Smartphone-Fotografie 12 Tipps für bessere Bilder

Regelmäßige Bilddatensicherung nicht vergessen

© Fotograf: Paul Bering, This is Water, Blende-Fotowettbewerb
Paul Bering, “This is Water”,
“This is Water” – David Forster Wallace. Dieses Bild inszeniert den Inhalt der Rede von David Forster Wallace “This is Water”, die im Jahr 2005 bei einer Abschlussfeier für Studenten des Kenyon College gehalten wurde. Er erzählt vom Alltag, der die Studenten nach ihrer Ausbildung erwartet. Man erlebt immer die gleiche banale Routine und die Desillusionierung mit dem Leben und den Mitmenschen nimmt zu. Das ist der stetige Kampf um Geld und Macht. Man strebt nach Freiheit, aber wirklich entscheident ist jedoch die Offenheit, Achtsamkeit und Empathie gegenüber anderen Menschen. Fotografiert mit dem iPhone. Streetfotografie, Urbanität und Philosophie.

Smartphones sind das Schlüsselprodukt der Digitalisierung und die Schaltzentrale des täglichen Lebens. Sie haben die Kommunikation ebenso revolutioniert wie den Musikkonsum und mit ihrer eingebauten Optik sind sie die Kamera, die man immer mit sich führt. Für 15 Prozent der Verbraucher ist das Fotografieren nach Deolitte eine täglich genutzte Smartphonefunktion. Die Sensorauflösungen schnellen ebenso in die Höhe wie die ISO-Empfindlichkeiten. Immer mehr Smartphones beherrschen 4K und Dual-Kameras mit zwei Festbrennweiten werden zunehmend zum Standard. Künstliche Intelligenz (KI) automatisiert zunehmend Aufnahmeeinstellungen und simuliert beispielsweise den Bokeh-Effekt immer realistischer. Wann Smartphones an die Aufnahmequalitäten von hochwertigen Kompakt-, kompakten System- und Spiegelreflexkameras heranreichen werden, darüber wird intensiv diskutiert. Auch wenn Smartphones allein durch die kleine Linse den Kameras in vielen Punkten unterlegen sind, so gelingen mit ihnen tolle Aufnahmen, wenn man nachstehende 12 Tipps im Auge behält.

1. Linse säubern mit weichem Tuch

Typische Smartphone-Objektive haben meist nur ein paar Millimeter Durchmesser. Die kleinste Unreinheit wirkt sich hier schon störend aus. Ein kurzer Blick auf die Linse vor dem fotografieren ist wichtig, da das Gerät in der Tasche auch mal dreckig wird. Zum Säubern eignen sich weiche Tücher, wie feine Mikrofaser, nicht-fusselnde Baumwolle oder flauschige Brillenputztücher vom Optiker. Bitte keine Papiertaschentücher, denn die zerkratzen die Optik.

2. Auflösung und Bildqualität auf Maximum

© Fotograf: Ulf Maurer, Toulouse voir double, Blende-Fotowettbewerb
Ulf Maurer, „Toulouse voir double“
Le musée des Instruments de Médecine des Hôpitaux de Toulouse mit Pont Neuf iPhone 6 plus: 1/4 Sek., f 2,2, ISO 125, 4.15 mm

Damit die Fotos später auf größeren Displays oder als Fotodruck nicht pixelig wirken, sollte das Gerät immer auf maximale Auflösung und höchste Bildqualität eingestellt sein. Die bessere Bildqualität erleichtert auch eine spätere Nachbearbeitung mit Fotosoftware. Tipp für Smartphones mit SD-Speicherkarten-Slot: Am besten für Situationen, in denen viel geknipst wird, eine leere Speicherkarte zum Wechseln dabei haben.

3. Mehrmals knipsen und hinterher aussortieren

Am besten immer gleich mehrere Fotos vom selben Motiv schießen und später die Nieten aussortieren. Manche Smartphones oder Foto-Apps bieten auch die Möglichkeit, eine automatische Bilderserie mit einem Knopfdruck aufzunehmen – auch Rapid-Fire oder Burst-Modus genannt.

4. Smartphone immer zweihändig bedienen

Ein sehr häufiges Problem sind verwackelte Fotos und solche, bei denen der Horizont schief ist. Deshalb sollte das Smartphone möglichst mit beiden Händen festgehalten werden. Im Querformat lässt sich das Smartphone sehr gut mit beiden Händen stabilisieren und mit einem Daumen bedienen. Dabei mit den Augen etwas näher am Display, um den Bildausschnitt genau zu prüfen. Ruhig ein und ausatmen, ergonomische Körperhaltung wahren und abdrücken. Tipp: Es gibt auch kleine Stative für Smartphones, die in jede Jackentasche passen.

