Schwarzweiß mit Farbe

Schwarzweiß mit Farbe Bildgalerie betrachten

Moritz Maler

Es gibt Aufnahmen, die sind schwarzweiß, und solche, die sind schwarzweiß aber dennoch farbig, ohne wirklich bunt zu sein. Wie ist das möglich? Jenseits von Bildbearbeitungsprogrammen hat der Photograph mithilfe von Tonern die Schwarzweißphotographie in eine farbige verwandelt.

Toner verändern das Bildsilber im Schwarzweißphoto so, dass Farbe entsteht. Je nachdem in welche Chemikalienmischung eine Photographie getaucht wird, verändert sich die Farbe. Theoretisch sind auch Filme tonbar, allerdings hat der Laborant dann nur einen Versuch. Ist das Ergebnis nicht zufriedenstellend, ist das Negativ zerstört. Versuche braucht es beim Tonen meist mehrere, denn es ist keine exakte Wissenschaft, sondern eine kreative Tätigkeit für Experimentierfreudige im Labor. Temperatur, Papiersorte und Papierart - viele Faktoren bestimmen, wie das Bild den Toner annimmt.

Der erfahrene Photograph kann Toner aus einzelnen Chemikalien anrühren, praktischer und auch für Anfänger tauglicher sind jedoch fertige Toner, die von verschiedenen Herstellern über den Photofachhandel angeboten werden. Es gibt auch Toner-Kits mit mehreren Farben, die darauf beruhen, das Bildsilber auszulagern und mit Farbkupplern einzufärben.

Eine andere Möglichkeit, mehrere Farben zu mischen, ist das so genannte Split-Tonen. Dabei wird das Bild nicht völlig durchgetont, sondern herausgenommen, bevor auch die hellen Bildteile (Spitzlichter) die Farbe des Toners angenommen haben. Gegebenenfalls kann das Bild in einem Bleichbad behandelt werden, bevor es in einen anderen Toner gelegt wird. Durch mehrfaches Tonen in unterschiedlicher Länge eröffnen sich viele neue kreative Möglichkeiten.

Der einfachste, überall erhältliche, und im unbenutzten Zustand sogar trinkbare Toner ist Schwarztee. Ein Schwarzweißphoto in Schwarztee eingelegt wird schon nach wenigen Minuten seine Farbe verändern. Das ganze Bild färbt sich Teebraun, weiße wie schwarze Bildteile verändern ihre Farbe nach und nach. Eine einfache Methode, ein Bild auf alt zu trimmen.

Gleiches ist mit einem Brauntoner möglich. Er erzeugt ein kräftiges Braun in einem einfachen Bad. Ein zusätzliches Bleichen vorher ist nicht nötig, ganz im Gegensatz zur Sepiatonung. Nach dem Bleichen wird die Photographie in den Toner gelegt und erhält nostalgische, braune Farbtöne. Gleichzeitig wird dadurch die Archivbeständigkeit der Aufnahmen erhöht. Auch ein teilweises Bleichen ist möglich, so dass dunkle Bildteile nach der Behandlung nach wie vor in dunklem Schwarz erscheinen. Ein helleres Braun lässt sich durch Verdünnen des Sepiabades erzielen.

Ein einfach anzuwendender Toner ist der Blautoner, der auf Preußischblau basiert. Er färbt das ganze Bild gleichmäßig blau. Spitzlichter lassen sich durch kurzes Bleichen wieder weiß zaubern, auch ist es möglich, blau getonte Bilder anschließend in Selentoner zu baden, wodurch dunkle Bildpartien dunkler werden und helle Bildteile aufhellen, also grauer werden. Schließlich kann ein blau getontes Bild auch wieder aufgehellt werden, indem es erneut entwickelt wird. Blautoner verlängert die Haltbarkeit von Photographien nicht.

Kupfertoner erzeugt in Abhängigkeit von der Dauer der Behandlung, unterschiedliche Rottöne. Im Gegensatz zu anderen Tonern hellen sie zudem die Photographien auf. Der Farbton lässt sich intensivieren, indem die Aufnahme mehrfach getont und anschließend nochmals entwickelt wird. Auch Grüntoner liefert (nach vorheriger Bleichung) verschiedene Farbtöne von zartem Gelb bis hin zu kräftigem Dunkelgrün.

Soll die Haltbarkeit von Photographien erhöht werden, ist die Selentonung das Mittel der Wahl. Bei entsprechend hoher Verdünnung ist der Tonungseffekt kaum sichtbar, dunkle Bildteile werden etwas dichter, die Kontraste wirken etwas steiler. Ein fast genauso gutes Mittel, die Haltbarkeit zu erhöhen, aber ungleich teurer, ist die Goldtonung. Der Toner erzeugt ein kaltes Blau. Soll die Photographie wirklich goldfarben werden, muss die Aufnahme zunächst in Sepiatoner und danach mit Goldtoner behandelt werden.

Toner sind Photochemikalien. Die entsprechenden Verarbeitungshinweise müssen genau beachtet werden, um Gesundheitsgefahren abzuwenden. Gebrauchte Tonerbäder gehören nicht in den Ausguss, sondern zur Problemstoffsammlung.
 

Fotografieren in der Praxis 09 / 2007

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