Peoplefotografie – Charakterbilder mit Einblicken in die Persönlichkeit

Menschen sind verständlicherweise ein beliebtes Fotomotiv und nicht nur dann, wenn es darum geht, seine Liebsten abzulichten. Auch wenn sie sicherlich das am meisten fotografierte Motiv sind, so ist es doch immer wieder eine große Herausforderung, sie so wirkungsvoll in Szene zu setzen, wie es die diesjährige Blende-Teilnehmerin Isabell Fraulob, mit ihrer Aufnahme „Glücksgefühle“ getan hat. Solch eine Fotografie hat alles was eine sehenswerte Aufnahme ausmacht. Sie erzählt eine Geschichte und der Betrachter fühlt sich damit magisch angezogen. Durch das geschickte Spiel mit Schärfe und Unschärfe sowie dem gewählten Bildausschnitt, die Entscheidung für Schwarzweiß und der direkte Blickkontakt, wird der Betrachter geschickt zu den zwei Hauptakteuren und ihre Geschichte geführt.

© Fotograf: Isabell Fraulob, Glücksgefühle, Blende-Fotowettbewerb
Isabell Fraulob, Glücksgefühle – Die Frage ist: Was ist Glück im Leben? Wir haben es gefunden. Die erste große Reise allein in Afrika. Unsere erste Begegnung im Nirgendwo. Glück ist nicht der Status, das Geschlecht oder gar das Geld. Glück ist einen besonderen Mensch an seiner Seite zu haben. Hintergrund: Absera (Eritrea) und Rebecca (Deutschland) lernten sich auf ihrer ersten großen Reise im Nordosten Afrika, im jüngsten Staat des Kriegsendes, kennen. Das Bild entstand zwei Jahre später bei ihrem ersten Wiedersehen.“ Blende-Fotowettbewerb

Solche Aufnahmen, wie sie beispielhaft Isabell Fraulob gelungen ist, sind es, warum „Blende“ vor über 40 Jahren ins Leben gerufen wurde. Damals wie heute geht es den Veranstaltern darum, Amateurfotografen auf breiter Basis zu fördern, ihnen ein Forum zu bieten und ihre Fotografien öffentlich zu machen. Dabei wird offenkundig, wie perfekt Fotobegeisterte die Klaviatur des Bildermachens verstehen, wie intensiv sie sich mit thematischen Vorgaben zu Wettbewerben wie Blende auseinandersetzen und welche Kreativität der fotografischen Umsetzung in ihnen steckt. Dass eine solche Aufnahme, wie sie Isabell Fraulob gelungen ist, in den seltensten Fällen ein Selbstläufer ist, wissen alle, die der Fotografie nachgehen. Die Aufnahme „Glücksgefühle“ zeigt aber auch, dass sich die Auseinandersetzung mit der Fotografie und ihren Optionen lohnt.

Porträts von Menschen sind nicht nur irgendwelche Aufnahmen, sondern Charakterbilder, die einen Einblick in die Persönlichkeit geben. Wie man zu vielsagenden Porträtaufnahmen gelangt, darüber könnte man Romane verfassen. Nachstehend ein paar grundlegende Tipps:

  • Lichtet man fremde Menschen ab, so geschieht dies aus dem Verborgenen heraus oder aber in Abstimmung mit ihnen. Positiv wirkt sich hier auf die Aufnahmen aus, wenn die Personen keine Scheu vor der Kamera haben. Diese wird am besten durch ein Gespräch abgelegt. Wichtig ist, auch zunächst fremde Menschen an seiner Schaffenskraft teilhaben zu lassen und ihnen die gemachten Aufnahmen zu zeigen. Hier sollte man auch akzeptieren, wenn der Abgelichtete eine Aufnahme nicht so toll findet und sie gelöscht werden soll.
  • Am einfachsten sind Portraitaufnahmen ohne technischen Aufwand im Freien durchzuführen. Sie bringen einen besonderen Reiz, der im Studio so kaum realisiert werden kann.
  • Für Aufnahmen im Freien sind die frühen Vormittags- oder späten Nachmittagsstunden, wenn das Licht schräg einfällt besser als die Mittagsstunden, in der die Beleuchtung meist zu hart ist.
  • Porträtaufnahmen sind nicht nur auf Kopf und Schultern beschränkt. Eine Ganzaufnahme ist zwar schwieriger als ein Brustbild, aber ein lohnendes Sujet.
  • Das Gesicht ist der wichtigste Teil eines Porträts und muss deshalb richtig belichtet werden. Am besten eignet sich hierfür die selektive Lichtmessung dicht am Modell.
  • Reicht das vorhandene Licht für eine Aufnahme nicht aus, kann mit einem Aufhellschirm gearbeitet werden oder man lässt die Akteure in der Nähe einer reflektierenden Oberfläche posieren.
  • Tonwert, Farbe und Charakter eines Hintergrunds können die optische und inhaltliche Wirkung eines Porträts stark beeinflussen. Ein heller Hintergrund wirkt freundlicher und ergibt meist reizvollere Porträts, während dunkle Hintergründe dramatisieren. Je kräftiger die Hintergrundfarbe, desto plakativer erscheint das Porträt. Haarfarbe und Kleidung des Modells sollten zum Hintergrund passen.
  • Bei Freilicht-Porträts sollten nicht mehr Hintergrunddetails ins Bild gebracht werden als notwendig. Eine neutrale Mauer, ein paar Büsche oder ein einzelner Baumstamm reichen meist aus.
  • Objektive zeichnen sehr scharf, was sich auf Porträtaufnahmen möglicherweise störend auswirken kann, weil mehr Details sichtbar sind als gewünscht. Abhilfe schaffen hier Weichzeichner. Der Center-Spot-Filter ist ein Vorsatz mit einem runden Loch in der Mitte, der ein unscharfes Bild mit scharfer Bildmitte liefert. Beim Soft-Shot-Filter ist das Kernbild scharf, das zu den Rändern unscharf wird. Ein Diffuser Filter hat eine unregelmäßige Oberfläche und erzeugt einen allgemeinen Weichzeichnereffekt. Wird feines Gewebe, zum Beispiel ein Nylonstrumpf straff über das Objektiv gespannt und mit einem Gummiring befestigt, erzeugt dies eine strukturierte Weichzeichnung. Die unterschiedlichsten Weichzeichnereffekte werden durch das Auftragen von Vaseline auf einen Skylightfilter erreicht. Zu beachten ist aber, dass Vaseline nie direkt auf das Objektiv aufgetragen werden darf.

Fotografieren in der Praxis 10 / 2016

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden