Rummelplätze - Bewegungen im Lichtermeer

© Fotograf: Ernst Hobscheidt, Karussell IKARUS, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Ernst Hobscheidt, Karussell IKARUS, Blende-Fotowettbewerb
Rummelplätze sind für Groß und Klein überaus reizvoll. Mit ihren Fahrgeschäften und Buden verstehen sie es immer wieder aufs Neue, Menschen anzulocken. Wir selbst zählen zu jenen, die die Fahrgeschäfte mit unserem Leib und unserer Seele meiden und sich stattdessen dem Rummelplatz lieber fotografisch zuwenden. Wir sagen Ihnen sicherlich nichts Neues, dass die beste Zeit die Blaue Stunde – also der Übergang zwischen Tag und Nacht – ist. Am Tag eingefangene Impressionen von den Fahrgeschäften können Sie sich sparen, außer Sie fotografieren mit entsprechend Filtern. Aus unserer Sicht sollten dann dann lieber die Menschen und ihre Aktionen an den Buden im Fokus stehen. Fotografisch für eine Serie interessant ist auch, das Schaustellerleben abzubilden. Dies setzt allerdings Kontaktfreude voraus. Mit einem einmaligen Besuch des Rummelplatzes ist es dann in der Regel auch nicht getan. Reizvoll ist in jedem Fall der fotografische Blick hinter die Kulissen gerade auch deshalb, weil ihn die wenigsten für sich thematisieren.

© Fotograf: Thomas Kakalik, Spezialität Fahrgeschäft, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Thomas Kakalik, Spezialität Fahrgeschäft, Blende-Fotowettbewerb
Hochwertige Kompaktkameras mit ihrem großen Funktionsumfang sowie Spiegelreflex- und kompakte Systemkameras sind bestens geeignet für aussagekräftige Aufnahmen vom Rummelplatz. Smartphones können – außer es versucht Sie jemand telefonisch zu erreichen – getrost in der Tasche bleiben. In der Blauen Stunde und/oder bei Dunkelheit erzielen Sie mit diesen Aufnahmegeräten keine überzeugenden Aufnahmen. Außerdem ist ihr fotografischer Funktionsumfang so begrenzt, dass nur der Nahbereich in Frage kommt. Auch wenn man heutzutage den einen oder anderen auf dem Rummelplatz mit dem Tablet fotografieren sieht, so ist das nicht nur absolut unhandlich, auch die Bildqualität reißt einen nicht vom Hocker – sie ist vielfach noch schlechter als die der Smartphones.

Akkus gehören natürlich vor dem Rummelplatzbesuch geladen, einen Ersatzakku würden wir in jedem Fall mit in die Fototasche packen wie auch Ersatzspeicherkarten, denn eventuell nutzen Sie auch die Videofunktion und dann benötigen Sie natürlich ausreichend Speicherplatz.

Der Experimentierfreude mit Belichtungszeit, Blende, Licht und Filtern sind auf dem Rummelplatz keine Grenzen gesetzt, außer der Akku ist nicht geladen und man hat zu wenige Speicherkarten im Gepäck. Wie schon erwähnt ist für stimmungsvolle Aufnahmen nur der Abend geeignet. Die sogenannte „Blaue Stunde“ – die Zeit zwischen Sonnenuntergang und Dunkelheit – ist ideal. Dabei ist der Motivkontrast zwischen den Lichtern und den unbeleuchteten Bildteilen noch nicht zu groß. Bei absoluter Dunkelheit besteht die Gefahr, dass einzelne Lichter im leeren Raum schweben. Zwar sind auch tagsüber Aufnahmen von Fahrgeschäften möglich, allerdings wird es ungleich schwieriger, Bewegungen mit längeren Verschlusszeiten einzufangen. Ein verwischtes Karussell oder Riesenrad wirken viel lebendiger, als ein stehendes Fahrgeschäft.

© Fotograf: Marius Mergelsberg, Wheels, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Marius Mergelsberg, Wheels, Blende-Fotowettbewerb
Lange Verschlusszeiten, wie Sie von Ihnen gewählt werden, erfordern ein Stativ. Je stabiler dieses ist, desto besser. Ein Fotografieren von Zeiten bis zu 1/15 Sekunde kann zwar aus der Hand möglich sein, aber schärfere Bilder gibt es nur mit Stativ. Diese ermöglichen zudem, den Bildaufbau in Ruhe in Angriff zu nehmen und bei Bedarf jederzeit leicht korrigieren zu können. Wegen der Menschenmengen auf Rummelplätzen würden wir dem Einbeinstativ den Vorzug geben. Dann stolpern andere Besucher auch nicht drüber.

Verwischte Bewegungen werden ab einer Belichtungszeit von etwa 1/15 Sekunde sichtbar. Ein Riesenrad, das sich gemächlich dreht, verlangt natürlich andere Zeiten als ein Kettenkarussell, das geradezu im Kreis rast. Bei 1/15 Sekunde verwischen Personen und Geräte. Ein Riesenrad verträgt durchaus Belichtungszeiten bis zu vier oder gar acht Sekunden. Beim Kettenkarussell kann da schon ein heilloses Durcheinander auf dem Bild entstehen – schnell in die Höhe schießende Plattformen können nur noch als Streifen auftauchen. Belichtungsreihen sind in jedem Fall ratsam.

© Fotograf: Günter Passage, Blaue Stunde auf dem Rummelplatz, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Günter Passage, Blaue Stunde auf dem Rummelplatz, Blende-Fotowettbewerb
Hoch aufragende Fahrgeschäfte haben den Vorteil, dass Sie nach oben fotografieren können und am Boden vor der Kamera entlanggehende Personen gar nicht im Bild erscheinen. Alternativ kann auch ein Standort weiter weg gewählt werden und ein Teleobjektiv zum Einsatz kommen.

Geduld, aber auch Experimentierfreude sind das A und O für bestechende Aufnahmen von Fahrgeschäften. Der Auslöser muss mehrmals betätigt werden und als überaus nützlich kann sich die Serienbildfunktion erweisen. Mit der Perspektive sollte in jedem Fall gespielt werden. So ist es für ausdrucksstarke Aufnahmen nicht zwangsläufig notwendig, Fahrgeschäfte im Ganzen abzulichten. Vielfach kann ein Ausschnitt sehr viel imposanter wirken.

Fotografieren in der Praxis 08 / 2014

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