Objektiv-Gütekriterium Lichtstärke

Hermann Henke, Reißverschluß Bildgalerie betrachten Blende ,“Reißverschluß”
Hermann Henke
Objektive gelten als die Augen der Kameras und eines der Gütekriterien ist ihre Lichtstärke. Diese bezeichnet das Verhältnis der größten wirksamen Blendenöffnung zur Brennweite.

Die Lichtstärke entspricht dem Kehrwert der kleinsten Blendenzahl. Daraus ergibt sich, dass die Lichtstärke vorwiegend in der Bruchform 1/ oder 1: , also 1/2,8 oder 1:2,8 angegeben wird. Als alternative Schreibweisen haben sich auch f/ und F, also zum Beispiel f/2,8 oder F2,8, eingebürgert. Normalobjektive - 50 mm im Kleinbildformat - warten in der Regel mit einer Lichtstärke von 1:1,2 bis 1:2,8 auf. In einigen Fällen können sie jedoch auch Lichtstärken bis 1:1,0 und mehr erreichen. Bei Weitwinkel und Teleobjektiven finden sich in der Regel Lichtstärken um 1:2,8. Bei extremen Brennweiten kann die Lichtstärke aber auch auf 1:4 oder 1:5,6 reduziert sein. Die Zoomobjektive (Varioobjektive) lassen sich in solche mit konstant hoher Lichtstärke 1:2,8 oder in kompaktere mit geringerer, variabler Öffnung zum Beispiel 1:3,5 bis 4,5 einteilen.

Eine höhere Lichtstärke garantiert dem Fotografen mehr künstlerischen Freiraum hinsichtlich kürzerer Belichtungszeiten. Zudem kann der Fotograf mit geringeren Sensor-/Filmempfindlichkeiten mit höheren Auflösungsvermögen arbeiten. Das führt bei Digitalkameras zu geringerem Rauschen und beim Film zu feinerem Korn. Da die Leistung der Optik mit dem Abblenden steigt, haben lichtstärkere Objektive meistens eine bessere Abbildungsqualität als ihre lichtschwächeren Kollegen bei gleicher Blende.

Bei Spiegelreflexkameras bedeutet eine höhere Lichtstärke auch mehr Helligkeit des Sucherbildes. Zudem geht die größere Blendenöffnung mit einer geringeren Schärfentiefe einher, wodurch die Lage der Schärfenebene im Sucher exakter beurteilt werden kann. Bei Kameras, bei denen die Scharfeinstellung über das Objektiv erfolgt, funktionieren die Einstellhilfen für das manuelle Scharfstellen, wie zum Beispiel Schnittbildindikatoren, bei lichtschwachen Objektiven - 1:5,6 oder weniger - nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr. Auch der Autofokus arbeitet in der Regel beim Einsatz von lichtstarken Objektiven präziser als bei Objektiven gleicher Brennweite, aber mit geringerer Lichtstärke.
 

Fotografieren in der Praxis 06 / 2009

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