenlicht kräftige Farben, aber auch dramatische Schatten. Sehr beliebt unter Fotografen sind Gegenlichtaufnahmen, die für eine dramatische Lichtstimmung sorgen. Diese lässt sich übrigens durch Nebel verstärken. Oftmals hat man bei Gegenlicht jedoch mit den sogenannten Blendenflecken, die stern-, ring- oder kreisförmige Muster haben, zu kämpfen. Diese entstehen durch Reflexionen und Streuungen von Gegenlicht in einem Linsensystem. Welches Muster die Blendenflecken haben, wird von den verwendeten Blendenlamellen beeinflusst. Die Färbung der Blendenflecke kann sehr unterschiedlich ausfallen, da durch unterschiedlich starke Beugung bestimmter Lichtanteile sich auch Maxima bestimmter Farben bei einzelnen Reflexionsmustern herausbilden. Blendenflecke können mit geeigneten Linsenkonstruktionen, wie Streulichtblenden und/oder Polarisationsfiltern, zugunsten einer besseren Bildqualität unterdrückt werden. Hat man diese Filter nicht zur Hand, hilft ein Standortwechsel, indem die Sonne hinter einen Baumstamm verbannt wird.

Zurück zum Licht: Wer nun meint, dass es sich nicht lohnt, den Auslöser zu betätigen, wenn es grau in grau ist oder wenn es regnet, der irrt. Ist die Wolkendecke dicht, so wirkt sie wie eine Softbox. Das Licht wird wesentlich gleichmäßiger verteilt und mit harten Kontrasten hat man als Fotograf nicht zu kämpfen. Regen beziehungsweise das Licht unmittelbar nach dem Schauer bringt ein anderes Farbenspiel hervor, alles wirkt frischer.

Da die Lichtverhältnisse im Wald mitunter so sind, dass sie die Belichtungsautomatik der Kamera in die Irre geführt wird, sind Belichtungsreihen empfehlenswert. Sehr hilfreich ist es, wenn die Kamera über die Funktion Auto Exposure Bracketing (AEB) mit einer automatischen Belichtungsreihe von drei, fünf oder sieben Bildern verfügt.

Jeder von uns kennt sicherlich das Sprichwort, man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Die größte Herausforderung für den Fotografen besteht darin, Licht ins Chaos zu bringen. Wichtig ist, einen klaren Fokus zu setzen und die Aufnahmen nicht zu überladen. Wird mit einer Kompaktkamera fotografiert, so gilt es, mit dem Zoom zu spielen, um das Optimum herauszuholen. Ist man im Besitz einer Kamera mit Wechseloptik, so bieten sich für das Fotografieren im Wald sowohl Weitwinkel- als auch Teleobjektive, aber auch Makroobjektive – wenn man beispielsweise Pilze fotografieren möchte – an. Welches Objektiv zum Einsatz kommt, ist natürlich von der Intention abhängig. Mit Teleobjektiven lassen sich Strukturen komprimieren und dadurch Strukturen isolieren. Wichtig in diesem Zusammenhang ist möglicherweise, auf Farbkontraste zu achten. Weitwinkelobjektive bieten sich dann an, wenn man beispielsweise die Bodenpflanzen mit einbeziehen möchte oder wenn man Baumkronen von unten ablichten möchte. Auch, wenn wir immer nahelegen, mit einem Stativ zu fotografieren, so ist dieses nicht nötig beim Fotografieren von Baumkronen. Wesentlich entspannter ist es, wenn man sich auf den Boden legt.

Fotografieren in der Praxis 09 / 2013

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