Porträtfotografie - Brennweite und Schärfentiefe

© Fotograf: Uwe-Dressler, Photoglobus
© Fotograf: Uwe-Dressler, Photoglobus
Kompakte System- und Spiegelreflexkameras sind dank des Objektivwechsels prädestiniert für die Porträtfotografie. Profifotografen setzen bevorzugt auf Vollfomat-Spiegelreflexkameras, da diese ihnen die höchste Bildqualität garantieren. Dies ist jedoch kein unbedingtes Muss. Sehr viel entscheidender ist die Optik, die eingesetzt wird.

Porträts wirken dann besonders natürlich, wenn der Abstand zwischen Fotograf und Porträtierten deutlich über einem Meter und etwa drei Metern liegt. Dies ist übrigens auch der normale Abstand alltäglicher Interaktion. Ist ein formatfüllendes Porträt das Ziel, so ergibt sich daraus ein Bildwinkel zwischen etwa 15 und 30 Grad – also deutlich kleiner als der von typischen Normalobjektiven mit etwa 45 bis 55 Grad.

© Fotograf: David Tenberg, Photoglobus
© Fotograf: David Tenberg, Photoglobus
Mit Normalobjektiven – bitte den Crop-Faktor im Blick haben – gelingen durchaus überzeugende Porträtaufnahmen, wobei sehr viele Fotografen auf „leichte“ beziehungsweise „kleine“ Teleobjektive mit einer Brennweite zwischen 80 und 135 mm setzen. Die Darstellung gilt als angenehm, verzerrungsfrei, aber noch nicht als „flach“, wie bei einem Teleobjektiv mit einer längeren Brennweite beziehungsweise kleinerem Bildwinkel. Welches Objektiv man einsetzt, ist natürlich auch von der Kopfform abhängig, denn ein schmales Gesicht möchte man nicht noch schmaler erscheinen lassen, nur weil ein Objektiv größer 70 mm (KB-Format) eingesetzt wurde. Von Weitwinkelobjektiven ist in der Porträtfotografie schlichtweg Abstand zu nehmen, denn damit würde man dem Porträtierten nicht nur zu nahe kommen, sondern auch Verzeichnungen in Kauf nehmen. Hinzu kommt, dass ein Freistellen durch Unschärfe vor unruhigem Hintergrund mit Weitwinkelobjektiven schwierig bis unmöglich ist.

© Fotograf: Ullrich M D Müller, Photoglobus
© Fotograf: Ullrich M D Müller, Photoglobus
Eine wichtige Gestaltungsmöglichkeit in der Porträtfotografie ist das Freistellen mittels geringer Schärfentiefe. Diese wird von den Faktoren – verwendete Blende, Entfernung zum Objekt und Brennweite – beeinflusst, die vom Fotograf variiert werden können. In der Porträtfotografie ist es wichtig, den Hintergrund in Unschärfe verschwinden zu lassen, damit dieser nicht vom Hauptmotiv ablenkt. Hierzu ist in der Porträtfotografie eine große Anfangsblende erforderlich, weshalb Porträtobjektive im Kleinbildbereich in der Regel Anfangsöffnungen von 1:2,8 oder lichtstärker aufweisen – verfügbar sind Objektive bis zu einer Anfangslichtstärke von 1:1,2. Mit offener Blende kann das Gesicht oder die gesamte Person vom Hintergrund und gegebenenfalls dem Vordergrund optisch abgesetzt werden. Bei genauer Fokussierung auf die Pupille(n) kann dabei ein besonderer Akzent auf die Augenpartie gelegt werden.

Fotografieren in der Praxis 05 / 2013

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