Aus der Sicht eines Wurms

Aus der Sicht eines Wurms Bildgalerie betrachten Moritz Maler

Blumen sind beliebte Photomotive. Die Form ihrer Blüten, ihre schiere Farbenpracht machen sie zu begehrten Objekten vieler Photographen. Und meist sieht der Betrachter auf die Blüte herab - aufgenommen aus erhöhter Sicht, wie es für Menschen üblich ist. Vielfach aber liegt im Ungewöhnlichen das Besondere und das sollte sich der Blumenphotograph zunutze machen, auch wenn er dabei für Außenstehende nicht immer die perfekte Figur abgibt. Ab in die Knie oder gar auf den Boden legen und den Blumen mit ihren Blüten auf die Pelle rücken, um sie noch prachtvoller in Szene zu setzen.

Dass Blüten, Blumen und Pflanzen photographisch meist von schräg vorne auf Film oder Sensor gebannt werden, hat einen einfach ergonomischen Grund. Der Mensch ist bequem und schließlich ein Zweibeiner, hat den aufrechten Gang perfektioniert und sieht die Welt seiner Größe entsprechend aus einer gewissen Höhe. Da ist es nahe liegend, dass auch die meisten Photos aus eben dieser Perspektive entstehen. Ein Klassiker für einen Wechsel der Perspektive sind Blumen. Wieso nicht einfach mal von unten an das Motiv herangehen - denn hierin liegt das Besondere im Gewöhnlichen.

Aufmerksamkeit ist dem Photographen gewiss, wenn er eine außergewöhnliche Perspektive wählt - eventuell wird er selbst zum Photomotiv. Für ein wenig mehr Mühe als für ein normales Photo notwendig wäre, gibt es auch entsprechend mehr Beachtung, aber auch Nachahmer. Zwei klitzekleine Probleme gilt es, für den Photographen zu lösen, möchte er die Perspektive wechseln: Wie durch den Sucher schauen und wie Licht von unten an die Blüte bringen.

Sind die Blumen in einem erhöhten Beet, in einem Pflanzenkübel oder einer Schale gepflanzt, dann bringt das schon die entscheidenden Zentimeter, die das Arbeiten erleichtern. Ansonsten gibt es einige technische Hilfsmittel, deren sich ein Photograph bedienen kann. Ein Lichtschachtsucher statt eines Prismas erlaubt es, von oben in die Kamera zu schauen. Allerdings sind diese Lichtschachtsucher meist nur für Mittelformatkameras erhältlich. Für Kleinbild- und digitale Spiegelreflexkameras werden Winkelsucher angeboten, mit denen quasi um die Ecke geschaut werden kann. Damit hat der Photograph die Möglichkeit, die Kamera ganz am Boden zu platzieren und gleichzeitig bequem von oben in den Sucher zu schauen. Eine ganz bequeme Lösung sind Digitalkameras mit schwenkbaren Displays mit Live-View. Diese werden nicht mehr nur für Kompakt- und Bridge-Kameras angeboten. Inzwischen gibt es auch Spiegelreflexkameras, bei denen das Sucherbild auf dem integrierten Monitor betrachtet werden kann.

Hilfreich ist in jedem Fall ein entsprechendes Stativ mit minimaler Mindesthöhe, bei dem beispielsweise die Beine im 90-Grad-Winkel abgespreizt und die Mittelsäule ausgebaut werden kann. Damit richtet der Photograph die Kamera ganz in Ruhe aus, ohne dass er dabei allzu lange in einer unbequemen Haltung ausharren muss.

Auch die Beleuchtung ist kein unlösbares Problem. Zwar ist eine von unten photographierte Blüte meist ein dunkles Hauptmotiv vor hellem Himmel. Dem kann aber abgeholfen werden. Ein kleiner Aufheller wirkt Wunder. Der kann leicht in einer Hand gehalten werden und so die Blüte auch von unten beleuchten. Die andere Option ist, die Blüten frontal vor der Sonne anzuordnen. Sind die Blütenblätter fein und zart genug, schimmern sie in leuchtenden Farben im Gegenlicht. Blitzen ist natürlich in der Blumenphotographie auch erlaubt und sollte zum Einsatz kommen, möchte man eine optimal ausgeleuchtete Aufnahme in den Händen halten. Belichtungsreihen sind in jedem Fall empfehlenswert, denn oftmals kann man auf dem Kameradisplay nicht beurteilen, ob die Aufnahmen optimal ausgeleuchtet sind und die Blüten auch richtig zur Geltung kommen.
 

Fotografieren in der Praxis 06 / 2008

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