Nebel - Ein Garant für stimmungsvolle Aufnahmen

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Der Herbst hat viele traumhafte Motive zu bieten und auch wenn beispielsweise Autofahrer oder Bergsteiger verständlicherweise keine Freunde vom Nebel sind, so garantiert dieser Fotografen absolut stimmungsvolle Aufnahmen. Landschaften, die zuvor möglicherweise langweilig anmuten, erscheinen im Nebel versunken oder eingehüllt in einem absolut anderen Licht – Romantik, Melancholie oder aber Mystik führen Aufnahmen in eine Dimension, die sie so sehenswert aber auch einmalig machen. Und diese Aufnahmen sind es auch, die in einem selbstgestalteten Fotokalender einfach nicht fehlen dürfen – Großformatig in jedem Fall ein Blickfang.

Der frühe Vogel fängt den Wurm – dieses Sprichwort sollte Programm sein, möchte man sich dem Thema Nebel fotografisch stellen. Die Wahrscheinlichkeit eines nebligen Morgens erhöht sich übrigens, wenn es am Abend zuvor geregnet hat und die Nacht kühl und klar war. Früh aufstehen ist in jedem Fall angesagt, denn ansonsten verschläft man schlichtweg den Nebel, der eine höchst flüchtige Angelegenheit ist. Ratsam ist es, schon zirka 30 Minuten vor Sonnenaufgang Position zu beziehen, denn in Bruchteilen von Sekunden verändern sich die Lichtstimmungen, weswegen man bereits mit der Dämmerung mit dem fotografieren beginnen sollte. Nicht jede Aufnahme wird ein Volltreffer sein, darüber sollte man sich bewusst sein. Es kann sogar sein, dass man an den Folgetagen einen erneuten Anlauf nehmen muss, um sein Wunschbild zu erhalten.

Bei der Motivauswahl ist es ratsam, auf klare Formen zu achten, die im Nebel auftauchen. Das können Kirchturmspitzen ebenso sein wie beispielsweise Baumkronen oder aber Windräder. Bei der Bildkomposition sollte man an den goldenen Schnitt oder an die Drittelregel denken – also raus aus der Mitte, denn das erhöht den Spannungsbogen. Fotografisch auch überaus interessant ist es, einen erhöhten Standpunkt einzunehmen, mit klaren Motivelementen und welchen, die im Nebel liegen.

Kommen kompakte System- beziehungsweise Spiegelreflexkameras zum Einsatz, so sollte man sich bei Übersichtsaufnahmen für Weitwinkelobjektive entscheiden. Ist ein Ausschnitt gewünscht, so sind lange Brennweiten die bessere Wahl, mit denen sich Details besser hervorheben lassen. Sehr beliebt sind mittlere Telezoomobjektive, die sehr vielseitig und bestens dafür geeignet sind, auch weiter entfernte Objekte wirkungsvoll in Szene zu setzen.

Die größte fotografische Herausforderung liegt darin, bei Nebel die richtige Belichtung zu finden. Automatische Belichtungsprogramme führen gern zu unterbelichteten Aufnahmen weshalb die manuelle Belichtungskorrektur zum Einsatz kommen sollte. Je nach Lichtverhältnissen muss man korrigierend mit +1 oder +1,5 eingreifen. Natürlich hat man auch die Option, alles manuell selbst vorzugeben. Da Nebel sehr hell ist, greifen viele Fotografen auf Grauverlaufsfilter zurück. Ratsam sind in jedem Fall Testaufnahmen, die man über das Histogramm überprüft, um dann bei weiteren Aufnahmen gegebenenfalls korrigierend einzugreifen. Inwieweit Bildserien empfehlenswert sind, da gehen die Meinungen auseinander. Manche setzen drauf, gerade weil Nebel eine so flüchtige Angelegenheit ist und sich Stimmungen im Bruchteil von weniger als einer Sekunde ändern können. Andere warten auf den entscheidenden Moment und lösen dann erst aus. Für welches Bildspeicherformat man sich entscheidet (JPEG / RAW) hängt davon ab, ob man seine Aufnahmen noch nachträglich bearbeitet. Das RAW-Format garantiert in jedem Fall die breiteste Datenbasis, um nach der Konvertierung beispielsweise Mitteltöne oder aber Schatten stärker herauszuarbeiten.

Imposant und dramatisch wirken im Nebel gemachte Gegenlichtaufnahmen, die jedoch die Gefahr der Unterbelichtung erhöhen und zudem oftmals zu Blendenflecken führen. Befindet sich die Sonne im Rücken dann ist das Licht weicher, was dem Motiv möglicherweise gerechter wird.

Gerade in der Dämmerung, also in der blauen Stunde, ist das Spiel mit dem Weißabgleich lohnenswert. Möchte man den Blauton verstärken, so ist die Einstellung „Kunstlicht“ eine denkbare Option.

Fotografieren in der Praxis 10 / 2013

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