Wie Brennweiten wirken

Kristin Thormann, Blau ist einfach schön Bildgalerie betrachten Blende ,“Blau ist einfach schön”
Kristin Thormann

Der Dreh am Zoom oder ein Objektivwechsel erspart manchmal einen Fußweg. Der Fotograf kann einfach den Ausschnitt ändern, ohne sich vor oder zurück bewegen zu müssen. Aber das ist nicht alles. Denn mit der Brennweite ändert sich auch die Bildwirkung. Und manchmal sind dann doch einige Schritte angebracht.

Es gibt drei grundsätzliche Typen von Objektiven: Normalobjektive, die das Bild so wiedergeben, wie es auch der Wirklichkeit entspricht, Weitwinkelobjektive, die einen wesentlich größeren Bildwinkel haben, und Teleobjektive, die geeignet sind, weit entfernte Objekte größer ins Bild zu setzen. Daneben gibt es noch Objektive mit besonderen Eigenschaften, wie beispielsweise Shiftobjektive oder Fisheyes.

Zoomobjektive verbinden verschiedene Objektivtypen miteinander. Moderne und hochwertige Zooms stehen außerdem den Abbildungseigenschaften von Festbrennweiten kaum mehr nach, sie verzerren nur noch wenig und zeichnen über den gesamten Brennweitenbereich auch am Rand scharf.

Welches Objektiv der Normalbrennweite entspricht, ist vom Aufnahmeformat abhängig. Bei einer Kleinbildkamera entspricht es 50 mm Brennweite, bei einer digitalen Kamera mit Crop-Faktor, also einem kleinerem Sensor als Vollformat, entsprechen etwa 35 mm der Normalbrennweite. An einer Crop-Kamera kann also ein 50-mm-Objektiv schon als leichtes Tele für Porträtaufnahmen genutzt werden. Beim Mittelformat hat ein Normalobjektiv 80 mm Brennweite.

Der große Vorteil eines Normalobjektivs ist die räumliche Darstellung im Bild, die in etwa der menschlichen Wahrnehmung entspricht. Viele Standardobjektive haben überdies eine große Lichtstärke und meist überragende Abbildungseigenschaften. Wer dokumentarische Fotos wünscht, ist mit einem Normalobjektiv gut bedient.

Ganz anders ist die Bildwirkung eines Weitwinkelobjektivs. Mit ihm lassen sich sowohl Räume schaffen als auch Distanz im Bild verringern. Wer ein Weitwinkelobjektiv einsetzt und nah ran geht an das Geschehen, nimmt den Bildbetrachter quasi mit. Eine Menschenansammlung, mit kurzer Brennweite aus nächster Nähe fotografiert, wirkt wesentlich dichter und näher als die gleiche Gruppe, wenn ein Objektiv mit längerer Brennweite bei der Aufnahme zum Einsatz kommt.

Andererseits kann der Fotograf mit einem Weitwinkelobjektiv aber auch Raum schaffen. Bei einer Sachaufnahme wirkt das Motiv wesentlich kleiner im Vergleich zum Umfeld als es in Wirklichkeit ist. Selbst, wenn der Fotograf näher an das Motiv herangeht, bleibt die Bildwirkung doch die, dass zusätzlicher Raum im Foto sichtbar wird. Besonders fällt dies bei Aufnahmen mit Vordergrund auf: Bildteile, die näher an der Kamera sind, werden überproportional groß dargestellt. Da kann ein kleiner Vorgarten ganz schnell zur stattlichen Grünfläche werden.

Ganz anders wirken dagegen Teleobjektive. Sie vergrößern das Motiv, holen es näher zum Fotografen heran. Gleichzeitig leidet darunter allerdings auch die räumliche Darstellung, der Hintergrund erscheint größer als er in Wirklichkeit ist, die Tiefe im Bild geht verloren. Das kann der Fotograf gezielt nutzen, um sein Motiv näher an einen gewünschten Hintergrund zu rücken. Wenn die Türme der Münchner Liebfrauenkirche im Bild quasi direkt vor den fast 100 Kilometer entfernten Alpengipfeln stehen, dann ist das die verkürzende Wirkung eines Teleobjektivs.

Porträts werden außerdem in der Regel mit leichten Teleobjektiven gemacht. Sie bewirken, dass das Gesicht insgesamt gefälliger wirkt, die Nase nicht so weit hervorsteht.

Fotografieren in der Praxis 10 / 2010

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