Schwarzweißfotografie und HDR

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© Blende, Dennis Mohrmann, D o w n s t a i r s

Die HDR-Fotografie findet immer mehr Anhänger, was nicht nur auf die besondere Bildwirkung zurückzuführen sein dürfte, sondern auch darauf, dass es mit nahezu allen aktuellen Kameramodellen heute für jeden möglich ist, HDR anzuwenden. Für alle, die von HDR noch nicht gehört haben: HDR ist die Abkürzung für High Dynamic Range. HDR-Bilder können von immer mehr aktuellen Kameras aufgenommen, als 3D-Computergrafiken künstlich erzeugt oder aus einer Belichtungsreihe nachträglich rekonstruiert werden. Hier werden zwischen zwei – besser drei – bis zu acht oder manchmal noch mehr Aufnahmen von ein und demselben Motiv mithilfe von Software zu einer Aufnahme verschmolzen.

Prädestiniert für die HDR-Fotografie sind Motive ohne sich bewegende Elemente, wie Landschaften oder beispielsweise Architektur. HDR garantiert einen enormen Kontrastumfang, weshalb sie auch sehr gern in der Schwarzweißfotografie zum Einsatz kommt. Hier haben wir keine Farbexplosion, sondern durch das Zusammenführen der Belichtungsreihe eine intensivere Herausarbeitung der Details von Licht und Schatten. Auch, wenn man im Gegensatz zur Farbfotografie bei Schwarzweiß weniger damit zu kämpfen hat, dass die Aufnahmen mitunter kitschig bunt und dadurch sehr unnatürlich, ja psychodelisch anmuten, ist dennoch Fingerspitzengefühl angesagt. Die Frage, die sich jeder Fotograf stellen sollte, ist, ob man einer Aufnahme HDR unbedingt ansehen sollte. Auf der anderen Seite kann bei Übertreibung das Besondere hervorgehoben und dadurch das Augenmerk darauf gelenkt werden. Da die HDR-Fotografie derzeit absolut in Mode ist und sich immer mehr Anwender darin versuchen, steigt auch die Zahl derer, die sie nicht mehr sehen wollen, weil ihnen die „Natürlichkeit“ der Fotografie fehlt.

Durch HDR kann der Tatsache entgegengewirkt werden, dass die meisten Kameras nur ein beschränktes Spektrum an Helligkeit aufzeichnen können. Daraus ergibt sich, dass manches zu dunkel, anderes zu hell ist und man dadurch Probleme hat, es differenziert zu erkennen. Unser Gehirn kann diesen Sachverhalt ausgleichen. HDR-Aufnahmen setzen sich aus wenigstens zwei – besser sind drei – oder mehr Einzelaufnahmen zusammen, die zu einer Aufnahme verschmolzen werden. Ein Stativ ist Pflicht, denn nur so ist Deckungsgleichheit garantiert. Aktiviert man an seiner Kamera nicht den HDR-Modus, so sollte der Belichtungsunterschied ein bis zwei Belichtungsstufen zwischen den einzelnen Aufnahmen betragen. Wie viele Einzelaufnahmen man von einem Motiv zu einer HDR-Aufnahme vereint, hängt nicht nur vom Abgelichteten ab, sondern auch von den Lichtverhältnissen, dem Belichtungsunterschied innerhalb des Motivs, dem Kontrastumfang, von der Auflösung des Sensors, dem Bildformat und der verwendeten Software, aber auch von den eigenen Ansprüchen.

Fotografieren in der Praxis 11 / 2013

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2 Kommentare

Hallo, ich kann das Gerede über " fehlende Natürlichkeit" und kitschige Fotos im Zusammenhang mit HDR nicht mehr hören. Hier scheint einer vom anderen abzuschreiben ohne selbst in HDR fotografiert zu haben. Wenn man z.B. die Fotos in Photomatix lädt, muss man für das endgültige Bild nicht zwangsläufig die malerischen oder surrealistischen Versionen auswählen. Meine Fotos sehen jedenfalls nicht unnatürlich aus.Im Gegenteil, Strukturen und Farbdetails werden viel besser sichtbar und die Bilder wirken sehr plastisch. Die Farbintensität kann doch jeder nach seinen Bedürfnissen regeln. In Innenräumen und besonders in Kirchen bekommt man ohne zusätzliche Beleuchtung einen wunderbaren Kontrastausgleich und auch Farbe in den Schatten. Wolfgang Buchholz Bielefeld

von Wolfgang Buchholz
12. Dezember 2013, 18:58:53 Uhr

HDR bietet zweifellos eine gute Möglichkeit für reizvolle Bildkompositionen. Je mehr Bilder man sich aber davon mit der Zeit ansieht, um so mehr wird die Begrenztheit dieser technischen Möglichkeit im Colorbereich deutlich. Sprich: Ein Gähneffekt macht sich bei mir breit, so überrascht ich auch anfangs selber war. Diese Bilder, mit Ausnahmen, passen in den Bilderramen der übertriebenen pietistischen Jesusbilder oder Schwanen- und Hirschmotiven über den Betten unsere Großmütter und Urgroßväter, was ja durchaus nicht zu verachten ist, aber diese Fotos wirken doch oft sehr, sehr kitschig, wie es oben im Artikel gut beschrieben wurde. Stimme dem also voll zu. Wer HDR Bilder erzeugt,muß so etwas ähnliches wie das Feeling eines Kunstmalers mitbringen, sonst rutscht die Montage auf Basarniveau ab und hat mit Fotografie nur noch wenig zu tun. Fazit: Ich habe nun genug Bäche, Flüsse und Meeresufer gesehen, in denen "Milch und Honig fließt". Wilfried Baganz aus Mecklenburg Strelitz

von Wilfried Baganz
07. November 2013, 08:32:40 Uhr

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