5. Licht und Kontrast: Blitzeinstellung und ISO nicht der Automatik überlassen

© Fotograf: Nele Herrmann, 1975, Blende-Fotowettbewerb
Nele Herrmann, „1975“,
„Geblendet vom Blitzlichtgewitter der vielen Smartphones hebt Matthew Healy, der charismatische Sänger der Indie- Rock- Band “The 1975”, bei einem Konzert in der Frankfurter “Batschkapp” schützend seine Hand vor die Augen.“

Sind die Lichtbedingungen nicht perfekt, so sind Smartphones den Kameras schon allein wegen der kleineren Optik unterlegen. Auch wenn bei der aktuellen Smartphonegeneration die Sensorempfindlichkeiten nur so in die Höhe schnellen, sollte die ISO-Empfindlichkeit so niedrig wie nur möglich gewählt werden. Grund dafür ist, dass mit Anheben der Empfindlichkeit das Bildrauschen zunimmt. Die Aufnahmen wirken körnig und erscheinen dadurch weniger brillant. Die Lichtempfindlichkeit (ISO) lässt sich bei vielen Smartphone-Kameras über „Helligkeit +/-“ einstellen. Bei Dunkelheit kann das Restlicht durch einen Nachtmodus oder eine entsprechend längere Belichtungszeit verstärkt werden. In diesem Fall ist der Einsatz eines Stativs ratsam, um der Handunruhe entgegen zu steuern. Steht nur eine Person beziehungsweise ein Objekt im Vordergrund im Fokus, so sollte der Aufhellblitz zum Einsatz kommen. Dieser beleuchtet das Motiv wie eine Taschenlampe vor und nach dem Auslösen.

High Dynamic Range (HDR) ist heute auch in vielen Smartphones ein nützliches Aufnahmefeatures. Sollte das Smartphone noch nicht über das High Dynamic Range Feature verfügen, so kann man sich auch entsprechende App runterladen. Beim Auslösen werden mehrere Aufnahmen bei unterschiedlicher Belichtung eingefangen und dann zu einer Aufnahme zusammengefügt.

6. Zoomen mit den Beinen

Wenn ein Motiv zu weit weg ist, sollte man nach Möglichkeit näher ran, das heißt „mit den Beinen zoomen“. Vom eingebauten digitalen Zoom am besten ganz die Finger lassen, denn dieser bringt nichts, weil die Aufnahmen nur hochgerechnet und dadurch pixliger werden. Hat das Smartphone bereits ein Miniobjektiv, vergrößert der optische Zoom hingegen das Bild ohne Verlust an der Auflösung. Immer mehr Hersteller bieten übrigens kleine Objektive an, die vor die Smartphone-Optik gesetzt werden können und mit denen sich der fotografische Spielraum vergrößern lässt.

7. Porträts auf Augenhöhe

© Fotograf: Jens Heetlage, nächtlicher Gartenbesucher, Blende-Fotowettbewerb
Jens Heetlage, „Nächtlicher Gartenbesucher“
Habe diesen Igel nachts bei uns im Garten getroffen und ihn mit meinem Smartphone fotografiert!

Immer auf Augenhöhe gehen, das verspricht gelungene Porträtaufnahmen. Wichtig ist, dass die Schärfe auf den Augen liegt. Für Porträts möglichst weiches, warmes und indirektes Licht verwenden, um ungewollte Schatten oder geblendete Augen vorzubeugen.

8. Das Motiv: Weniger ist mehr

Je einfacher die Bildkomposition, desto ansprechender wirkt das Foto auf den Betrachter. Wichtige Details gehen im großen Bildausschnitt verloren. Also nicht versuchen, zu viele Personen, Gegenstände und Eindrücke auf ein Foto zu quetschen. Ein Hingucker pro Aufnahme reicht oft. Tipp zum Maßstab: Wenn das Motiv ein großes Kunstwerk oder ein Monument wie das Brandenburger Tor ist, wirken die wahren Größenverhältnisse erst, wenn eine Person oder ein Gegenstand mit im Bild sind. Dadurch wird für den Betrachter erst klar, welche Dimension das große Objekt hat.

