Objektive - Darf es ein gebrauchtes sein?

© Fotograf: Conny Müller, Intensiv Objektiv, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Conny Müller, Intensiv Objektiv, Blende-Fotowettbewerb
Die Zahl derer, die mit Kameras mit Wechseloptik fotografieren, steigt quasi im Sekundentakt. Einher damit geht eine gestiegene Objektivnachfrage. So manch einer ist nach einem Schnäppchen aus und hält dementsprechend Ausschau auf Verkaufsportalen. Hier werden zahlreiche gebrauchte Objektive angeboten, das eine oder andere Knüllerangebot ist sicherlich auch mit dabei. Doch Vorsicht ist geboten, denn gebrauchte Objektive können mitunter die ganze Ausrüstung beschädigen.

Prinzipiell ist nichts gegen den Kauf eines gebrauchten Objektivs einzuwenden. Wenn man sich dafür entscheidet, so sollte man jedoch vor dem Kauf das Objektiv in Augenschein nehmen, was schon einmal nicht geht, wenn man es über eines der diversen Onlineportale erwerben möchte. Das Objektiv sollte vor einem Kauf einer Funktionsprüfung unterzogen werden – nur so weiß man, ob es seinen Preis auch wirklich wert ist. Was die wenigsten sicherlich wissen ist, dass es Organismen gibt, die Objektive erblinden lassen können. Die Rede ist von sogenannten Glaspilzen. Sie gehören zu den Gruppen der Eipilze (Peronosporomycetes) und Schlauchpilze (Ascomycota, insbesondere imperfekte Vertreter). Durch Auskeimen von Pilzsporen und erneute Sporenbildung kann sich der Befall auch über das jeweilige Pilzgeflecht hinaus ausbreiten. Die Glasoberflächen der Geräte werden durch die Stoffwechselprodukte des Pilzes oft getrübt. Der Glaspilz kann von kleinen, kaum sichtbaren Punkten über ein sich unregelmäßig ausbreitendes Geflecht bis zur vollständigen „Erblindung“ der Optik reichen. Glaspilze ernähren sich von Materialien, die bei der Herstellung der Optik verwendet wurden und/oder dieser anhaften (Leder, Farbe, Holz, Kitt, Klebstoffe, Fasern). Der Glaspilz ernährt sich also nicht vom Glas selbst.

Inwieweit und ob ein Objektiv durch Glaspilz befallen ist, lässt sich mit einer Taschenlampe prüfen, mit der in den Tubus geleuchtet wird. Ist das Objektiv befallen, so sollte es auf gar keinen Fall auf die Kamera gesetzt werden, denn der Pilz kann in das Innere der Kamera gelangen und diese befallen. Ansteckung ist natürlich auch nicht ausgeschlossen, wenn ein anderes Objektiv an die infizierte Kamera angesetzt wird.

Den Glaspilz wieder loszuwerden, ist nicht so einfach und dementsprechend variieren auch die im Internet gefundenen Empfehlungen. So ist von der Reinigung mit einer Essig-Salz-Mischung ebenso die Rede wie von der Beseitigung mit Desinfektionsmitteln. Zunächst sollte man klären, ob der Pilz auf der Optik sitzt oder schon ins Innere eingedrungen ist. Ist Letzteres der Fall, so kann man beim Hersteller nachfragen, ob er sich der Sache annimmt. Vorneweg jedoch so viel. Die meisten Hersteller lehnen ab und dies auch aus gutem Grund. Ein mit Pilz befallenes Objektiv birgt für sie die große und nicht zu kalkulierende Gefahr, dass die Arbeitsplätze aber auch die Werkzeuge kontaminiert werden und sich der Pilz somit auf andere Objektive ausbreiten könnte.

Unsere Internet-Recherche hat ergeben, dass unter anderem http://camera-service.de den Service der Pilzentfernung anbietet. Wir übernehmen keine Gewähr, wie gut das Unternehmen arbeitet.

Fotografieren in der Praxis 09 / 2013

2 Kommentare

Hallo, ich arbeite fast nur mit gebrauchten Objektive. Ich habe eine SONY A und verwende die alten Ofenrohrobjektive von Minolta. Die Linsen noch aus echtem Glas und das Bajonett noch aus Messing. Die Objektive sind bei eBay für kleines Geld zu bekommen und sind von der Qualität teilweise besser wie Zeiss o.ä. Ein Objektiv mit Pils war zum Glück nie dabei. Gruß Oli

Oliver

von Oliver
11. September 2013, 10:39:33 Uhr

Seit 40 Jahren befasse ich mich mit Objektiven von Nikon,Zeiss usw ... in dieser Zeit sind mir nur 2 Mal Linsen untergekommen die von diesem Phenomen befallen waren ... in einem Fall war es ein Minolta Rokkor 1,4 50 mm Bauj. so. ca. 1960 und im zweiten Fall ein Kinoprojektionobjektiv für 35 mm der Fa. Steinheil ... also keine Angst vor Ansteckung. LG

Hans Lachmann

von Hans Lachmann
11. September 2013, 09:17:55 Uhr

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