9. Bildkomposition: Klassische Drittelregel

Fotos wirken langweilig, wenn das Hauptmotiv genau in der Mitte liegt. Bei der Drittelregel teilt man das Display gedanklich horizontal und vertikal in jeweils drei Drittel: Es entstehen 3 × 3 gleichgroße Felder. Nun orientiert sich der Fotograf an einem der vier Eckpunkte des mittleren Feldes, um dort in der Nähe das Hauptmotiv zu positionieren. Im Gesamtmotiv bereits vorhandene natürliche Linien wie der Horizont oder ein Baum im Vordergrund sollten idealerweise an den Drittellinien des gewählten Eckpunkts ausgerichtet werden. Tipp: Symmetrische Formen und Muster oder sich wiederholende Linien bilden manchmal einen schönen Blickfang. Türen, Fenster oder Toreinfahrten etc. wirken als natürlicher Rahmen oft interessant.

10. Mit der Perspektive spielen

© Fotograf: Günther Stutz, Schattensprung, Blende-Fotowettbewerb
Günther Stutz, „Schattensprung“,
„Das Foto fertigte ich in einer Nacht dieses Jahres mit einem iPhone in Porec an. Die Burgmauer der Altstadt wurde mit verschiedenfarbigen Leuchten angestrahlt. Das Licht war grell und wirkte vor allem vor dem alten Gemäuer in sonderbarer Weise. Ich bat eine Bekannte, verschiedene Posen einzunehmen und so kamen einige lustige Bilder heraus. Die Menschen, die nach und nach stehen blieben und uns zuschauten, waren begeistert.“

Hochhalten kann jeder sein Smartphone und deshalb gleichen sich die Smarttphoneaufnahmen auch in gewisser Weise. Damit dem nicht so ist hilft das Spiel mit der Perspektive und die sogenannte fotografische Komfortzone zu verlassen. In der Praxis bedeutet dies ab in die Knie und gegebenenfalls auch mal auf den Bauch.

11. Fokuspunkt und gewollte Unschärfe

Manche Smartphones oder Foto-Apps bieten die Möglichkeit, den Belichtungspunkt unabhängig vom Fokus zu setzen. Diese Funktion verhindert zusätzlich, dass in schwierigen Lichtsituationen Bereiche über- oder unterbelichtet werden. Wer ein sogenanntes Bokeh erzeugen möchte und noch nicht über ein Smartphone neuester Generation verfügt, kann diese ästhetisch-unscharfen Bildbereiche durch Fokussieren auf Objekte im Vordergrund mit mindestens zwei bis drei Metern Abstand erzeugen. Trend-Thema Tilt-Shift: Diese Funktion ermöglicht gezielte Unschärfen, die beispielsweise ein Stadt-Panorama wie eine Modellbaulandschaft aussehen lassen.

12. Bilddaten regelmäßig – wenigstens wöchentlich – sichern

Smartphones können Schaden erleiden. So hat eine Studie ergeben, dass der häufigste Unfallgrund der ist, dass Smartphones aus der Hosentasche ins WC fallen. In den meisten Fällen hilft dann kein Rettungsversuch und alle Aufnahmen sind weg. Aber auch Diebstahl ist keine Seltenheit, denn wie oft legen Nutzer ihr Smartphone in der Öffentlichkeit auf einen Tisch. Langfinger haben ein leichtes Spiel. Sowohl ein Defekt als auch der Diebstahl sind für sich genommen schon schlimm, sind Smartphones doch das Tor zur Außenwelt. Wenn dann aber auch noch alle Fotos und Videos unwiederbringlich weg sind, dann wird es ganz schmerzlich. Aus diesem Grund sollten die Bild- und Videodaten wenigstens einmal in der Woche gesichert werden. Die Cloud gilt derzeit als der sicherste Speicherort. Aber auch die Übertragung der Aufnahmen auf einen Rechner und/oder Tablet ist kein Hexenwerk.

„Blende“ – Der generationsübergreifende Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. „Blende“ schärft mit seinen jährlich wechselnden thematischen Vorgaben die Sinne. Die eingereichten Wettbewerbsbeiträge sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch die Teilnahme an „Blende“ den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Die Anzahl der eingereichten Smartphone-Aufnahmen nimmt von Jahr zu Jahr zu und es ist nicht ausgeschlossen, mit diesen erfolgreich bei „Blende“ zu sein. Die Wahrscheinlichkeit steigt, wenn man die aufgeführten Tipps beherzigt.

„Blende“-Teilnehmer sind mit ihren eingereichten Wettbewerbsbeiträgen nicht nur wichtige Botschafter für die Fotografie. Sie treten den Beweis an, wie lohnenswert es ist, die Welt in der man sich aufhält aktiv wahrzunehmen.

Weitere Informationen zu „Blende“: https://www.prophoto-online.de/fotowettbewerb-blende

Fotografieren in der Praxis 04 / 2018

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